| Interview

Gedaschko: Immobilienbranche muss sich digitaler Revolution stellen

Axel Gedaschko: Beim vernetzten Wohnen sind die GdW-Unternehmen Vorreiter
Bild: GdW

Die Industrie 4.0 wird das Wohnen von Morgen maßgeblich definieren. Die Immobilienbranche kommt an der digitalen Revolution nicht vorbei, meint Axel Gedaschko, Präsident des GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen. Im Interview mit der Haufe Online-Redaktion erklärt er, welche Rolle die digitale Revolution und das Internet in der Wohnungswirtschaft spielen.

Haufe Online-Redaktion: Welche Rolle spielen digitale Revolution und Internet der Dinge schon in der Wohnungsbranche?

Gedaschko: Mit Blick auf das Schlagwort Industrie 4.0 nimmt auch in der Wohnungswirtschaft bereits an vielen Stellen die Veränderung zu – in einigen Geschäftsbereichen ist die digitale Revolution bereits da.
Zu längst etablierten Innovationen im sogenannten Internet der Dinge gehört etwa die Handwerkerkopplung, die es ermöglicht, Reparaturaufträge und Rechnungen zwischen Wohnungsunternehmen und Handwerksbetrieben online zu versenden. Zudem nutzen viele Unternehmen seit langem den digitalen Rechnungsservice und Zahlungsverkehr sowie digitale Archive. Etwa beim vernetzten Wohnen sind die GdW-Unternehmen Vorreiter, wenn auch ein Durchbruch wohl noch einige Jahre dauern wird.

Haufe Online-Redaktion: Worum geht es bei der Vernetzung?
Gedaschko: Hier geht es um Multimedia-, Sicherheits- und Komfortanwendungen, gestufte Betreuungskonzepte für ältere Personen, Gesundheitsdienstleistungen sowie den Bereich der Energieeffizienz. Zunehmende Verbreitung finden auch Online-Mieterportale und die mobile Instandhaltung und Wohnungsabnahme. Zudem gehört das sogenannte E-Invoicing zu den wachsenden Trends, also die durchgängige digitale Erfassung und Rechnungsstellung mit Versorgern, Kommunen und Dienstleistern.

Haufe Online-Redaktion: Das sieht man aber noch eher selten...
Gedaschko: Als Hindernis wirkt hier noch, dass viele Energieversorger nicht mit digitalen Rechnungen arbeiten. Deshalb wenden aktuell noch vergleichsweise wenige Unternehmen E-Invoicing an. Hier sehen wir Handlungsbedarf der EU für eine Vorschrift, die die Versorger zwingt, auch die offenen Schnittstellen für digitale Lösungen bereit zu halten.
Neuere Überlegungen gehen dahin, ob künftige „sichere“ „Smart Meter-Infrastrukturen“ auch für andere Anwendungen wie Submetering und Technische Unterstützung für Ältere nutzbar wären.

Haufe Online-Redaktion: Im Zusammenhang mit Industrie 4.0 wird auch immer wieder davon gesprochen, dass neue Geschäftsmodelle entstehen. Welche könnten das in der Wohnungswirtschaft sein?
Gedaschko: Um moderne Kommunikations-Infrastrukturen sowie wohnnahe Anwendungen erstellen und betreiben zu können, sind folgende Finanzierungsmodelle denkbar: Strom- und Wärmeabrechnung könnten – in Verbindung mit der Schaffung von Smart-Meter-Infrastrukturen – integriert werden. Eines der zentralen Handlungsfelder der Wohnungswirtschaft ist die dezentrale Stromerzeugung und der -verkauf an die Mieter.
Zukunftsweisend wäre auch der Einbau und Betrieb technischer Assistenzsysteme in Kooperation mit der Industrie und Pflegewirtschaft. Eine Teilfinanzierung könnte dann durch die Pflegekassen erfolgen, außerdem könnte dieses Modell mit den soeben beschriebenen Finanzierungsmodellen kombiniert werden.

Haufe Online-Redaktion: Warum sollten sich Wohnungsunternehmen damit beschäftigen?
Gedaschko: Um den Menschen die passenden Wohnlösungen anbieten zu können – sowohl energieeffizient als auch flexibel und bedarfsgerecht nutzbar – muss die Digitalisierung als die Zukunftschance erkannt und genutzt werden.
Der Nutzen, den Wohnungsunternehmen aus digitalen Anwendungen und dem Internet der Dinge ziehen können, lässt sich mit folgendem Dreiklang beschreiben: eine Verbesserung der Prozesseffizienz und Kostensenkungen, neue Dienstleistungen und Partnerschaften sowie verbesserte Mieterservices.

Haufe Online-Redaktion: Wie sieht es mit den Daten aus?
Gedaschko: Natürlich muss die Wohnungswirtschaft bezüglich der Datensicherheit für die Menschen mitdenken, die im Alltag nicht unbedingt darauf achten, was mit ihren Daten geschieht. Für die Branche gilt daher: Die Daten der Mieter dürfen nicht irgendwo und „unbeaufsichtigt“ liegen – das ist sicherlich eine der wichtigsten Herausforderungen für die Wohnungswirtschaft im digitalen Zeitalter.

Haufe Online-Redaktion: Wo sehen Sie die großen Trends für die Wohnungsunternehmen?
Gedaschko: Insbesondere wird die Zuwanderung nach Deutschland und damit verbunden die Bedeutung von Haushalten mit Migrationshintergrund weiter zunehmen. Gleichzeitig werden Fragen der Nachhaltigkeit und damit verbundene ökologische Themen an Bedeutung gewinnen. Vor dem Hintergrund dieser übergeordneten Entwicklungen gibt es sieben zentrale Trendrichtungen, die die Welt des Wohnens bis zum Jahr 2030 verändern werden: Technik wird die Basis für eine immer stärker vernetzte Gesellschaft sein. Wir werden zunehmend in einer 25-Stunden-Gesellschaft leben, in der es dazu gehört, ständig in Bewegung zu sein.
Der Trend zum „Sharing“, der gemeinsamen Anschaffung und Nutzung von Gebrauchsgegenständen, wird weiter an Bedeutung gewinnen. Auch das Thema Fitness bis ins hohe Alter wird für viele Menschen immer wichtiger. Als Handlungsebene vor Ort werden sich immer stärker die Quartiere etablieren. Dort, wo die Menschen wohnen, wollen sie sich in der Gemeinschaft für die Zukunft ihres Wohnumfeldes engagieren.
Zunehmend werden sich aber auch Unterschiede bei der Gestaltung des Lebensabends der immer älter werdenden Bevölkerung ergeben, die in die in der auseinander driftenden Einkommenssituation der Senioren in Deutschland begründet liegen. Die Wohnungsunternehmen werden vom Kunden stärker als Wohnpartner gesehen werden. Damit wird ihre Rolle verantwortungsvoller.

Haufe Online-Redaktion: Sind die Wohnungsunternehmen darauf schon vorbereitet?
Gedaschko: Die Wohnungsunternehmen haben diese sieben übergeordneten Trends erkannt und stellen sich darauf ein. In vielen Bereichen, beispielsweise beim energieeffizienten und altersgerechten Wohnen sind die im GdW organisierten Wohnungsunternehmen Vorreiter. Generell gilt, dass Planer, Investoren und Politiker künftig stärker darauf achten, dass die verschiedenen Bevölkerungsgruppen unterschiedliche Wohnkonzepte haben. Die Zeiten der einheitlichen Standardwohnung sind lange vorüber. Das Wohnen wird immer individueller.

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