Diskutierten über das Fondsmanagement der Zukunft (v.l.n.r.): Klaus Niewöhner-Pape, Karim Esch, Christine Bernhofer, Michael Schneider, Ralf de la Camp-Gruber Bild: Gabriele Bobka

Die Fondsbranche entwickelt sich dynamisch. Zunehmende Regulierungen und die Spezialisierung der Branche erhöhen die Anforderungen an das Fondsmanagement. Immer häufiger stellt sich die Frage: Inhouse-Lösung oder Zukauf von Service-Leistungen? Es kommt darauf an, lautete das Fazit beim IntReal Investment Talk auf der Expo Real. Ausschlaggebend seien neben Größe der Gesellschaft und Grad der Spezialisierung das Branding, die Erfolgshistorie und die Ressourcenausstattung.

"In einer immer komplexeren Welt schreitet der Trend zur Spezialisierung voran. Die Trennung zwischen Administration und Management bei Immobilienfonds nimmt aufgrund der Spezialisierung zu", sagte IntReal-Geschäftsführer Michael Schneider. So böten Asset Manager inzwischen mit Parkhaus-, Pflege- und Logistikimmobilien Produkte an, die erheblich spezieller seien als früher. Diese zunehmende Differenzierung erfordere Know-how und erfahrene Mitarbeiter.

Die zusätzliche Bewältigung der regulatorischen Anforderungen wie KAGB, MiFID II, Investmentsteuerreform 2018 oder PRIIPs-Verordnung könne kleinere und mittlere Anbieter schnell überfordern. Daher sei es kein Wunder, dass der Anteil der Fonds, die Administration und Management trennten, zunehme.

Service-KVG oder eigene Bafin-Lizenz?

  • "Unser Motto lautet sowohl als auch", so Christine Bernhofer, Geschäftsführerin der Swiss Life KGV. Man kaufe Dienstleistungen zu, agiere aber auch über das Schwesterunternehmen Corpus Sireo eigenständig.
  • "Wir haben uns für die Inhouse-Lösung entschieden", berichtete Karim Esch, Senior Client Manager bei Union Investment Institutional Property. Das setze allerdings eine gewisse Größe des Fondsanbieters voraus. Die Zulassung als KVG durch die Bafin erhöhe die Reputation einer Fondsgesellschaft. "Wir haben zahlreiche Pensionsfonds-Kunden, die voraussetzen, dass die Manager eine Bafin-Lizenz vorweisen können", so Esch.
  • "Steigt ein Asset Manager neu ins Fondsgeschäft ein, gilt es abzuwägen, ob er selbst die Zulassung als KVG bei der Bafin anstrebt oder ob er sich mit einer Service-KVG zusammenschließt und dieser den administrativen Part bei der Fondsauflage überlässt", sagte Klaus Niewöhner-Pape, Geschäftsführer der Industria Wohnen. Sie hätten sich beim Neueinstieg in das Fondsgeschäft für eine Zusammenarbeit mit einer Service-KVG entschieden. "Wir hatten zu keinem Zeitpunkt Nachteile aufgrund der fehlenden eigenen KVG-Zulassung", so Niewöhner-Pape. Er halte eine eigene KVG nicht für ein Plus, sofern man einen kompetenten Partner an seiner Seite habe.
  • "Früher gab es sehr viele Kapitalverwaltungsgesellschaften, die als Generalisten unterwegs waren. Viele dieser Gesellschaften gibt es zwischenzeitlich nicht mehr", stellte Schneider fest. Heute sei die Zeit der Spezialisten gekommen. Nur noch große Generalisten könnten sich am Markt behaupten, die Konsolidierung schreite in diesem Bereich voran.
  • "Wir sind groß genug, um mit eigener KVG auftreten zu können", berichtete Bernhofer. Das Unternehmen wolle umfassender in den Markt für Publikumsfonds einsteigen und die Produkte unter eigenem Brand auf den Markt bringen.

Herausforderung der Buy-Option: Koordination der Schnittstellen

Eine Herausforderung der Buy-Option sahen die Diskutanten in der Koordination der Schnittstellen.

  • "Die Zusammenarbeit mit einer Service-KVG sichert das Vier-Augen-Prinzip und zwingt zur Disziplin einer transparenten Darstellung aller relevanten Faktoren", qualifizierte Niewöhner-Pape die Chancen einer Kooperation. Auch der Zeitfaktor spiele eine nicht zu unterschätzende Rolle. "Mit IntReal als Service-KVG sind wir in der Lage, innerhalb von sechs bis zwölf Wochen einen Fonds aufzulegen."
  • Das Gesetz verpflichte die KVG gegenüber den Investoren, stellte Schneider fest. Während die immobilienspezifischen Inhalte Sache der Asset Manager seien, achte die Service-KVG auf die Rentabilität und die betriebswirtschaftlichen Kennzahlen.
  • "Für uns ist es sehr wichtig, die Immobilien im eigenen Buch zu halten, auch wenn die Kosten einer eigenen KVG-Zulassung nicht unerheblich sind", sagte Bernhofer. Als Vorteile einer Arbeitsteilung führte Bernhofer die Übernahme des täglichen Pricings und des regulatorischen Reportings durch die Service-KVG an.
  • "Die Kosten einer eigenen KVG-Gründung sind in Deutschland höher als beispielsweise in Luxemburg. Beim Einstieg in die Fondsbranche liegen sie bei einem Fondsvolumen von einer Milliarde Euro bei rund 0,5 bis eine Million Euro", berichtete Ralf de la Camp-Gruber, PricewaterhouseCoopers.

Schlagworte zum Thema:  Immobilienfonds, Investment

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