20.01.2016 | Institut der deutschen Wirtschaft Köln

IW-Studie: Hohe Grunderwerbsteuer hemmt Neubau

Bis 2006 lag die Grunderwerbsteuer einheitlich bei 3,5 Prozent
Bild: Michael Bamberger

Mehr als die Hälfte (53 Prozent) der reinen Ländersteuern (rund neun Milliarden Euro) entfiel 2014 auf die Grunderwerbsteuer. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW). Die Steuer verhindere den Neubau, führe zu hohen finanziellen Belastungen und verzerre den Markt, kritisiert das Institut. Der Eigentümerverband Haus & Grund fordert eine Senkung der Grunderwerbsteuer.

Bis 2006 lag die Grunderwerbsteuer einheitlich bei 3,5 Prozent, dann öffnete der Bund den Steuerwettbewerb für die Länder und alle Bundesländer - außer Bayern und Sachsen - erhöhten die Steuer auf mittlerweile bis zu 6,5 Prozent.

Durch die hohe Steuerlast komme es zu sogenannten Lock-in-Effekten, zeigt die IW-Expertise, die im Auftrag des Deutschen Verbandes für Wohnungswesen, Städtebau und Raumordnung entstand: Weil bei jedem Verkauf ein hoher Aufschlag fällig wird, werde der Handel mit Wohnungen gebremst und Neubauten würden unnötig teuer.

Teilweise werde die Grunderwerbsteuer mehrfach fällig, etwa, wenn erst ein Grundstück an einen Bauträger geht, der es bebaut und Eigentumswohnungen weiterverkauft. Inklusive der Umsatzsteuer, die auf Bautätigkeiten fällig wird, liege die Steuerlast teilweise bei über 18 Prozent des Kaufpreises.

IW: Politik muss Anreiz des Länderfinanzausgleichs eliminieren

Laut IW gibt es für die Regierung zwei primäre Ansatzpunkte, um die Grunderwerbsteuer neu zu gestalten: "Die Politik muss den Anreiz des Länderfinanzausgleichs eliminieren, die Grunderwerbssteuer immer weiter zu erhöhen", sagt IW-Steuerexperte Tobias Hentze.

Analog zur Mehrwertsteuer solle die Bundesregierung einen Vorsteuerabzug bei Neubauten einführen, ergänzt IW-Immobilienexperte Michael Voigtländer. Dies, so die Ökonomen, würde die Steuerlast insgesamt senken und die Verzerrungen zwischen Neubauten in Eigenregie und Bauträgermodellen verringern.

Haus & Grund: Engagements im Mietwohnungsbau fördern 

"Der Bau neuer Mietwohnungen lässt sich nur mit einer höheren linearen Gebäudeabschreibung nachhaltig ausweiten", kommentiert Haus & Grund-Präsident Rolf Kornemann die Pläne des Bundes und der Länder, eine neue degressive, temporäre Sonderabschreibung für den Mietwohnungsbau einzuführen.

Die geplante Sonderabschreibung werde Spekulanten anziehen, die auf eine kurzfristige Steuerersparnis aus sind und danach das Objekt wieder abstoßen. Daran ändere auch die zehnjährige Spekulationsfrist nichts. Würde stattdessen die lineare Gebäudeabschreibung von zwei auf mindestens drei Prozent erhöht und die Grunderwerbsteuer wieder gesenkt, erreichte man jene Investoren, die sich langfristig engagieren wollen, so Kornemann.

Eine höhere lineare Abschreibung entspräche zudem den heutigen Realitäten. Zahlreiche Gebäudeteile, wie die Dämmung oder eine Heizungsanlage, seien nicht auf 50 Jahre ausgelegt, sondern eher auf 30 Jahre oder weniger. Alleine das spreche dafür, Gebäude oder Gebäudeteile künftig nicht mehr über 50, sondern über 33 oder 25 Jahre abschreiben zu können, sagt Kornemann.

Hintergrund Sonderabschreibung

Die Sonderabschreibung soll im Jahr der Anschaffung oder Herstellung und im folgenden Jahr bis zu jeweils zehn Prozent und im dritten Jahr bis zu neun Prozent der Bemessungsgrundlage betragen.

Die Länder sollen die Sonderabschreibung auf Gebiete mit Mietpreisbremse und Kappungsgrenze begrenzen. Um die Förderung von Wohnungen mit sehr anspruchsvollem Standard zu vermeiden, schlagen Bund und Länder eine Begrenzung der förderfähigen Bemessungsgrundlage auf 2.000 Euro je Quadratmeter Wohnfläche vor.

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Schlagworte zum Thema:  Grunderwerbsteuer, Neubau

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