Frankfurt 2030+: Stadtentwicklungskonzept für 70.000 Wohnungen

Der Frankfurter Magistrat hat das Stadtentwicklungskonzept Frankfurt 2030+ beschlossen. Damit ist eine Hürde genommen für den Plan, 70.000 neue Wohnungen in der Stadt zu bauen. Der Verband der südwestdeutschen Wohnungswirtschaft (VdW Südwest) lobt die Entscheidung.

Der Frankfurter Planungsdezernent Mike Josef und der Leiter des Stadtplanungsamts, Martin Hunscher, hatten das Stadtentwicklungskonzept im Juni vorgelegt. Demnach ist in der Mainmetropole Platz für 70.000 neue Wohnungen. Im Stadtinneren denken die Planer an Nachverdichtung, Aufstockung und Umwidmung. 60 Prozent der geplanten Wohnungen könnten so entstehen. Die restlichen müssten am Stadtrand gebaut werden. Der Grüngürtel um die Innenstadt, der Stadtwald und ein Großteil der Kleingärten soll erhalten bleiben, hieß es bei der Vorstellung des 72 Seiten umfassenden " Integrierten Stadtentwicklungskonzepts Frankfurt 2030+".

VdW Südwest begrüßt die Entscheidung

Nun hat auch der Magistrat der Stadt Frankfurt dem Konzept zugestimmt. Axel Tausendpfund, Vorstand des VdW Südwest, begrüßt die Einigung. Mit dieser politischen Entscheidung sei nach vielen Jahren der Debatte eine wichtige Hürde genommen worden, um endlich angemessen auf die Wohnungsknappheit in Frankfurt reagieren zu können. Nun sei die Stadtverordnetenversammlung aufgerufen, dem Konzept zuzustimmen und so schnell den Weg für 70.000 zusätzliche Wohnungen bis 2030 freizumachen, so Tausendpfund. Die Umlandkommunen blieben weiterhin in der Pflicht, aktiv zu werden und Bauland auszuweisen. Nur gemeinsam mit ihnen könne der Bedarf von insgesamt 180.000 Wohnungen in der Region dringend benötigten neuen Wohnungen gedeckt werden.

Konzept wurde 2014 in Auftrag gegeben

Prognosen gehen davon aus, dass Frankfurt bis zum Jahr 2030 um mindestens 65.000 Einwohner wachsen wird. Derzeit hat die Stadt rund 750.000 Einwohner, knapp 700.000 Menschen arbeiten dem Stadplanungsamt zufolge dort. 2014 hatte die Stadtverordnetenversammlung dazu ein Konzept in Auftrag gegeben. Elf Ämter, Fachleute und Bürger hatten daran mitgearbeitet. Eineinhalb Jahre lang wurde das Papier abgestimmt.

Verabschiedet hatte es die Stadtverordnetenversammlung aber bislang nicht. Hauptstreitpunkt war die " Strategiekarte" am Ende der Publikation. Sie enthält die Gebiete, die weiterentwickelt werden könnten. Die Parteien im Rathaus hatten dazu unterschiedliche Meinungen.

220 potenziell entwickelbare Flächen identifiziert und bewertet

220 potenziell entwickelbare Flächen im Stadtgebiet wurden für das Konzept identifiziert und bewertet, Planungsdezernent Josef bezeichnete das Stadtentwicklungskonzept als "großen Wurf", als "eine Perspektive, die Orientierung gibt". Es gehe nicht nur um Wohnungsbau, sondern auch um Gewerbeflächen, Frischluftschneisen, Erholungsgebiete und Verkehrswege.

Acht "Schwerpunkträume" wollen Planungsdezernat und Stadtplanungsamt vorrangig in Angriff nehmen. Dazu zählt vor allem ein im Nordwesten der Stadt (Gemarkung Niederursel und Praunheim) geplanter neuer Stadtteil, aber auch der Mittlere Norden, kleinere Projekte in der City, Gutleuthafen, Am Römerhof, eine Verdichtung in Ginnheim / Dornbusch, die Überbauung der Autobahn 661 zwischen Bornheim und Seckbach sowie der Gewerbestandort Sossenheim-Rödelheim.

Mit dem neuen Stadtteil im Nordwesten Frankfurts sollen im Anschluss an die Nordweststadt und Praunheim nach Angaben des Frankfurter Stadtplanungsamtes auch westlich der A5 Stadtquartiere für 25.000 bis 30.000 Einwohner entwickelt werden, um der steigenden Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum entgegen zu wirken.

"TomTom Traffic Index": Mehr Staus bei steigenden Mieten

Hauptthemenfelder der Stadtentwicklungsplanung in Frankfurt sind dem Planungsdezernat zufolge neben dem Bau bezahlbarer Wohnungen außerdem auch die Bereiche Infrastruktur und Verkehr. Zu wenig und zu teure Wohnungen in deutschen Großstädten können dazu führen, dass immer mehr Menschen aus der Stadt wegziehen, dann aber zur Arbeit pendeln müssen.

Städte in Deutschland mit besonders hohen Mietpreissteigerungen sind auch überdurchschnittlich von staubedingten Verkehrsbehinderungen betroffen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse der Verkehrsmuster durch die Navigations-Firma TomTom, die am 4. Juni in München veröffentlicht wurde. Der "TomTom Traffic Index" ergab demnach für Hamburg, Berlin, Nürnberg, Bremen, Stuttgart und München, aber auch Bonn, Frankfurt am Main, Dresden und Köln ein erkennbares Pendlerverhalten mit ausgeprägten Spitzen im Verkehrsaufkommen am Morgen und am Abend sowie Schwerpunkten auf Ein- und Ausfallstraßen und Ringstraßen.


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