Flüchtlingszuzug: Nachfrage nach Wohnheimen steigt

Schätzungsweise 70 bis 80 Prozent der im Jahr 2016 in Baden-Württemberg genehmigten Wohnheime waren Flüchtlingsheime. Das sagt Dieter Diener, Geschäftsführer der Landesvereinigung Bauwirtschaft Baden-Württemberg. Er geht davon aus, dass die Bauwirtschaft auch 2017 stark vom Flüchtlingszuzug profitieren wird.

"Die Bauwirtschaft profitiert zunehmend, die Nachfrage vor allem nach Wohnheimen ist deutlich gestiegen", so Diener. Nach Angaben des Statistischen Landesamtes hat sich die Zahl genehmigter neuer Wohnheime mehr als vervierfacht: In den ersten drei Quartalen 2015 waren es rund 1.300 Genehmigungen für Wohnheime, ein Jahr später schon 5.300.

Für das gesamte Jahr 2016 rechnet Diener mit einem "exorbitant hohen Ergebnis" für Wohnheime. Viele Bauanträge seien bereits 2015 eingereicht worden, bis zur Genehmigung durch die Behörden dauert es normalerweise zwischen drei und neun Monate. Für Berlin etwa bleibt die Zuwanderung von Flüchtlingen die größte Herausforderung.

Vor allem der Holzfertigbau profitiert

Nach Recherchen unserer Autorin Kristina Pezzei haben vom ersten Flüchtlingsboom besonders einzelne Branchen wie etwa der Holzfertigbau profitiert. „Unsere Produkte lassen sich schnell bauen und können in der Halle, im Trockenen, vorelementiert werden“, sagte etwa der Sprecher des entsprechenden Branchenverbands, Peter Mackowiack. Das Gewerbe spielte bisher mit einem Anteil von nur 15 Prozent am gesamten Wohnungsmarkt eine eher untergeordnete Rolle. Inzwischen gleite der Anschub durch die Flüchtlinge in eine Übergangsphase, so Mackowiack: „Bei allen Aufträgen fragen wir inzwischen nach, wie die Objekte nach ersten Nutzungen etwa für Flüchtlinge weiter gebraucht werden können.“ 

Vorzieheffekt gilt nicht für Wohnheime

Auch insgesamt verbuchte die Baubranche deutlich mehr Aufträge. Die Zahl der genehmigten Wohneinheiten stieg in den ersten neun Monaten 2016 den Angaben zufolge um 28 Prozent auf rund 33.500. Das lag am Vorzieheffekt: 2015 wurden laut Diener deshalb viele Bauanträge eingereicht, um noch nicht unter neue, strengere Energieeffizienzregeln zu fallen. Das befürchtet auch die gesamte deutsche Bauwirtschaft.

Für Wohnheime galt dieser Vorzieheffekt aber nicht. Ein wichtiger Treiber für den Bau von Ein- und Mehrfamilienhäusern ist die Niedrigzinsphase - in Ermangelung gut verzinster Geldanlagen setzen viele Menschen auf Immobilien zur Investition.

Was Deutschland jetzt brauche, sei ein "starker Zweiklang aus Bauen und Betreuen", sagte der Präsident des GdW Bundesverbands Deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen.

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