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GdW: Bei Unterbringung von Flüchtlingen ist "viel Luft nach oben"

Die GdW-Wohnungsunternehmen leisten bei der Integration von anerkannten Flüchtlingen bereits gute Arbeit
Bild: Haufe Online Redaktion

Die Voraussetzungen für die Unterbringung von Flüchtlingen im Wohnungsbestand haben sich im vergangenen halben Jahr verbessert. Das gaben 28 Prozent der 450 GdW-Unternehmen in einer Umfrage des Verbands unter seiner Mitgliedern an. 2015 sagten das nur neun Prozent. Allerdings stimmten 34 Prozent der befragten Unternehmen dieser Aussage nicht zu. "Luft nach oben gibt es insbesondere beim Wohnungsbau", so GdW-Präsident Axel Gedaschko.

"Jetzt braucht Deutschland einen starken Zweiklang aus Bauen und Betreuen", sagte der Präsident des GdW Bundesverbands Deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen weiter. Dafür müssten von der Politik Integrationsmaßnahmen gestärkt und Voraussetzungen für schnellen und kostengünstigen Wohnungsbau geschaffen werden. So könne man etwa durch die Baugesetzbuch-Novelle ermöglichen, dass deutlich mehr und deutlich schneller Bauland in den Wachstumsregionen zur Verfügung gestellt werde, sagte Gedaschko im Austausch mit dem Kanzleramt in Berlin. Einen entsprechenden Masterplan hatte der Verband kürzlich vorgelegt.

Einem Bericht zufolge zahlt der Bund bereits den Ländern hohe Zuschüsse für den sozialen Wohnungsbau, die Gelder werden aber nicht immer genutzt.

Bauministerin Barbara Hendricks sieht die Verantwortung bei den Wohnungsunternehmen. Diese würden trotz Förderangeboten den Bau dringend benötigter Kleinstwohnungen vernachlässigen.

Wohnungsunternehmen bei der Integration weitgehend engagiert

Die Wohnungsunternehmen leisten der Umfrage zufolge bei der Integration von anerkannten Flüchtlingen in den Wohnquartieren bereits gute Arbeit. Für 75 Prozent der dazu vom GdW befragten Mitgliedsunternehmen ist die Integration und Unterbringung von Flüchtlingen in den Wohnquartieren inzwischen ein Thema. Nur drei Prozent der Unternehmen gaben an, dass sie mit dem Thema gar nicht befasst sind.

46 Prozent der befragten Mitglieder bieten dem GdW zufolge Informationsangebote an. 44 Prozent gaben an, dass sie Räume oder Infrastruktur zur Verfügung stellen und 25 Prozent koordinieren die ehrenamtliche Tätigkeit. 24 Prozent der Befragten bieten interkulturelle Fortbildungen für Mitarbeiter, 13 Prozent eine sozialrechtliche Beratung für Flüchtlinge an. Zehn Prozent der Befragten haben Sprachkurse im Programm, acht Prozent vermitteln Arbeitsangebote und sieben Prozent bilden Flüchtlinge aus.

GdW: Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern funktioniert

45 Prozent der Wohnungsunternehmen arbeiten der GdW-Umfrage zufolge bereits mit Kooperationspartnern zusammen – in der Gremienbefragung 2015 lag dieser Wert noch bei 36 Prozent – doch auch hier gibt es noch viel Luft nach oben, was die Optimierung betrifft.

  • 49 Prozent der GdW-Mitglieder berichten von sehr guten oder guten Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit ehrenamtlichen Helfern als Einzelpersonen. Der Mittelwert lag hier bei 2,4 (auf einer Skala von 1 sehr gut bis 5 mangelhaft).
  • 45 Prozent sprechen von sehr guten oder guten Erfahrungen bei der Zusammenarbeit mit alteingesessenen Initiativen beziehungsweise Vereinen. Nur drei Prozent beurteilen ihre Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit diesen Akteuren als mangelhaft. Der Mittelwert lag bei dieser Akteursgruppe bei rund 2,4.
  • 41 Prozent beurteilten die Zusammenarbeit mit neuen Flüchtlingsinitiativen von sehr gut bis hin zu befriedigend. Der Mittelwert lag hier bei 2,6.
  • Ähnlich wird die Zusammenarbeit mit den Trägern der Wohlfahrtspflege beurteilt – hier lag der Mittelwert leicht höher bei 2,4 auf der Zufriedenheitsskala.
  • Auch die Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit Kirchen erhielten einen Mittelwert von 2,4.
  • Großer Nachholbedarf besteht bei der Zusammenarbeit mit Migrantenselbstorganisationen (hier lag der Mittelwert bei 3,0) und mit Moscheevereinen (3,5). 81 Prozent der Befragten haben keine Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit Migrantenselbstorganisationen. 92 Prozent haben keine Erfahrungen bei der Zusammenarbeit mit Moscheevereinen.
  • 44 Prozent der Befragten machen sehr gute oder gute Erfahrungen mit der Kommunalverwaltung beziehungsweise der Kreisverwaltung bei der Zusammenarbeit. Allerdings beurteilten auch 17 Prozent die Zusammenarbeit nur als ausreichend oder mangelhaft. Der Mittelwert lag hier bei 2,7 auf der Skala von 1 bis 5. Hier beurteilen die Wohnungsunternehmen je nach Region sehr unterschiedlich: So wurden Noten von 2,0 bis 3,75 vergeben. Gegenüber einer Befragung aus dem Jahr 2015 hat sich die Beurteilung des Engagements der Landkreise und der Kommunen bei der Flüchtlingsunterbringung und Integration in einigen konkreten Bereichen verbessert.

Der GdW ist der Dachverband der 14 wohnungs- und immobilienwirtschaftlichen Regionalverbände, in denen rund 3000 Wohnungsunternehmen und Genossenschaften organisiert sind.

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Schlagworte zum Thema:  Integration, Flüchtlinge, Wohnungsbau, Wohnungsunternehmen

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