21.03.2017 | Klimaschutz

Hamburg: Baukosten für Öko-Häuser sind weiter Streitthema

Die Dächer von Hamburg: Die Begrünung derselben könnte eine Lösung für bezahlbare Öko-Häuser sein
Bild: Corbis

Der Klimaschutzplan der Bundesregierung sieht vor, dass bis 2050 alle Gebäude in Deutschland nahezu klimaneutral sein sollen, ohne durch die energetische Modernisierung Mieter oder Eigentümer finanziell zu überfordern. Eigentümerverbände befürchten jedoch immense Kosten, während nun Hamburger Fachplaner sagen, dass Mehrkosten vermieden werden könnten. Das Thema wird in der Hansestadt gerade heiß diskutiert.

Vor einiger Zeit hatte Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) die Klimaziele im Gebäudesektor für den Klimaschutzplan 2050 noch einmal verschärft. Davon sei der Verband Norddeutscher Wohnungsunternehmen „alles andere als begeistert“ gewesen, wie eine Sprecherin sagt. Der Gebäudesektor sei nicht Hauptverursacher und habe bereits CO2-Emissionen eingespart, heißt es in einer Stellungnahme.

Der Hamburger Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne) ist da anderer Ansicht: Der Politiker weist darauf hin, dass der Gebäudebereich ein Viertel aller CO2-Emissionen in Hamburg verursache und ein hohes Potenzial zur Einsparung von Kohlendioxid habe.

Dennoch sei die Verschärfung der Ministerin im Gebäudesektor nicht nachvollziehbar, kontert die Bundesarchitektenkammer (BAK).

„Jede Verschärfung der energetischen Anforderungen führt zu einer Steigerung der Baukosten und damit auch der Mieten“, heißt es in der BAK-Mitteilung.

Leitstelle: Mieten werden durch klimafreundliche Baumaßnahmen nicht automatisch teurer

Die Leitstelle Klimaschutz in Hamburg sieht das konträr.

„Mieten werden durch klimafreundliche Baumaßnahmen nicht automatisch teurer“, sagt Bart Jan Davidse, Landschaftsplaner und Stadtentwickler.

Davidse ist derzeit zuständig für die Hamburger Gründachstrategie. Wenn eine Dachbegrünung gebaut werde, sagt er, koste das natürlich. Das Dach würde aber deutlich länger halten als ein normales Dach. Daher ist es laut Davidse nötig, die Lebenszykluskosten bei der Berechnung der Mietpreise stärker zu beachten.

Zebau: Mietpreise hängen nicht alleine vom Energiestandard ab

Laut Ingenieur Jan Gerbitz vom Zentrum für Energie, Architektur, Bauen und Umwelt (Zebau) hängen Mietpreise sowohl von den Energiepreisen als auch von guter Planung und dem Baumanagement ab, und eben nicht alleine von Energiestandard.

Auch im geförderten Wohnungsbau hat die Energieeffizienz laut einer Studie im Auftrag der Umweltbehörde keinen Einfluss auf die Baukosten.

Die Mittelwerte der Baukosten von verschiedenen Effizienzhäusern würden sich kaum unterscheiden, schreiben etwa Experten der Immobilienberatung F+B.

Ein Gutachten der Bauwirtschaft kommt allerdings genau zum gegenteiligen Ergebnis: „Der Energieeffizienzstandard eines Gebäudes hat einen (sehr) hohen Einfluss auf die Höhe der Baukosten und ist ein wesentlicher Einflussfaktor“, heißt es hier.

Hamburg-Uhlenhorst bekommt Passivhaus mit bezahlbaren Mieten

In Hamburg-Uhlenhorst entsteht derzeit ein Passivhaus mit 56 Wohnungen, das im August fertiggestellt werden soll. Das Bauprojekt „Vier für Finkenau“ sei aufgrund seines energetischen Standards etwas Besonderes für Hamburg, sagt Zebau-Architekt Lars Beckmannshagen. Finkenau habe eine gute Kombination aus erhöhtem Energiestandard und einer eigenen Wärmeversorgung. Insgesamt biete der Bau 4.275 Quadratmeter Wohnfläche.

Und größtenteils werden laut Beckmannshagen Mieter mit geringem und mittlerem Einkommen einziehen. Die geförderten Wohnungen hätten einen Mietpreis von 6,90 Euro pro Quadratmeter, ergänzt Karsten Wagner von der Johann Daniel Lawaetz-Stiftung. Die Nettobaukosten hätten bei rund 2.000 Euro gelegen.

Klimamodellquartiere mit Schlüsselrolle

Solchen Klimamodellquartieren schreibt Hamburg in seinem Klimaplan eine Schlüsselrolle in der Klimawende zu. Die Stadt hat von 2013 bis 2015 rund 95.000 Euro investiert, für 2016 waren noch mal 50.000 Euro geplant. Quartiere wie die in Finkenau seien ein guter Weg, um die Klimaziele zu erreichen, sagt Gerbitz. Die gesamten Subventionen der Stadt für klimafreundliches Wohnen lagen von 2013 bis 2015 bei rund 13 Millionen Euro.

Mit dem Hamburger Klimaplan berichtet der Senat der Bürgerschaft über die Erreichung der Ziele des Masterplans Klimaschutz und des Aktionsplans zur Klimaanpassung, die Zielerreichung in einzelnen Handlungsfeldern und Projekten sowie neue Entwicklungen.

 

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