Das Wirtschaftsministerium in Stuttgart hat ein externes Gutachten in Auftrag gegeben, das die Arbeit des Verbands baden-württembergischer Wohnungs- und Immobilienunternehmen (vbw) im Betrugsfall der Wohnungsgenossenschaft Eventus untersuchen soll. Das teilte eine Ministeriumssprecherin mit. Zuvor war der Fall auch Thema im Wirtschaftsausschuss.

In der Expertise sollen mögliche Verstöße gegen das Genossenschaftsgesetz geprüft werden. "Da der Fall äußerst komplex und vielschichtig ist, wird mit der Untersuchung bundesweit Neuland betreten", so die Sprecherin.

Der oppositionelle SPD-Abgeordnete Boris Weirauch sagte, auch nach der Sitzung im Wirtschaftsausschuss seien Fragen offen geblieben. Das Wirtschaftsministerium ist die zuständige Aufsichtsbehörde. Das Ministerium hatte auch auf Vorwürfe der Geschädigten reagiert, die nach der Insolvenz massive Kritik an der Aufsicht übten.

Ex-Eventus-Chef in U-Haft

Der Gründer und ehemalige Vorstandschef von Eventus, Marco Terracciano, sitzt bereits in Untersuchungshaft, gegen ihn ermittelt die Staatsanwaltschaft Stuttgart wegen des Verdachts auf Untreue und Betrug in Millionenhöhe.

Ob die 450 Anlegern ihr Geld jemals wiedersehen, ist unklar. Den Anlegern könne man im Augenblick wenig Hoffnung machen, dass sie ihr Geld zurück bekommen, hatte der vorläufige Insolvenzverwalter Tibor Braun Anfang November 2017 erklärt.

vbw weist Vorwürfe zurück

Die geschädigten Anleger hatten sich in einer Interessengemeinschaft zusammengeschlossen. Sie sehen den für Eventus verantwortlichen Prüfungsverband vbw in der Haftung. Der Verband habe "in mehr als einem Punkt pflichtwidrig gehandelt und vorgeschriebene Handlungsweisen zur Überprüfung eines ihm unterstellten Unternehmens unterlassen", heißt es auf der Homepage der Anleger.

Die Aufsicht habe zu spät und nicht konsequent genug auf Missstände reagiert. Die Untersuchung werde einige Zeit dauern, sagte eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums als Aufsichtsbehörde. Der vbw weist die Vorwürfe zurück. Man habe ordnungsgemäß und nach den gesetzlichen Regeln geprüft.

Seit 2012 wurde Geld bei Anlegern eingesammelt

Die Genossenschaft hatte im September Insolvenz beim Amtsgericht Stuttgart angemeldet.

Das Wirtschaftsministerium übt eigenen Angaben zufolge keine Aufsicht über einzelne Genossenschaften und keine berufsrechtliche Aufsicht über den Verband als Wirtschaftsprüfer aus. Der Verband stehe jedoch unter Staatsaufsicht. Das bedeutet, es wird geschaut, ob die Organisation ihre Pflichtaufgaben erfüllt.

Schlagworte zum Thema:  Wohnungsgenossenschaft, Betrug