Bild: Messe München GmbH

Bei der Expo Real in München liegt ein Schwerpunkt in diesem Jahr beim Thema Digitalisierung und technische Innovationen. Im Zentrum der Messe steht das neue Real Estate Innovation Network (REIN). Was sonst noch geboten ist, darüber berichtet Klaus Dittrich, Vorsitzender der Geschäftsführung Messe München GmbH, im Interview.

Das neue Real Estate Innovation Network (REIN) ist eine eigens kreierte Plattform auf 400 Quadratmetern, die internationalen Startups die Möglichkeit geben soll, Kontakte zu Branchenexperten und Investoren zu knüpfen, und so den Austausch zwischen Technologie-Unternehmen und Immobilienwirtschaft fördern will. Die 25 besten Startups des REIN-Contests von weit über 200 Bewerbern werden sich kostenlos auf der Expo Real präsentieren können, die vom 4. bis 6. Oktober in München stattfindet.

"Wir möchten damit die Expo Real auch und gerade für jene Unternehmen attraktiv machen, welche die Transformation der Immobilienbranche vorantreiben und diese in die Zukunft führen." Claudia Boymanns, Projektleiterin der Expo Real

"Diese Netzwerke bündeln Kräfte und treiben Innovationen innerhalb der Immobilienwirtschaft voran", freut sich Sami Steinbach, Vorstandsvorsitzender Angermann Real Estate Advisory AG, über "solch wichtige Formate".

Expo Real 2017: Die Grand Plaza geht in die zweite Runde

Ein neues Format aus dem vergangenen Jahr gibt es auch bei Messe-Neuauflage 2017 wieder: die Grand Plaza. Der Marktplatz für den Handel und seine Partner wächst und geht nach seiner Premiere 2016 in diesem Jahr mit neuen Ausstellern an den Start. 17 Marken sind diesmal auf der Grand Plaza vertreten. Rewe war einer der Mitinitiatoren des Konzepts, Action Deutschland ist einer der ganz neuen Fische im Teich und Lidl hat das Familienmitglied Kaufland nachgezogen. "Handelsketten wie Action Deutschland, Black.de, Feneberg Lebensmittel, Woolworth und Kaufland kommen neu hinzu", so die Messeverantwortlichen.

Was ist sonst noch los auf der Expo Real 2017? Messechef Klaus Dittrich im Interview:

Das wirtschaftliche Umfeld mit weiterem Wachstum und niedrigen Zinsen verhilft der Branche zu immer neuen Höhenflügen. Wie spiegelt sich das auf der Expo Real?

Dittrich: Es spiegelt sich unter anderem in den Diskussionen im Expo Real Forum. Der amerikanische Wirtschaftswissenschaftler und Nobelpreisträger Professor Joseph Stiglitz spricht über "Uncertainties in Economics and Politics: What matters? What is the influence for real estate?" und analysier die jüngsten geopolitischen Entwicklungen sowie die wachsende Verunsicherung seit 2008 und ihre Folgen. Darüber hinaus befassen sich auch die Eröffnungsrunden im Forum mit dem Thema "Gesamtökonomie und Immobilienwirtschaft". Hier gibt Professor Clemens Fuest vom ifo Institut einen Überblick über die aktuelle Wirtschaftslage. Es geht um die Frage, wie lange die EZB noch ihre Niedrigzinspolitik verfolgen wird und welche Auswirkungen zu erwarten sind. Und es geht auch um die Frage, wie lange sich die hohen Preise und niedrigen Renditen bei Immobilieninvestitionen noch rechnen.
Inwieweit haben der Brexit und ein zunehmend gespaltenes Europa Einfluss auf die Investitionsentscheidungen?

Dittrich: Im Moment scheint – allen Unkenrufen zum Trotz – das Investitionsinteresse durch den Brexit nicht gedämpft zu werden, weder in Großbritannien noch auf dem Kontinent. Es gibt zwar zahlreiche Planspiele, welcher Finanzplatz vom Brexit profitieren wird, aber bislang sind es eben nur Planspiele. Und noch ist keineswegs geklärt, wie der Brexit genau aussehen wird. Viel entscheidender als der Brexit ist für Investitionsentscheidungen in Europa das Potenzial, das die jeweiligen Standorte mittel- und langfristig bieten, wobei insbesondere die wirtschaftliche und demographische Entwicklung eine große Rolle spielen. Daher richtet sich der Blick nicht nur auf die internationalen Metropolen, sondern häufig auch auf Städte und Regionen aus der "zweiten Reihe". Bei den Messebuchungen konnten wir keinerlei Auswirkungen des Brexits feststellen, im Gegenteil: Die Nachfrage ist noch größer geworden, wir haben dieses Jahr mehr als 1.850 Aussteller.  

Mit neuen Formaten wie REIN reagieren Sie auf den aktuellen Wandel?

Dittrich: Grundsätzlich wollen wir das Thema Innovation stärker in den Fokus rücken. Und Innovationen kommen derzeit vor allem aus dem Bereich Digitalisierung. Hier wurden in jüngster Zeit Entwicklungen angestoßen, die auch die Immobilienwirtschaft grundlegend verändern werden. Deshalb haben wir uns mit nationalen und internationalen PropTech-Initiativen zu der Plattform REIN Real Estate Innovation Network zusammengeschlossen: aus Österreich mit Digital Building Solutions – IG Lebenszyklus Bau und der Austrian PropTech Initiative, aus der Schweiz mit SwissPropTech, aus den Niederlanden mit Holland PropTech, aus UK mit FuturePropTech und aus Deutschland mit ReTechDach e.V. Ziel ist es, den Austausch zwischen Startups im Bereich PropTech und etablierten Immobilienunternehmen zu fördern.   

Ist der Themenblock "Neue Menschen in Deutschland: Zuwanderung und Bauen" noch relevant?

Dittrich: Das Thema Wohnen ist und bleibt eines der wichtigen Themen unserer Fachmesse. Zuwanderung bedeutet nicht nur "Neue Menschen in Deutschland", sondern auch, dass es immer mehr Menschen in die Städte zieht und diese Menschen dort Wohnraum benötigen. Wir erleben im Moment zwar einen Bauboom bei Wohnungen. Dennoch ist in den Städten der Bedarf an Wohnungen unverändert hoch. Entsprechend steigen die Preise und Mieten. Auf manchen Märkten ist bereits von einer Blase die Rede. Die Mietpreisbremse, die regulierend wirken sollte, ist umstritten. Und wenn von "erschwinglichem Wohnraum" die Rede ist, führen vor allem Wohnungsentwickler ins Feld, dass besonders Grundstücks­­preise und staatliche Bauvorschriften die Preise in die Höhe treiben. Umso wichtiger ist es, alle Beteilig­ten zusammenzubringen und die drängenden Probleme gemeinsam zu diskutieren.

Schlagworte zum Thema:  Expo Real, Messe, Digitalisierung, Innovation

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