Wohnen ist ein Menschenrecht, doch auf den Wohnungsmärkten liegen mancherorts Angebot und Nachfrage weit auseinander. Auf der Expo Real 2018 diskutierten Immobilienexperten am ersten Messetag über die Frage, welche Angebote die Märkte und Akteure wollen und brauchen.

Vor allem in Großstädten schießen die Preise für Wohnraum durch die Decke. Bezahlbare Wohnungen sind Mangelware. Andererseits entstehen aber genau dort auch mehr und mehr Luxusapartments und -wohnungen. Im Gespräch mit Andreas Remien, Journalist bei der Süddeutschen Zeitung, sprachen Wulff Aengevelt, geschäftsführender Gesellschafter bei Aengevelt Immobilien, Peter Jorzick, geschäftsführender Gesellschafter der HTP Hamburg Team Gesellschaft für Projektentwicklung, Dr. Marcus Cieleback, Head of Research bei der Patrizia Immobilien AG, und Utta Seidenspinner, Autorin des Buches "Wohnwahnsinn", über die Stimmung auf den Wohnungsmärkten.

"Zustände wie in New York City"

Von einem gewissen Unmut, zumindest aus Mietersicht, sprach Moderator Remien. "Der ist mittlerweile so groß, dass die Menschen selbst in München auf die Straße gehen." Auch Buchautorin Seidenspinner sprach von angespannten Verhältnissen:

"Es ist ein 'fever pitch' erreicht: Mir kommt die Situation fast schon so vor wie in der Metropole New York City", Utta Seidenspinner, Autorin

Jorzick machte für die Entwicklung insbesondere die steigenden Baukosten verantwortlich. Das, was man sich im vergangenen Jahr noch habe leisten können, sei heute zehn Prozent teurer. Die (finanziellen) Kapazitäten seien sowohl auf Kunden- als auch auf Seite der Dienstleister ausgeschöpft. Nach dem Wohngipfel, zu dem unter anderem Bundeskanzlerin Angela Merkel ins Bundeskanzleramt eingeladen hatte, zeigte Jorzick sich skeptisch:

"Die Problemlage auf den Wohnungsmärkten hat sich über viele Jahre aufgebaut. Dabei hat sich die Nachfrage nach Wohnraum nicht geändert - nur die Fähigkeit, die Nachfrage zu befriedigen geht mehr und mehr abhanden", Peter Jorzick, geschäftsführender Gesellschafter der HTP Hamburg Team Gesellschaft für Projektentwicklung

Problem: Die "Not-in-my-backyard"-Mentalität

Als zudem problematischen Einschnitt in der Entwicklung der Wohnungsmarktsituation hob Aengevelt den Verkauf kommunaler Wohnungsunternehmen und -bestände hervor. Er kritisierte eine kurzsichtige Kommunalpolitik, die auf wertvolles Bauland verzichte und stattdessen große Agrarflächen ausweise. "Statt Salat und Tomaten sollte man den Einwohnern lieber bezahlbaren Wohnraum zur Verfügung stellen", forderte der Aengevelt-Geschäftsführer.

Das fehlende Wohnungsangebot kritisierte auch Cieleback. Beim Schaffen zusätzlichen Wohnraums stünden sich die Mieter allerdings oft selbst im Weg: Die "Not-in-my-backyard"-Mentalität verhindere dringend notwendige Bauvorhaben. Wohnungsunternehmen müssten außerdem stärkere Unterstützung in ihrer Arbeit erfahren:

"Es müssen dringend Rahmenbedingungen geschaffen werden, die es den Unternehmen erlauben, innovativ zu werden. Wenn alle zwei Jahre eine neue Energieeinsparverordnung kommt, ist das kein großer Anreiz, innovativ zu werden", Dr. Marcus Cieleback, Head of Research bei der Patrizia Immobilien AG

Lesen Sie auch:

Wohngipfel 2018: "Koalition beim Wort nehmen"

Schlagworte zum Thema:  Expo Real, Wohnungsmarkt, Wohnungsbau