14.06.2017 | Stadtentwicklung

Frankfurt plant neuen Stadtteil mit bis zu 11.400 Wohnungen

Frankfurt muss in die Außenbereiche ausweichen: 2016 zählte die Stadt knapp 730.000 Einwohner – 80.000 könnten dazu kommen
Bild: MEV Verlag GmbH

Frankfurt am Main platzt aus allen Nähten, der Wohnraum wird immer knapper. Jetzt hat die Stadtregierung reagiert: Die Koalition hat sich darauf geeinigt, im Nordwesten der Mainmetropole einen neuen Stadtteil zu entwickeln. 190 Hektar des insgesamt 550 Hektar großen Areals seien Bauland, sagte Oberbürgermeister Peter Feldmann. Hier könnten zwischen 8.550 und 11.400 neue Wohnungen entstehen.

Wie eine Präsentation des Frankfurter Stadtplanungsamtes zeigt, handelt es sich um ein Areal beidseits der Autobahn A 5, das im Osten von den Stadtteilen Niederursel und Praunheim sowie im Westen von der Frankfurter Stadtgrenze umfasst wird.

Situation auf dem Wohnungsmarkt macht Wachstum notwendig

„Aufgrund des anhaltenden Bevölkerungswachstums reichen die Projekte der Innenentwicklung nicht aus“, sagt Feldmann.

Im vergangenen Jahr zählte die Stadt knapp 730.000 Einwohner – ein neuer Rekord. Nach Schätzungen könnten bis zum Jahr 2030 weitere 80.000 Menschen nach Frankfurt ziehen. Weitere Untersuchungen zur Baulandbereitstellung sollen folgen, kündigte Planungsdezernent Mike Josef an. Ein Vorteil des bereits vorgeschlagenen Standorts sei, dass bis zu 55 Prozent der Flächen bereits der Stadt gehörten.

In den vergangenen Jahren sind in Frankfurt bereits zwei neue Stadtquartiere entstanden: Auf dem Riedberg im Norden und im Europaviertel auf dem alten Güterbahngelände.

Kritik kommt aus Oberursel und Steinbach

Einem Bericht der Hessenschau zufolge, der das Vorhaben ausführlich dokumentiert, sind die Nachbarstädte Oberursel und Steinbach nicht allzu begeistert von den Plänen: Oberursels Bürgermeister Hans-Georg Brum soll gefordert haben, dass ein großer Korridor zwischen den einzelnen Gemarkungen bleibt und Steinbachs Bürgermeister Stefan Naas macht sich Sorgen, "faktisch ein verlängerter Stadtteil von Frankfurt zu werden".

Studie: Grundstückpreise in Ballungsräumen explodieren

In hessischen Mittel- und Großstädten sind die Grundstückspreise laut Immobilienverband IVD rasant gestiegen: Sie seien Ende Januar um bis zu 30 Prozent höher gewesen als vor einem Jahr. In Frankfurt kostet ein Grundstück in sehr guter Wohnlage mittlerweile 1.100 Euro pro Quadratmeter – vor Jahresfrist waren es noch 850 Euro pro Quadratmeter. Bei Grundstücken in guter Wohnlage habe der Anstieg bei etwa 20 Prozent gelegen. Der IVD geht von steigenden Preisen aus.

Profiteur ist das Handwerk: Im ersten Quartal 2017 stieg der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr bundesweit um 6,5 Prozent, wie das Statistische Bundesamt mitteilt. In Hessen stieg der Umsatz in der Branche um 14 Prozent auf sieben Milliarden Euro, wie der Verband Baugewerblicher Unternehmer verkündet. Der Anstieg fiel damit doppelt so groß wie im Bundesschnitt aus.

Umweltministerium veröffentlicht Leitfaden für Stadtplaner

Viele hessische Städte und Gemeinden müssen aufgrund der angespannten Situation neuen Wohnraum schaffen und sollen gleichzeitig den Flächenverbrauch in Grenzen halten. Damit der Spagat besser gelingt, stellt das hessische Umweltministerium Stadtplanern ab sofort einen Leitfaden zum Download zur Verfügung.

„Der neue Leitfaden zur nachhaltigen Innenentwicklung bietet Städten und Gemeinden, aber auch Planerinnen und Planern, fachliche Hinweise und konkrete Beispiele“, sagte Stadtentwicklungsministerin Priska Hinz bei der Präsentation. Man wolle zeigen, wie innerstädtische Potenziale effizienter genutzt und die Möglichkeiten des Bau- und Planungsrechts ausgeschöpft werden können.

Der Leitfaden geht auf einen Vorschlag der „Allianz für Wohnen in Hessen“ zurück, die 2015 von der Landesregierung ins Leben gerufen wurde. Partner der Initiative sind Ministerien, Verbände der Wohnungswirtschaft, kommunale Spitzenverbände, Kammern, der Mieterbund und weitere Interessenverbände sowie die Wirtschafts- und Infrastrukturbank Hessen.

Außerdem hat vor kurzem das landeseigene Wohnungsunternehmen Nassauische Heimstätte die Bauland-Offensive GmbH gegründet, um Kommunen bei der Erschließung von brachliegendem Bauland in den Innenbereichen unter die Arme zu greifen.

Schlagworte zum Thema:  Wohnung, Stadtentwicklung, Politik

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