Frankfurt 2030+: Stadtentwicklungskonzept für 70.000 Wohnungen

Der Frankfurter Planungsdezernent Mike Josef und der Leiter des Stadtplanungsamts, Martin Hunscher, haben ein Stadtentwicklungskonzept vorgelegt: Demnach wäre in der Mainmetropole Platz für 70.000 neue Wohnungen. Am 24. Juni wird das Papier der Öffentlichkeit vorgestellt.

Im Stadtinneren denken Mike Josef (SPD) und Hunscher an Nachverdichtung, Aufstockung und Umwidmung. 60 Prozent der 70.000 Wohnungen könnten so entstehen. Die restlichen Wohnungen müssten am Stadtrand gebaut werden. Der Grüngürtel um die Innenstadt, der Stadtwald und ein Großteil der Kleingärten soll erhalten bleiben, hieß es bei der Vorstellung des 72 Seiten umfassenden " Integrierten Stadtentwicklungskonzepts Frankfurt 2030+" zu Beginn der Woche.

Politisch hat das Stadtentwicklungskonzept bisher keine Mehrheit

Prognosen gehen davon aus, dass Frankfurt bis zum Jahr 2030 um mindestens 65.000 Einwohner wachsen wird. Derzeit hat die Stadt rund 750.000 Einwohner, knapp 700.000 Menschen arbeiten dem Stadplanungsamt zufolge hier. 2014 hatte die Stadtverordnetenversammlung schließlich das Konzept in Auftrag gegeben. Elf Ämter, Fachleute und Bürger haben daran mitgearbeitet. Eineinhalb Jahre lang wurde das Papier abgestimmt.

Verabschiedet hat es die Stadtverordnetenversammlung aber bislang nicht. Hauptstreitpunkt ist die " Strategiekarte" am Ende der Publikation. Sie enthält die Gebiete, die weiterentwickelt werden könnten. Die Parteien im Rathaus haben dazu unterschiedliche Meinungen.

220 potenziell entwickelbare Flächen identifiziert und bewertet

Planungsdezernent Josef hält das Stadtentwicklungskonzept für einen "großen Wurf", für "eine Perspektive, die Orientierung gibt". Es gehe nicht nur um Wohnungsbau, sondern auch um Gewerbeflächen, Frischluftschneisen, Erholungsgebiete und Verkehrswege. 220 potenziell entwickelbare Flächen im Stadtgebiet wurden für das Konzept identifiziert und bewertet.

Acht "Schwerpunkträume" wollen Planungsdezernat und Stadtplanungsamt vorrangig in Angriff nehmen. Dazu zählt vor allem ein im Nordwesten der Stadt (Gemarkung Niederursel und Praunheim) geplanter neuer Stadtteil, aber auch der Mittlere Norden, kleinere Projekte in der City, Gutleuthafen, Am Römerhof, eine Verdichtung in Ginnheim / Dornbusch, die Überbauung der Autobahn 661 zwischen Bornheim und Seckbach sowie der Gewerbestandort Sossenheim-Rödelheim.

Mit dem neuen Stadtteil im Nordwesten Frankfurts sollen im Anschluss an die Nordweststadt und Praunheim nach Angaben des Frankfurter Stadtplanungsamtes auch westlich der A5 Stadtquartiere für 25.000 bis 30.000 Einwohner entwickelt werden, um der steigenden Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum entgegen zu wirken.

"TomTom Traffic Index": Mehr Staus bei steigenden Mieten

Hauptthemenfelder der Stadtentwicklungsplanung in Frankfurt sind dem Planungsdezernat zufolge neben dem Bau bezahlbarer Wohnungen außerdem auch die Bereiche Infrastruktur und Verkehr. Zu wenig und zu teure Wohnungen in deutschen Großstädten können dazu führen, dass immer mehr Menschen aus der Stadt wegziehen, dann aber zur Arbeit pendeln müssen.

Städte in Deutschland mit besonders hohen Mietpreissteigerungen sind auch überdurchschnittlich von staubedingten Verkehrsbehinderungen betroffen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse der Verkehrsmuster durch die Navigations-Firma TomTom, die am 4. Juni in München veröffentlicht wurde. Der "TomTom Traffic Index" ergab demnach für Hamburg, Berlin, Nürnberg, Bremen, Stuttgart und München, aber auch Bonn, Frankfurt am Main, Dresden und Köln ein erkennbares Pendlerverhalten mit ausgeprägten Spitzen im Verkehrsaufkommen am Morgen und am Abend sowie Schwerpunkten auf Ein- und Ausfallstraßen und Ringstraßen.


Das könnte Sie auch interessieren:

Wohnungsbau-Tag 2019: Es wird zu wenig und zu teuer gebaut (Studie)

Frankfurt: "Potenzial von mehreren tausend Wohnungen" durch Aufstockung

Schlagworte zum Thema:  Stadtentwicklung, Stadtplanung