Blockchain gilt auch in der Immobilienwirtschaft als Technologie mit hohem Disruptionspotenzial. Eine wachsende Zahl etablierter Unternehmen sowie Startups entwickelt Blockchain-basierte Anwendungen, die auch für Maklerhäuser relevante Geschäftsfelder berühren. Guido Nabben erläutert im Interview Herausforderungen und Chancen.

Herr Nabben, Blockchain und ähnliche auf Kryptografie basierende dezentrale Technologien ermöglichen es, Geschäfte mit anderen ohne Intermediäre abzuschließen. Werden dadurch die Leistungen von Immobilienmaklern obsolet?

Nabben: Gerade in der Immobilienbranche ist eine vollständige Disruption unserer Geschäftsmodelle durch solche digitalen Technologien unwahrscheinlich. Denn letztendlich basiert das Immobilienmaklergeschäft als "People Business" auf persönlichen Kontakten und einem kontinuierlichen Austausch. Vertrauen und Sympathie wird kein IT-System einfach ersetzen können.

Blockchain kann Makler jedoch dabei unterstützen, bestimmte Prozesse zu beschleunigen und effizienter zu gestalten. So könnten Blockchain-Lösungen Immobilientransaktionen und Vermietungen sowie die Finanzierung und Verwaltung vereinfachen. Sie ermöglichen es, Daten schnell auszutauschen und damit Prozesse zu verschlanken und zu vereinheitlichen. Dadurch haben Makler und Juristen schon zu Beginn eines Geschäfts mehr Kapazitäten, um sich auf komplexere Probleme zu konzentrieren.

Für Immobilienmakler ist Blockchain keine Bedrohung?

Mittels so genannter Smart Contracts – also selbstausführender Verträge, digitaler Signaturen und einer digitalen Immobilienakte – können insbesondere standardisierte, kleinteilige Prozesse vereinfacht und letztlich automatisiert werden. Das würde etwa die Machbarkeitsprüfung von An- und Verkäufen signifikant verkürzen und gleichzeitig mehr Transparenz im Informationsaustausch schaffen. Durch schnellere Grundbuchumschreibungen ließe sich die Zeit zwischen Signing und Closing bei Transaktionen und damit auch die Kosten deutlich reduzieren.

Für Immobilienmakler ist Blockchain daher keine Bedrohung, sondern eine technische Unterstützung, die uns hilft, unsere Aufgaben optimal umzusetzen. Gerade für Maklernetzwerke sind Blockchain-Anwendungen hilfreich, da Daten schneller abrufbar sind, ein umständlicher Datenaustausch entfällt und alle Beteiligten bezüglich der vorliegenden Informationen auf demselben Stand gehalten werden.

Immobilienwirtschaftliche Unternehmen nennen Cybersicherheit und Datenschutz häufig als Hemmnisse der Digitalisierung. Mit Blockchain lassen sich ungewollte Manipulationen verhindern. Warum ist die Technik dennoch noch nicht im Mainstream angekommen?

Es ist richtig, dass die Blockchain als dezentrale Datenbank die Möglichkeit bietet, Datensätze für alle Beteiligten nachvollziehbar und nahezu fälschungssicher zu speichern. Dass sich die Technik trotz dieser Vorteile noch nicht flächendeckend durchsetzen konnte, liegt zum einen an rechtlichen Rahmenbedingungen. Beispielsweise ist nach geltendem deutschen Recht der durch die Blockchain geschaffene Erwerbsakt für die Rechtsschaffung nicht ausreichend. Hier müssen erst noch die rechtlichen Voraussetzungen erarbeitet und Gesetze angepasst werden.

Welche Hindernisse gibt es?

Zum anderen gibt es aber auch gesellschaftliche Hürden. Denn die Umsetzung hängt vor allem von der Anerkennung durch die Gesellschaft und deren Marktteilnehmer ab. Soziale Akzeptanz ist ein nicht zu unterschätzender Faktor.

Hinzu kommen praktische Hindernisse. Bevor die Blockchain ins Spiel kommen kann, müssen die beteiligten Akteure erst eine einheitliche Datenbasis schaffen. Dazu müsste sich die Immobilienbranche auf allgemein verbindliche Spielregeln einigen. Bisher gibt es aber kaum Ansätze in dieser Richtung. Dabei darf man nicht vergessen, dass es für Immobiliendienstleister ein enormer Verwaltungsakt sowie eine Frage von Zeit und Kosten ist, die Unmengen an Daten zu standardisieren und zu digitalisieren.

Mit Hilfe von Smart Contracts können automatisierte Transaktionen, Verträge und Eigentumsübertragungen programmiert werden, die vom System auf ihre Einhaltung überprüft und angestoßen werden. Setzen immobilienwirtschaftliche Beratungshäuser künftig auf Künstliche Intelligenz statt auf Rechtsanwälte?

Viele Beratungshäuser setzen sich intensiv mit Künstlicher Intelligenz auseinander und prüfen, wie sie die Vorteile neuer Technologien nutzen können. Je aufwändiger und komplexer ein Immobiliengeschäft ist, desto wichtiger werden intensive persönliche Beratungsleistungen und Gespräche, langjährige Erfahrung, Reputation und Expertise. Rechtsanwälte und Notare handeln nach hohen Prüfstandards und setzen der Technologie auch durch ihre gestalterische Rolle bei der Vertragsentwicklung Grenzen.

Auf absehbare Zeit wird kein Programmcode alle Eventualitäten einer hochkomplexen Portfoliotransaktion in einem Smart Contract bündeln und ohne menschlichen Zugriff automatisieren können. Spätestens an diesem Punkt sind spezialisierte Intermediäre wie Juristen unverzichtbar, die auf den konkreten Fall individuell zugeschnittene Lösungen erarbeiten. Wir setzen daher weiter auf die Unterstützung und Absicherung durch Rechtsanwälte. Künstliche Intelligenz werden wir eher nutzen, um Prozesse weiterzuentwickeln.

Zur Person:

Guido Nabben ist Sprecher von German Property Partners (GPP), einem deutschlandweiten Netzwerk von Gewerbe-Immobiliendienstleistern. Hierzu gehören Grossmann & Berger, Anteon Immobilien, Greif & Contzen Immobilien, Blackolive und E & G Real Estate. 2017 vermittelten die Partner deutschlandweit rund 525.000 Quadratmeter Gewerbefläche und betreuten ein Transaktionsvolumen in Höhe von rund 2,05 Milliarden Euro.

Für weitere Informationen stehen die Partner auf der Expo Real in Halle A2, Stand 311 zur Verfügung.

Lesen Sie auch:

Digitale Disruption: Maklerkonkurrenz im Netz