23.02.2016 | Top-Thema Von CBRE bis BNP – So nutzen große Immobiliendienstleister Big Data

Best-Practice-Beispiel: „Viel mehr als die Einführung einer neuen Software“

Kapitel
Andreas Völker, Geschäftsführer BNP Paribas Real Estate Consult GmbH
Bild: BNP Paribas Real Estate

Was bringt digitales Immobilienmanagement? Andreas Völker, Geschäftsführer BNP Paribas Real Estate Consult GmbH, berichtet aus der Praxis.

Digitalisierung prägt inzwischen alle unsere Lebensbereiche. Auch die Immobilienwirtschaft muss sich diesem Trend stellen. Offensichtlich tut sich die Branche damit aber noch etwas schwer. Dabei gibt es schon erfolgreich etablierte Online-Vertriebsplattformen, vor allem für die Vermietung und den Verkauf von Wohnimmobilien. Auch interne Prozesse des Vertriebs und der Objektverwaltung finden digital statt. Meist handelt es sich aber um Insel-Lösungen, die kaum vernetzt sind.
Die Herausforderungen in der Branche aber wachsen. Die Daten- und Informationsmengen nehmen exponentiell zu, gleichzeitig steigt der Kostendruck.
Digitalisierung heißt aber natürlich nicht, analoge Prozesse eins zu eins in die digitale Welt zu transformieren. Vielmehr ergeben sich sehr schnell Vereinfachungs- und Automatisierungsmöglichkeiten, insbesondere über den gesamten Lebenszyklus der stark von Schnittstellen und von hoher Arbeitsteilung geprägten Immobilienbewirtschaftung.


Um Digitalisierung im Unternehmen voranzubringen, sind zwei Kernfragen zu beantworten:


› Welchen Mehrwert bringt Digitalisierung?
› Wie verändern sich Geschäftsprozesse und interne Abläufe?


Die Berechnung des Mehrwerts ist nicht einfach. BNP Paribas Real Estate hat je Use Case den Aufwand vor und nach der Einführung digitaler Prozesse kalkuliert und hat diese Ersparnis den Investitionen und laufenden Kosten für das entsprechende Tool und für die Anpassung vorhandener Softwarestrukturen gegenübergestellt.

Die Veränderung von Geschäftsprozessen und internen Abläufen ist dabei eine besonders sensible Aufgabe, da sie die Tätigkeit von Mitarbeitern betrifft. Die Umsetzung von Digitalisierung geht oft auch mit einem umfassenden Change-Management-Prozess einher. Deshalb ist Digitalisierung eben nicht einfach nur die Einführung einer neuen Software, sondern auch eine kritische Inventur über Jahre vorhandener Strukturen und Prozesse, die in eine neue Welt überführt werden müssen. Und dies kann nur gelingen, wenn man die Anwender und Nutzer bei dieser Veränderung von Anfang an mitnimmt.


Der Mehrwert und die Zielvision von Digitalisierung im Immobilienmanagement ist daher auch eine individuelle, für jedes Unternehmen anders zu beantwortende Frage. Es hilft, den Status quo sehr kritisch analysieren zu lassen: Was läuft bereits gut? Wo entstehen Mehrarbeit und Redundanzen? Wie läuft heute der Informationsaustausch ab und wie könnte er vereinfacht werden?


Schnell ergeben sich sehr konkrete Ansätze für Verbesserungen. Aus dieser Zielversion können wichtige Elemente des Anforderungsprofils für ein digitales Immobilienmanagement abgeleitet werden. Eine Kosten-Nutzen-Analyse liefert außerdem den Beleg, ob sich die Einführung einer Innovation rechnet und nicht nur eine Veränderung ohne Mehrwert darstellt. Wenn die Mitarbeiter tatsächlich durch das neue System in ihrem Tagesgeschäft entlastet werden, das Tool einfach zu bedienen ist und sich die Einführung zudem für das Unternehmen rechnet, wird die Digitalisierung im Immobilienmanagement ein Erfolg.
 

Dieser Text erscheint im Fachmagazin "Immobilienwirtschaft", Ausgabe 03/2016.

Schlagworte zum Thema:  Big Data, Immobilienwirtschaft, Immobiliendienstleister

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