Auch die 20. Expo Real gibt der Branche wieder den Takt vor. Vom 4. bis 6. Oktober treffen sich nationale und internationale Fachleute der Immobilienwirtschaft zum erneuten Stelldichein in München. Und drehen auf zum Jahresendspurt.

Der Immobilienboom mit Deutschland als Investorenliebling geht unvermindert stark in die nächste Runde. Die niedrigen Zinsen und genügend Kapital im Markt befeuern das Ganze noch. Doch die Euphorie ruft inzwischen manch kritische Stimmen hervor. Die Frage ist nach Aussage von Messechef Klaus Dittrich, wie lange der stabile Wachstumskurs der Wirtschaft anhält oder ob die zahlreichen weltpolitischen Unsicherheiten sich irgendwann auch auf die deutsche Wirtschaft und die Finanzmärkte niederschlagen.

Anlegerfokus bleibt auf Deutschland gerichtet

Matthias Leube, CEO und Head of Capital Markets bei Colliers International Deutschland, bringt die aktuelle Stimmung auf den Punkt: "Der Anlegerfokus bleibt fest auf Deutschland gerichtet. Internationales Kapital hat an Marktanteilen hinzugewonnen, während deutsches Kapital ebenfalls weiter expansiv ist. Deutschland wird angesichts globaler geopolitischer und wirtschaftlicher Risiken als Stabilitätsanker in der Wahrnehmung der Anleger Bestand haben. Die starke Beimischung deutscher Objekte in den länderübergreifenden Portfolien weist auf die Marktgröße und Produktvielfalt des deutschen Immobilien­marktes hin. Dieser ist im Gegensatz zu den meisten europäischen Kernmärkten nicht auf eine landesweit ausstrahlende Metropol­region beschränkt und bietet ein zum Teil noch unausgeschöpftes Anlage­potenzial." Leube und mit ihm viele weitere Branchenprofis gehen daher zum jetzigen Zeitpunkt von einem ähnlich hohen Jahresabschluss mit einem Transaktionsvolumen von über 50 Milliarden Euro aus, zumal das erste Halbjahr schon überragend gewesen sei und etliche Großdeals vor dem Abschluss stünden.  

Büromärkte weiterhin auf Rekordkurs

Die Büro­immobilienhochburgen sind in einer Drehbewegung, weg vom Mieter-, hin zum Vermietermarkt. Kaum mehr Leerstände in den Topstandorten und die Abnahme der Notwendigkeit von Incentives lassen die Mienen der Vermieter hier wieder mehr strahlen. Der Bürosektor als Topanlagesegment ist mit guten Zahlen unterwegs, weiß auch Wolfgang Speer von Colliers.

"Das Halbjahresergebnis am deutschen Bürovermietungsmarkt lässt einen neuen Jahresrekord beim Flächenumsatz erwarten." Wolfgang Speer, Colliers

In den ersten sechs Monaten habe die Vermietungsleistung von rund 1,8 Millionen Quadratmetern knapp zehn Prozent über dem letztjährigen Rekordwert und gut 27 Prozent über dem zehnjährigen Durchschnitt gelegen, in den auch das Boomjahr 2008 falle. Sami Steinbach, Vorstandsvorsitzender Angermann Real Estate Advisory AG, sagt: "Selbst die seit Jahrzehnten übliche Übernahme der Maklerprovision durch Vermieter kann nicht mehr bei jeder Immobilie als selbstverständlich angenommen werden."

Expo Real 2017: Unternehmen suchen beim Career Day nach potenziellen Bewerbern

"Wir werden mit gut 50 Leuten auf der Expo Real vertreten sein. Neu sind dieses Mal Fachkräfte aus dem HR-Bereich", so Tanja Drecke, Head of Marketing beim Immobilienunternehmen Angermann. Um den gesteigerten Ansprüchen im Employer Branding gerecht zu werden, wolle man sich beim Career Day bei potenziellen Bewerbern intensiver vorstellen.
Gerald Beuker FRICS, Vorstand Angermann Investment Advisory AG, gibt den zu erwartenden Takt für die kommenden Monate vor: "In strukturierten Verkaufsprozessen stehen nationale und internationale Investoren Schlange im Wettlauf um die besten Tickets. Die Faktoren haben sich auch dieses Jahr erhöht, und bei gleichbleibenden Zinsen erwarten wir ein furioses zweites Halbjahr. Zunehmend gefragt sind Off-Market-Deals, bei denen der Investor bereit ist, einen Aufschlag zu zahlen, um zeit- und kostenintensive Bietergefechte zu vermeiden." Eine Standardfrage unter Immobilieneigentümern laute: "Was wollen wir mit dem Geld bei Verkauf machen?" Zugegeben: laut Beuker ein Luxusproblem. Er beobachtet zunehmend auch Testläufe zur Preisfindung, "um dann final innerhalb der Eigentümergesellschaft die Anteile zu veräußern".

Handel und Logistik: Das steigende Interesse wird auch 2018 noch anhalten

Das seit Jahren stetig steigende Interesse an Logistik- und Handelsimmobilien wird auch 2018 und darüber hinaus noch anhalten, heißt es unter den Immobilien­experten.

"Es hat sich generell als sehr sinnvoll erwiesen, für bestimmte Assetklassen wie Logistik, aber auch Hotel und Tourismus oder Handel und Handels­­­immobilien eigene Kristallisationspunkte auf der Expo Real zu schaffen, an denen alle, die mit dem jeweiligen Thema befasst sind, gezielt zusammentreffen können." Messechef Klaus Dittrich

Zum vorgezeichneten Erfolgskurs der Logistikbranche wird laut Peter Kunz, bei Colliers International der Chef für Industrie und Logistik, insbesondere das Verschmelzen mit Funktionen des Einzelhandels beitragen.

Einzelhandel: Die Branche befindet sich in der "Probierphase"

Besonders in Zeiten des aufstrebenden Online-Handels befinde sich die Branche in der "Probierphase". Neue Immobilientypen, optimierte Logistikkonzepte und die Digitalisierung der Handelslogistik werden den Markt auch zukünftig vorantreiben und die Bedeutung der Logistik in Deutschland stärken, ist Kunz gewiss.
Ob Angermann, Garbe, Colliers oder R.C. Spies und viele andere Immobilien­­unternehmen, in diesen Tagen werden Gespräche mit Bestandshaltern und Entwicklern geführt, um neue Produkte aus Handel und Logistik zum Verkauf zu generieren. Hohe Nachfrage und immer knapper werdende Angebote führen jedoch auch in diesen Assetklassen zu Umorientierungen und mehr Flexibilität in der Standortsuche.
Es hat sich gezeigt, dass der Markt nicht mehr bereit ist, jeden "x-beliebigen Preis" für zum Teil ohnehin überbewertete Standorte zu zahlen. Vielmehr ist eindeutig Qualität und Nachhaltigkeit gefragt oder wird entsprechend honoriert.
Zwar sei die Stimmung weiterhin gut und die Attraktivität der Spezial­immobilien aufgrund des Anlagedrucks ungebrochen, sagt Jan Dietrich Hempel, Geschäftsführer der Garbe Industrial Real Estate GmbH. Starke Nachfrage und Objektmangel führe jedoch zu Renditekompressionen. Daher ziele Garbe bewusst auf Bestandsgebäude, die weiterentwickelt werden können. Dabei rücken nach Erfahrung Hempels auch solche Objekte in den Fokus, die leer stehen oder teilweise vermietet sind. Die Vermietung trägt dazu bei, die Finanzierungskosten zu decken.

"Wir profitieren von dem starken Inves­toreninteresse an Logistikimmobilien im deutschsprachigen Raum." Katrin Poos, Geschäftsführerin RLI Investors

Außer deutschen institutionellen Inves­­toren hätten angelsächsische und asiatische Investoren großes Interesse an Logistikimmobilien.

Stresstest bei aller Euphorie: Ist ein "Ende der Fahnenstange" erreicht?

Der aktuelle Deutsche Hypo Index gab im Juli beim Immobilienklima nach. Auf der anderen Seite erreichte die Immobilien­konjunktur, in die unter anderem Werte wie Dax, DIMAX und das ifo-Geschäftsklima einfließen, einen Spitzenwert.

"Die Erwartungen der Marktteilnehmer sind also skeptischer als die Fundamentaldaten." Andreas Pohl, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Hypo

In der Branche wächst wohl gerade angesichts der über Jahre weiter steigenden Immobilieneuphorie die Zurückhaltung, da sich der Markt irgendwann verändern wird. Die Frage ist nur, wann? Die gedämpfte Erwartungshaltung hat laut Pohl auch etwas Positives: Marktteilnehmer machen nicht "Business as usual", sondern überprüfen ihr Engagement stärker und unterziehen ihre Entscheidungen einem vorherigen "Stresstest". In einer bei äußeren Einflussfaktoren weniger kalkulierbaren Welt sei das eine wichtige und richtige Strategie. Und wenn sie zudem noch zu Transaktionsergebnissen wie im ersten Halbjahr 2017 führe, seien alle positiv gestimmt.

Expo Real: Arbeitsintensiver Austausch mit alten und neuen Kunden

Die Expo Real ist für das Messeteam von Drees & Sommer willkommener Anlass zu einem arbeitsintensiven Austausch mit neuen und alten Kunden, freut sich Vorstandsvorsitzender Peter Tzeschlock auf drei spannende Tage. Zu 95 Prozent werde man auf der Messe sehr konkret an Projekten arbeiten. Besser, günstiger und auch sicherer angesichts anwachsender Cyberattacken zu bauen, sei die Devise. Gerade bei komplexen Projekten gelte es immer mehr, die Schnittstellen zu reduzieren und die verbleibenden mit hoher Kompetenz und Verantwortung auszustatten. Der Dreso-Messeauftritt steht nach Aussage Tzesch­­­locks ganz im Zeichen der Usability. "Wir stellen den Immobilien-Nutzer und seine Anforderungen in den Mittelpunkt und damit, was den Immobilienmarkt immer stärker bestimmt."
Tzeschlock meint den demografischen Wandel, die damit einhergehende schwierigere Suche nach Fachkräften, die Digitalisierung oder auch die Haltung der Generationen Y und X und deren Auswirkungen auf die Märkte. Was beispielsweise Gebäude mit Fachkräftemangel zu tun haben und warum es sich lohnt, in gute Arbeitsplatzgestaltung zu investieren, soll während der Expo Real diskutiert werden – unter anderen mit der Workplace-Expertin Christine Kohlert, die als Professorin an der Mediadesign Hochschule in München tätig ist.
Deutschland gehen die geeigneten Produkte für Investoren laut Tzeschlock jedoch noch lange nicht aus.

"Das Transaktionsvolumen in Deutschland befindet sich auf Rekordniveau und die Nachfrage nach sämtlichen Immobilienformen wie Büro- oder Wohngebäuden, Shoppingcentern oder Lagerhallen ist bei Käufern aus dem In- und Ausland nach wie vor ungebrochen. Das hat zur Folge, dass auch langfristige Investoren wie Pensionskassen oder offene Fonds immer wieder im Gewerbe- oder Wohnbereich verkaufen, um Gewinnmitnahmen zu realisieren. Noch immer gibt es für Käufer also attraktive Anlagemöglichkeiten." Peter Tzeschlock, Vorstandsvorsitzender Drees & Sommer

Expo Real 2017: Die Messe in Zahlen

Auch die Zahlen der Messestatistiker belegen den anhaltenden Run auf Immobilien. Im vergangenen Jahr zählte die Expo Real 1.768 Aussteller aus 29 Ländern und 39.000 Teilnehmer aus 77 Ländern – aktuell ist laut Dittrich die Zahl von nahezu 1.850 Ausstellern erreicht. Allein gut 400 Referenten werden an den drei Messetagen zu Wort kommen.

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