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Immobilienbranche gegen schärfere Energieanforderungen für Gebäudebestand

Anhörung im Bauausschuss: Regierung will Anforderung an energetische Sanierung verschärfen
Bild: Ulrich Antas, Minden ⁄

Die Immobilienbranche lehnt eine Ausweitung der im Energieeinsparungsgesetz der Bundesregierung für Neubauten geplanten Verschärfungen der energetischen Vorgaben für bestehende Gebäude ab. Das wurde während einer Anhörung des Bau-Ausschusses am Mittwoch in Berlin deutlich.

Das Gesetz verpflichtet Bauherren, alle Neubauten nach dem 31.12.2020 als Niedrigstenergiegebäude zu errichten. Für Neubauten, die von Behörden genutzt werden und im Eigentum von Behörden stehen, soll diese Verpflichtung bereits zwei Jahre früher wirksam werden.

Es sei richtig, im Bestand beim Prinzip der Freiwilligkeit zu bleiben, sagte Walter Rasch von der Bundesarbeitsgemeinschaft Immobilienwirtschaft Deutschland (BID). Bei einheitlich hohen Vorgaben für die energetische Sanierung sei die Effizienz nicht gesichert.

Eine Ausweitung der Vorgaben auf den Bestand sei wirtschaftlich nicht sinnvoll und stoße auf verfassungsrechtliche Bedenken, sagte Kai H. Warnecke von der Eigentümer-Schutzgemeinschaft Haus und Grund. Dagegen übte Carsten Wachholz vom Naturschutzbund Deutschland (NABU) Kritik an der Regelung: Bei der Wirtschaftlichkeitsbetrachtung energierelevanter Bauteile und Technik seien sehr unterschiedliche, teils realitätsferne Annahmen getroffen wurden.

NABU und Städtetag sprechen sich für Klassensystem aus

Mehrfamilienhäuser würden durch die geplante Verschärfung stärker belastet als Einfamilienhäuser, sagte Dietmar Wahlberg von der Arbeitsgemeinschaft für zeitgemäßes Bauen. Das sei "nicht zielführend", da Mehrfamilienhäuser im Bau und in der Nutzung grundsätzlich energie- und ressourcenschonender ausgeführt und betrieben werden könnten. Wahlberg sprach sich für Änderungen beim Energieausweis aus, der derzeit keine Akzeptanz habe. Mit Verweis darauf, dass jedes Gebäude ein Unikat und daher auch nicht klassifizierbar sei, warnte er gleichzeitig davor, stattdessen ein Klassensystem entwickeln zu wollen.

NABU-Vertreter Wachholz sah das anders. Auch wenn es möglicherweise zu einigen Ungerechtigkeiten kommen könne, sei ein Klassensystem der richtige Weg. Für eine Einführung von Energieeffizienzklassen sprach sich auch Hilmar von Lojewski vom Deutschen Städtetag aus.

KfW steht Energieeinsparpflicht skeptisch gegenüber

Werner Genter von der KfW-Bankengruppe befürwortete die Zielrichtung des Gesetzentwurfes, ab 2020 Neubauten als Niedrigstenergiehäuser zu errichten. Das sei nötig, wolle man bis 2050 einen nahezu klimaneutralen Gebäudebestand erreichen. Einer entsprechenden Energieeinsparpflicht bei der Sanierung von Bestandsgebäuden steht der KfW-Vertreter skeptisch gegenüber.

Dies könne dazu führen, dass das Sanierungstempo nachlasse. Der Energieeffizienzverband für Wärme, Kälte und KWK begrüßt die geplante Steigerung der Effizienzstandards, machte dessen Vertreter Harald Rupp deutlich. In der Umsetzung müsse sichergestellt werden, dass die Balance aus Energieeinsparung, Energieeffizienz und dem Einsatz von erneuerbaren Energien weiterhin bestehen bleibe, sagte Rapp.

Schlagworte zum Thema:  Bundestag, Immobilienwirtschaft

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