08.06.2017 | Innovation

Immobilienbewertung mit der Datenbrille: Smart-Glasses-Prototyp entwickelt

Datenbrillen für den Immobilienbereich sind im Moment noch in der Entwicklung. Zukünftig sollen sie bei der Objektbewertung eingesetzt werden.
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Mit einem Lidschlag ein Foto vom Gebäude machen oder über Handgesten Informationen zum Objekt bekommen? Das soll mit Smart Glasses möglich werden – Datenbrillen, die derzeit auch für den Immobilienbereich entwickelt werden. Einen Prototyp gibt es von der Firma Sprengnetter bereits, bis zur Marktreife müssen allerdings noch etliche Details geklärt werden.

„Grundsätzlich ist die Anwendung bereits mit wesentlichen Funktionen arbeitsfähig.“ Holger Zimmer, Marketingleiter bei Sprengnetter

Bis zur Marktreife der „Property Glasses“ müssten in Sachen Nutzerführung und UX-Design allerdings noch Optimierungen erfolgen. Wann die Smart Glasses für die Bewertung von Immobilien tatsächlich zu kaufen seien, hänge von vielen Faktoren ab, erklärt Holger Zimmer, Marketingleiter bei Sprengnetter: „Usibility, Nutzwert versus Invest und letztendlich auch von der Nachfrage.“

Immobilienbewertung digital: Es gibt bereits zahlreiche Apps

Nach Aussagen des Marketingleiters gibt es derzeit kein anderes Unternehmen, das ebenfalls an einer Smart-Glasses-Lösung für den Immobilienbereich arbeitet. Es gebe zwar eine Vielzahl von Apps für Immobiliendienstleister, „aber unseres Wissens nach keine, die speziell für Smart Glasses entwickelt wurde“. Andere Firmen, etwa Epson Europe, hätten Interesse an der Entwicklung von Sprengnetter, sagt Zimmer. Das zeigt seiner Meinung nach, wie innovativ der Ansatz ist.

Property Glasses: Vor- und Nachteile der Entwicklung

Was wären die Funktionen der Property Glasses? Bereits möglich sei das Aufrufen eines Besichtigungsformulars, erklärt Zimmer, dieses könne über Handgesten gesteuert werden und es ließen sich Eingaben vornehmen. Zudem könnten mit den Smart Glasses Fotos erstellt werden. Weiterhin ließen sich Informationen zum Objekt einblenden, Gebäudetyp und Ausstattungselemente würden erfasst. Mit einigen Funktionen arbeite Sprengnetter bereits in seinen Apps ImmoInspect und ImmoWert2Go (einen Testbericht zu dieser App lesen Sie unten).

Sprengnetter erhofft sich von den Property Glasses viele Vorteile, etwa mehr Prozesseffizienz und dadurch Zeitersparnis: Die Eingaben des digitalen Besichtigungsprotokolls könnten medienbruchfrei an weitere Systeme übergeben werden. Außerdem dokumentierten die Property Glasses auch Dinge, die der Brillenträger selbst übersehen hat. Und der Immobilienexperte habe bei der Objektbesichtigung die Hände für andere Tätigkeiten frei. Im Moment benötige das Steuern der Gesten jedoch noch etwas Feinschliff, sagt Zimmer. Zudem könnten die Gesten auf den bei der Besichtigung zum Beispiel anwesenden Eigentümer „etwas befremdlich“ wirken, nennt Zimmer die Nachteile der Entwicklung auf. Weiterhin sei die Hardware derzeit noch recht kostenintensiv.

Smart Glasses: Entwicklung war zunächst als Forschungsprojekt geplant

Die Entwicklung der Sprengnetter Property Glasses sei eigentlich zunächst als Forschungsprojekt geplant gewesen, erklärt Zimmer. Da sich das Unternehmen jedoch laufend mit dem Thema „Digitalisierung in der Immobilienbewertung“ beschäftige, sei es nur folgerichtig gewesen, sich auch mit den neuesten Wearables zu beschäftigen und Visionen für deren Einsatz zu entwickeln.

(Text: Haufe Online Redaktion)

Testbericht: App ImmoWert2Go - Immobilienbewertung für unterwegs

Mit einigen Funktionen der Property Glasses arbeitet Sprengnetter bereits in seiner App ImmoWert2Go. Hält das kleine Programm, was es verspricht? Unser Autor Till Steinbrenner hat die App getestet.

Was „ImmoWert2Go“ ist und kann: Der Name ist Programm bei ImmoWert2Go. Die App für Android und iOS verspricht, immer und überall den ungefähren Wert einer Immobilie berechnen zu können. Mehr als ein Bild der Immobilie benötigt das kleine Programm dafür nicht.

Aber wie funktioniert dieser Zaubertrick? Erkennt die App automatisch das Gebäude, weiß wo es steht, wie groß es ist, wann es gebaut wurde und in welchem Zustand es sich befindet? Ganz so weit ist die Technik hier natürlich noch nicht. ImmoWert2Go löst die „Wo-Frage“ über die Standortermittlung des Smartphones. Der Ort, an dem das Bild einer Immobilie aufgenommen wurde, ist gleichzeitig das Objekt, für welches die App eine Bewertung vornimmt. Das Bild selbst ist nebensächlich: Ein Foto der Straße vor einem Haus funktionierte bei unserem Test ebenfalls. Die Standortbestimmung klappt insgesamt hervorragend. Leider lässt sich der Standort nicht manuell bearbeiten, wobei dieser Punkt nicht stark ins Gewicht fällt – die Hausnummer selbst ändert an der Bewertung nichts.

Beim Namen „2Go“ denkt man automatisch an Geschwindigkeit. Und tatsächlich: Die Immobilienbewertung erfolgt binnen weniger Sekunden. Heraus kommt ein ungefährer Schätzpreis, zusammen mit den durchschnittlichen Preisen der Region. In dieser Preisspanne liegt der vermutliche Kaufpreis laut dem Hersteller in 68 Prozent der Fälle. Auch bei der Konkretisierung des Ergebnisses bleibt die App ihren zwei höchsten Geboten – der Einfachheit und der Geschwindigkeit – treu. Gewählt werden darf zwischen Haus oder Wohnung, dem Baujahr und der Wohnfläche. Sprengnetter geht bei der Schätzung von einem durchschnittlichen Zustand aus.

Wie genau die Immobilienbewertung errechnet wird, darüber schweigt sich Sprengnetter aus. Die Rede ist von komplexen mathematischen Modellen. Die Zahlenbasis dahinter ist in jedem Fall beeindruckend. Mehr als eine Milliarde Informationen hat die App zur Verfügung, darunter fünf Millionen Angebotspreise und etwa neun Millionen Angebotsmieten aus Immobilienportalen und Zeitungsanzeigen sowie 550.000 Kaufpreise.

Rein technisch macht die App bereits jetzt einen guten Eindruck. Eine flüssige Bedienung und keinerlei Abstürze runden das gute Bild ab. Die Bedienung profitiert von einem gut strukturierten, keinesfalls überladenen Menü. Lediglich drei Reiter – Favoriten, Kamera und Einstellungen – werden benötigt.

Fazit: Sprengnetter hat es geschafft, Immobilienbewertungen gut und einfach auf das Smartphone zu portieren. Sicher hätte das Programm umfangreicher ausfallen können. Aber gerade weil es sich um ein „2Go"-Produkt handelt, ist das Ergebnis gut und harmoniert mit dem mobilen Begleiter optimal. Von der Simplizität profitiert am Ende vor allem der Nutzer, der mit der Immobilienbewertung nicht mehr warten muss, bis er sich in den eigenen vier Wänden befindet.

(Text: Till Steinbrenner, Freiburg)

Schlagworte zum Thema:  Innovation, Immobilienbewertung

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