Zwei Verfahren gegen den ehemaligen Chef des landeseigenen NRW-Baubetriebs BLB wurden eingestellt. Die zusätzlichen Anklagen der Staatsanwaltschaft werden nicht verhandelt, weil die zu erwartende Strafe nicht beträchtlich ins Gewicht fallen würde, teilte eine Sprecherin des Düsseldorfer Landgerichts mit. Damit bleibt es bei den siebeneinhalb Jahren Haft, zu denen Ferdinand Tiggemann bereits verurteilt wurde.

Die Staatsanwaltschaft hat der Einstellung trotz jahrelanger aufwändiger Ermittlungen - zugestimmt. Das Landgericht Düsseldorf hatte Tiggemann im Februar 2017 wegen Bestechlichkeit und Untreue verurteilt. In dem Prozess ging es um Korruption bei landeseigenen Bauprojekten in NRW. Das Urteil ist rechtskräftig.

Allein in den drei abgeurteilten Tatkomplexen entstand dem Steuerzahler nach Gerichtsangaben ein Schaden in Höhe von sechs Millionen Euro. Unter anderem sei beim Bau des Justizzentrums in Düsseldorf, in dem Tiggemann verurteilt wurde, Schmiergeld geflossen, befanden die Richter. Tiggemann war noch im Gerichtssaal verhaftet worden. Er soll mindestens 178.000 Euro Schmiergeld kassiert haben.

NRW-Landesarchiv: Baukosten von 30 auf 200 Millionen Euro explodiert

Tiggemann hatte Informationen über anstehende Bauprojekte an einen mehrfach vorbestraften Berufskriminellen verraten. So konnten Zwischenkäufer dem Land die Grundstücke wegschnappen und mit Millionen-Aufschlägen weiterverkaufen. Er selbst hatte behauptet, unschuldig zu sein.

Die auf Korruption spezialisierte Staatsanwaltschaft Wuppertal hatte nach dem Urteil zwei weitere Anklagen gegen den Ex-BLB-Manager erhoben, in einem Fall wegen des Neubaus des NRW-Landesarchivs. Die Baukosten für das Archiv im Duisburger Innenhafen waren von ursprünglich geplanten 30 auf über 200 Millionen Euro aus dem Ruder gelaufen. Die Staatsanwaltschaft hatte den Baumanager in diesem Zusammenhang wegen schwerer Untreue angeklagt.

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