Die anhaltende Niedrigzinsphase, geringe Margen und die Nachfrage nach alternativen Finanzierungsinstrumenten belasten die Geschäftsmodelle vieler deutscher Banken. Machen digitale Geschäftsmodelle deren Stellung als Intermediäre obsolet? In einer Diskussionsrunde suchten Etablierte und FinTechs nach zukunftsfähigen Strategien.

"Die Parallelen zur Boomphase 2007 äußern sich in einem ähnlich hohen Preisniveau, allerdings haben die Banken dazugelernt und agieren heute sehr viel vorsichtiger bei der Kreditvergabe", berichtete Dr. Thomas Schneider, CEO von Brickvest, einer Onlineplattform für Immobilieninvestments.

"Das Keyword lautet in diesem Zusammenhang Solvenzkapitalanforderung (SCR)", ergänzte Francesco Fedele, CEO der BF.direkt AG. Dennoch bewege sich die Wettbewerbsintensität auf dem Finanzierungsmarkt weiterhin auf einem hohen Niveau.

"Die Kreditvergabe ist nach einer Analyse von JLL im ersten Halbjahr um zehn Prozent gesunken", sagte Maria-Teresa Dreo, Bereichsleiterin Real Estate Germany bei der Hypovereinsbank. Es sei viel Eigenkapital im Markt. Trotz der Widrigkeiten verhielten sich Banken vernünftig und achteten meist auf das dem Beleihungswert zugrunde liegende Vorsichtsprinzip.

Das Dilemma der EZB

Die Diskutanten zeigten Einigkeit im Hinblick auf ein Auslaufen der ultralockeren Zinspolitik der EZB. Problematisch gestalte sich dabei allerdings die hohe Staatsverschuldung der Südländer, die wie Italien den dringend notwendigen Strukturwandel schuldig geblieben seien.

"Die EZB hat, wenn auch in vorsichtigen Formulierungen, eine Reduzierung des Ankaufsprogramms angekündigt. Zudem bewegt sich die Inflationsrate auf die Marke von zwei Prozent zu", stellte Dreo fest. Sie gehe bei den kurzfristigen Zinsen von einer sehr moderaten Erhöhung im zweiten Halbjahr 2019, bei den langfristigen Zinsen von einem schnelleren Anstieg aus.

"Das Ankaufsprogramm der EZB stellt eine verdeckte Staatsfinanzierung dar, auch wenn diese verfassungsrechtlich abgesegnet wurde." (Hans Jürgen Kulartz, Mitglied des Vorstandes der Berliner Sparkasse)

Es stelle sich die Frage, wie die südlichen Mitgliedsländer der EU ein Ende des Ankaufsprogramms und damit steigende Anleihezinsen verkraften würden. "Politiker haben hier die Wahl zwischen Pest und Cholera", so sein Fazit.

"Die längerfristigen Zinsen steigen schon seit neun Monaten", stellte Fedele fest. Das sei auch nicht gefährlich, sofern sie sich auf niedrigem Niveau nach oben bewegten. "Die weltpolitische Lage und die Handelskonflikte bergen heute durchaus Risiken. Ein exogener Schock könnte den Markt negativ beeinflussen", gab Schneider zu bedenken.

FinTechs als Effizienzbringer

"Wir als FinTech können Banken helfen, ihren Kostenapparat effizienter zu gestalten", sagte Schneider. Er sehe FinTechs als sinnvolle Unterstützung, nicht als Konkurrenz.

"Kapitalsammelstellen arbeiten insbesondere bei großen Transaktionen häufig mit Banken zusammen, da diese über größere Erfahrung im Syndizierungsprozess verfügen", wandte Fedele ein.

"Wir haben im vergangenen Jahr mehr als elf Milliarden Euro an Finanzierungen hereingenommen, aber alternative Finanzierer sind dabei nicht aufgetreten", lautete die Erfahrung von Kulartz. Die Sparkasse kooperiere mit FinTechs und sehe diese nicht als Konkurrenten an. Es stelle sich allerdings die Frage, wer von diesen FinTechs dauerhaft Erfolg habe.

"Die Digitalisierung wird zu massiven Änderungen bei der Effizienz führen. Banken, die sich nicht anpassen und an die FinTechs annähern, werden vom Markt verschwinden." (Thomas Schneider, CEO von Brickvest)

"Wer sich wegduckt, verliert", bestätigte Dreo. "Wir haben uns bewegt und bereits mehr als 160.000 Firmenkunden auf das Onlinegeschäft umgestellt."

FinTechs und Transparenz

"FinTechs schaffen Transparenz, die vom Markt zunehmend gefordert wird", stellte Schneider fest. Dieser Aussage begegnete Fedele skeptisch. "Wenn ich mit einem Kunden über einen Kredit über 250 Millionen Euro verhandle, spielt für diesen nicht die Transparenz, sondern die Kompetenz und die Beratung bei großvolumigen Projekten eine Rolle", bestätigte auch Kulartz.

"Eine solche Beratungsleistung bieten FinTechs nicht", räumte Schneider ein, zumal immer wieder FinTechs entstünden, die noch nie in der Immobilienwirtschaft gearbeitet hätten. Sein Unternehmen komme aus der Branche, setze aber dennoch auf Kooperation.

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