Immer mehr Aussteller strömen auf die Immobilienmesse Expo Real in München Bild: Alex Schelbert / Messe Muenchen

Drei Tage beschäftigte sich die Branche auf der Expo Real mit immobilienwirtschaftlichen Themen – die Geschäfte brummen und die Stimmung ist entsprechend gut. Die Ausstellerzahl stieg von 1.768 auf 1.900. Diskutiert wurde über Investmentmärkte, Niedrigzinsphase und politische Unsicherheiten. Und auch in diesem Jahr tauchte kaum ein Schlagwort so häufig auf wie die rasant fortschreitende Digitalisierung und ihre Auswirkungen auf die Immobilienwirtschaft.

Licht und Schatten der aktuellen Wirtschaftslage

Professor Clemens Fuest, Präsident des ifo-Instituts, analysierte in seinem Vortrag auf der Expo Real die aktuelle Wirtschaftslage und sieht in näherer Zukunft keine deutliche Trendwende zu höheren Zinsen. Als Gefahren nannte er unter anderem die politischen Unsicherheiten auf internationaler Ebene und die massive Staatsverschuldung einiger EU-Mitgliedsländer.

"Der Aufschwung im Euroraum hat sich gefestigt", so sein Fazit.

Hohe Umsätze auf dem Investmentmarkt

Piotr Bienkowski, CEO von BNP Paribas Real Estate (BNPPRE), skizzierte im Rahmen eines Pressegesprächs die Situation auf dem deutschen Investmentmarkt. Sollten externe Schocks ausbleiben, sagte er, werde sich die dynamische Entwicklung auch 2018 fortsetzen. Auch er erwartet, wenn überhaupt, nur einen moderaten Anstieg der Zinsen in den kommenden beiden Jahren und fürchtet daher keine dramatischen Folgen für die Immobilienmärkte. Die deutschen Investmentmärkte zeigten sich Bienkowski zufolge bislang unbeeindruckt auch von potenziellen Störfeuern wie politischen Entwicklungen oder internationalen Krisenherden.

Einfluss der neuen Regierung auf den Investmentmarkt

Unter anderem mit dem Thema des innerpolitischen Einflusses auf die Investmentmärkte beschäftigten sich Experten der Deutschen Hypo, La Salle Investment Management und Empirica in einer Diskussionsrunde zur aktuellen Lage auf dem Investmentmarkt. Dramatische Störungen durch die neue Bundesregierung erwarten Andreas Pohl (Vorstand der Deutschen Hypo) und Claus Thomas (International Director bei La Salle Investment Management) nicht.

"Deutschland wird immer noch als Stabilitätsfaktor bewertet", sagte Thomas.

Professor Harald Simons (Empirica-Geschäftsführung) erwartet einen negativen Einfluss auf die Wohnungsmärkte, sollte die Politik den Zyklus, der sich dem Ende zuneigt, mit Hilfe von Subventionen verlängern. Außerdem könne es bei einem Zinsanstieg zu einer Abwertung der Preise innerhalb der nächsten fünf Jahre von bis zu einem Drittel kommen.

Nischenprodukte erfreuen sich steigender Beliebtheit

Auch Nischenprodukte waren auf der Expo Real ein heißes Thema. Es diskutierten unter anderem die JLL-Directors Ralf Kemper, Honoré Achille Simo und Jan Linsin, Head of Research Germany CBRE. Ein Fazit: Der Angebotsmangel senkt die Risikoaversion von Investoren und rückt Pflegeimmobilien, Corporates, Studentenimmobilien und Parkhäuser in den Fokus der Investitionsüberlegungen.

"Dax-Konzerne und Mittelständler entwickeln sich zunehmend zu prägenden Akteuren der Immobilienmärkte", stellte etwa Honoré Achille Simo, Associate Director bei JLL, fest.

Corporates hätten sich vor allem als Assetklasse für institutionelle Investoren etabliert, ergänzte Kemper. Dass im Segment Pflegeimmobilien noch viel Potenzial vorhanden und die Rahmendaten für Investoren gut seien, führte Linsin (Head of Research Germany CBRE) auf der Diskussionsrunde zum erfolgreichen Entwickeln, Investieren und Betreiben von Seniorenimmobilien aus.

Den Brexit im Blick

Obwohl die Ausgestaltung des Brexits noch äußerst ungewiss ist, drehten sich auch auf der Expo Real zahlreiche Diskussionen um die Folgen des EU-Austritts für den deutschen Immobilienmarkt. Deutsche-Hypo-Chef Andreas Pohl geht davon aus, dass der gewerbliche Immobilienmarkt in Deutschland und insbesondere der Standort Frankfurt vom Brexit mehr profitieren wird als andere Märkte.

CareerDay für den Nachwuchs

Auch die verschiedenen Berufe der Immobilienwirtschaft kamen auf der Expo Real 2017 nicht zu kurz. Über die Berufsbilder, den Einstieg in die Branche und die Erfahrungen jüngerer und älterer Hasen konnte sich der Nachwuchs beim CareerDay informieren.

"Die Immobilienbranche ist immer auf der Suche nach guten Mitarbeitern", sagte Michael Greis von IC Property Management in der Diskussionsrunde.


Auch hier wurde die Digitalisierung thematisiert. Kenntnisse in diesem Bereich werden vor allem für junge Berufseinsteiger immer wichtiger und es entwickeln sich hier spannende Einsatzmöglichkeiten.

Schlagworte zum Thema:  Expo Real, Immobilienwirtschaft

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