24.09.2013 | Top-Thema Expo Real 2013

Interview mit Eugen Egetenmeir

Kapitel
Eugen Egetenmeir, Geschäftsführer der Messe München International.
Bild: Messe München GmbH 2012

Seit 1998 führt die Expo Real die Player der Immobilienbranche zusammen. Die Ausstellerzahl stieg in dieser Zeit von 140 auf 1.700. Der Geschäftsführer der Messe München International, Eugen Egetenmeir, nennt Highlights und Trends der diesjährigen Messe.

Im vergangenen Jahr legte die Expo Real sowohl bei den Ausstellern als auch bei den Besucherzahlen zu. Wohin geht die Reise aktuell?

Egetenmeir: Wir erwarten stabile Zahlen auf dem hohen Niveau des Vorjahres, in dem die Messe mit 1.700 Aussteller, 71 Besucherländer und 38.000 Teilnehmer wieder ein Treffpunkt für die nationale und internationale Immobilienwirtschaft war.

Die Messe gilt als internationale Networking-Plattform. Welche Länder bilden in diesem Jahr den Schwerpunkt und welche Themen liegen den ausländischen Ausstellern besonders am Herzen?

Egetenmeir: Es gibt zwar keinen eigenen Länder-Schwerpunkt, allerdings stellen wir im Rahmen des Konferenzprogramms immer wieder Länder vor, die aus immobilienwirtschaftlicher Sicht interessant sind. Dieses Jahr zum Beispiel die Benelux-Staaten, Russland, Polen, Tschechien und die Schwarzmeer-Region. Traditionell sehr stark vertreten sind Deutschland, Österreich und die Schweiz, die als stabile Märkte im Fokus der in- und ausländischen Investoren stehen.

Die Messe versucht mit der Auswahl der Themen die Entwicklungen der Immobilienbranche zu spiegeln. Welche Trends stehen 2013 im Mittelpunkt?

Egetenmeir: Als Top-Thema bewegt die Marktteilnehmer noch immer der Bereich Finanzierung. Neben den Bankenregulierungen drehen sich die Diskussionen vor allem um neue Anbieter wie Versicherungen. Daneben spielt der Wohnungsmarkt für Investoren, Projektentwickler und Fonds eine große Rolle. Nachhaltigkeit bleibt ebenso ein wichtiger inhaltlicher Treiber im Konferenzprogramm. Energetische Sanierung steht dabei ebenso auf dem Programm wie nachhaltige Unternehmensführung und Stadtentwicklung. In Zusammenarbeit mit der Bundesarchitektenkammer (BAK) und der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) hat die Messe ein gemeinschaftliches Konzept zu „Intelligent Urbanization“ erarbeitet. Einerseits greifen die BAK und die DGNB das Thema an ihrem Stand sowie als Konferenzthema im unmittelbar gegenüberliegenden Forum auf, andererseits widmet die Messe dem Thema eine eigene Ausstellungsfläche in unmittelbarer Nähe, wo eine Sonderschau präsentiert wird. Einen weiteren Schwerpunkt spielen das Thema Investmentstrategien von Fonds, Versicherungen, Versorgungskassen, Family Offices und der Bereich alternative Investments wie Pflegeheime, Gesundheitsimmobilien, Logistik oder Hospitality, wobei letztere mittlerweile zum Mainstream der Gewerbeimmobilien gehören. Am ersten Messetag wird zudem Günther Oettinger, EU-Kommissar für Energie, zum Thema „Erneuerbare Energien in Europa - Die Bedeutung für Immobilien, Infrastruktur und Investitionen“ sprechen.

Ob Wien, Amsterdam oder Cannes – Messen für Gewerbeimmobilien erleben durch die Internationalisierung einen Boom. Doch nicht alle Veranstalter überleben den Wettbewerb. Welche Strategien verfolgt die Messe München?

Egetenmeir: Wir haben immer Wert darauf gelegt, uns sehr nahe am Marktgeschehen zu bewegen und die gesamte Wertschöpfungskette von Immobilien abzubilden. Wir sind dabei nicht der Versuchung erlegen, in wirtschaftlich schwierigen Zeiten unsere Tore wahllos für lediglich angrenzende Segmente wie zum Beispiel Gebäudeausstatter zu öffnen. Diese Strategie der Fokussierung auf die Kernbereiche der Immobilienwirtschaft sichert nicht nur ein hohes Qualitätsniveau, sondern schafft auch Vertrauen. Daneben setzen wir auf das Image einer Arbeitsmesse, die Entscheider zusammenbringt. Zahlreiche Projekte werden hier vorgestellt und vorangetrieben und gelungene Abschlüsse ansprechend präsentiert. Als weitere Gestaltungsformen bieten wir den Teilnehmern  auch Länder- und Segmentbeteiligungen an. Unser Mix aus Innovation, Qualität, Marktnähe und Stabilität kommt bei Ausstellern und Teilnehmern offenbar gut an und bildete selbst in Krisenzeiten vergangener Jahre eine stabile Basis.

Die Messe setzt bei ihrer Kommunikation verstärkt auf Social-Media-Kanäle. Wie sehen Ihre Erfahrungen aus?

Egentenmeir: Ausgesprochen gut. Modernes Business Networking erfordert von allen Teilnehmern in den Markt hineinzuhören, sich einzubringen und mitzusprechen. Seit einem Jahr sind wir auf Twitter, Facebook, LinkedIn und XING vertreten und haben auch einen Blog eingerichtet. Allein im Business-Netzwerk Xing pflegen wir über 1.500 Mitgliederkontakte. Die Messe möchte mit diesem Angebot noch näher am Kunden arbeiten, insbesondere im Hinblick auf die jüngere Generation, die teilweise statt per Email eher über diese Medien kommunizieren. Insofern ist es auch als Kundenbindungsprogramm zu verstehen.

Das Auswahlverfahren und die hohen Standgebühren sind für die Aussteller immer wieder ein heiß diskutiertes Thema. Benötigt die Messe mehr Platz?

Egetenmeir: Erweiterungen sind aktuell nicht geplant, wohl aber gewisse Nachverdichtungen. Generell treffen wir im Hinblick auf die angestrebte und immer wieder zu sichernde Qualität eine Beschränkung auf Aussteller, die die Kernsegmente der Immobilienwirtschaft vertreten. Dies entspricht den Leitlinien und Maßgaben, die der Fachbeirat ausgegeben hat. Die konkrete Platzvergabe und Ausgestaltung der Stände klären wir als Messeorganisator in intensivem Kontakt mit den Ausstellern. Wir versuchen, deren Wünschen so weit wie möglich Rechnung zu tragen, wobei aufgrund der Vielzahl der Aussteller naturgemäß nicht jeder an seinem Wunschplatz zum Zuge kommen kann.

Innerhalb des Career Days bringt die Messe Absolventen, Berufseinsteiger und Unternehmen zusammen. Ist der „War for talents“ hier schon erlebbar?

Egetenmeir: Glücklicherweise geht es bei uns noch nicht so kriegerisch zu, aber der Wettbewerb um gute Nachwuchskräfte hat auch die Immobilienwirtschaft erreicht. Der CareerDay ermöglicht es zum einen Nachwuchskräften, sich über Einstiegs- und Karrieremöglichkeiten in der Immobilienbranche zu informieren und bietet zum anderen auch Unternehmen eine starke Plattform, sich als attraktive Arbeitgeber zu präsentieren und so neue Talente zu rekrutieren. Parallel zum Vortragsprogramm nutzen 15 ausstellende Unternehmen wie Jones Lang LaSalle, CBRE oder Patrizia in der Career Center Lounge individuelle Arbeitsplätze, um mit Studenten, Absolventen und Young Professionals ins Gespräch zu kommen. Die Idee eines eigenen Career Days geht auf die 1990er Jahre zurück, als die Immobilienwirtschaft in Deutschland begann, die Ausbildung der Fachkräfte zu professionalisieren. Die Messe München will damit auch heute einen weiteren Beitrag in diese Richtung leisten.

Auf der Expo Real werden wieder zahlreiche Awards und Forschungspreise verliehen. Wird die Branche auch wissenschaftlich professioneller?

Egetenmeir: Die Messe begrüßt die Preisverleihungen sehr, insbesondere da die Auslobenden die gesamte Wertschöpfungskette der Immobilie repräsentieren. Dies zeigt, dass die Messe national und international als Plattform mit einem hohen Qualitätsniveau gesehen wird. Die Immobilienbranche hat in den vergangenen 20 Jahren eine deutliche Professionalisierung erfahren, ohne die die Bewältigung der Krisen auf den Finanz- und Immobilienmärkten sicher weniger erfolgreich verlaufen wären. Dennoch gilt es nicht stehen zu bleiben und das Motto des Lebenslangen Lernens in der Praxis umzusetzen.

Seit dem vergangenen Jahr lobt die Messe des Wettbewerb John-Jacob-Astor-Competition aus. Was hat es damit auf sich?

Egetenmeir: Der Deutsche John Jacob Astor war im 18. Jahrhundert ein erfolgreicher Immobilien-Tycoon. Mit 16 Jahren wanderte er nach Amerika aus und zeichnete sich dort durch seine Innovationskraft aus. In seinem Geiste lobt die Messe den John-Jacob-Astor-Competition für außergewöhnliche und faszinierende Gewerbeimmobilien- und Investmentprojekte der Gegenwart aus. Eingereicht werden können alle innovativen und nachhaltig konzipierten Neuentwicklungen und Umplanungen von Gewerbe- und Investmentimmobilien oder gemischt genutzten Immobilien, die in den Jahren 2007 bis 2013 fertiggestellt wurden. Ungewöhnlich ist auch die Jury, die nicht aus einem kleinen Gremium besteht, sondern sich ganz demokratisch aus den Usern des Expo-Real-Blogs zusammensetzt, die online durch ihre Votes entscheiden, welche Projekte sie für die spannendsten halten. Der Sieger kann sich über einen Messe-Stand im kommenden Jahr im Wert von 10.000 Euro freuen.

Weitere Services und Informationen rund um die Expo Real finden Sie hier.

Schlagworte zum Thema:  Expo Real, Immobilienmesse, Gewerbeimmobilienmesse, Immobilienbranche

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