Digitalisierung: Weiterbildung für die Immobilienbranche

Schulungen, Lehrgänge und Seminare machen die Immobilienbranche fit für die digitale Transformation. Doch welches Angebot ist für wen das richtige? Ein Wegweiser durch die vielfältigen Möglichkeiten.

Auf dem Markt gibt es inzwischen jede Menge auf die Branche zugeschnittene Lehrgänge, Seminare, Inhouse-Trainings und Kurzzeit-Studiengänge, die nicht nur Führungskräften die nötigen digitalen Softskills vermitteln, sondern dabei helfen sollen, nach und nach die komplette Belegschaft mit der digitalen Denkweise auszustatten.

"Die Nachfrage nach Weiterbildungsangeboten rund um das Thema Digitalisierung ist in der Vergangenheit stark gestiegen." Rüdiger Grebe, Leiter des Europäischen Bildungszentrums der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft (EBZ), Bochum

Die EBZ hat sein Angebot der Nachfrage angepasst und es auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der Unternehmen zugeschnitten. Das Seminar "Azubi Digital – Digitalisierungskompetenzen für Auszubildende" startet mit dem Ausbau der digitalen Fähigkeiten angehender Fachkräfte. Darüber hinaus werden Seminare zu konkreten Digitalisierungsthemen wie "Digitale Gebäudeüberwachung", "Digitale Mieterkommunikation", "EU-Datenschutzgrundverordnung in der Praxis" bis hin zu einem dreimonatigen Qualifizierungsprogramm zum "Digitalisierungsmanager in der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft" angeboten.

Bei Letzterem soll es nicht nur um Digitalisierungskompetenzen an sich gehen, sondern vor allem auch um die Fähigkeit, die Unternehmenskultur zu ändern und zu entwickeln, Akzeptanz bei den Mitarbeitern zu schaffen und Projekte erfolgreich zu steuern. Die Kosten belaufen sich auf 1.200 Euro.

Rüdiger Grebe
"Die Nachfrage nach Weiterbildungsangeboten rund um das Thema Digitalisierung ist in der Vergangenheit stark gestiegen." Rüdiger Grebe, EBZ

In 350 Stunden werden Mitarbeiter zum Digitalisierungsmanager

Auch die Deutsche Immobilien Akademie (DIA), Kooperationspartner der Universität Freiburg, hat die berufsbegleitende Weiterbildung zum "Digitalisierungsmanager" im Portfolio. Der Arbeitsaufwand umfasst hier 350 Stunden, sechs zusammenhängende Schulungstage für die Präsenzveranstaltung müssen in Freiburg eingeplant werden. Zum Stoffplan gehören Themen wie "Digitalisierung und Social Media", "Digitale Selbstverteidigung und Krisenkommunikation", "Personalmanagement im digitalen Zeitalter – Erfolgreiche Strategien und Kompetenzen entwickeln", "Recht behalten im digitalen Datenchaos – Grundlagen des Internet- und Datenschutzrechts", "Analysetools für Ihre Digitalisierungsstrategie", "Organisation und -Prozessoptimierung in der digitalen Welt", "Best Practice in den Bereichen Maklerwesen" sowie "Immobilienverwaltung und -bewertung".

An Kosten fallen 250 Euro Einschreibegebühr und 2.650 Euro Hörergebühr an. Bei Firmenanmeldungen ab drei Personen erhalten die Teilnehmer zehn Prozent Rabatt.

Peter Graf
"Der Transformationsprozess kann vom Digitalisierungsmanager in aller Regel nur begleitet, nicht jedoch im Alleingang verantwortet sein." Peter Graf, DIA

Überzeugungsarbeit im Unternehmen größte Herausforderung für Digitalisierungsmanager

Die Überzeugungsarbeit im eigenen Unternehmen sei dann für Digitalisierungsmanager nach ihrer Weiterbildung die größte Herausforderung, erzählt Peter Graf, Geschäftsführer der DIA. "Junge Kolleginnen und Kollegen sind begeistert und problemlos einbindbar. Ältere blockieren oft oder sind ablehnend", sagt Peter Graf, Geschäftsführer der DIA. Die entsprechenden Rahmenbedingungen müssten in der Firma vorhanden sein oder erst geschaffen werden.

"Der Wille, die Digitalisierung einzuführen, muss von der Firmenspitze getragen werden beziehungsweise als Ziel- und Marktstrategie bekannt sein. Wenn diese Unterstützung fehlt, wird eine Umsetzung nicht möglich sein." DIA-Geschäftsführer Peter Graf

Schließlich müssten auch entsprechende finanzielle Mittel bereitgestellt werden. "Der Transformationsprozess kann vom Digitalisierungsmanager in aller Regel nur begleitet, nicht jedoch im Alleingang verantwortet sein", so Graf.

Ähnlich sieht es auch Prof. Dr. Tobias Just, Geschäftsführer und wissenschaftlicher Leiter der IREBS Immobilienakademie, an der das Intensivstudium "Digital Real Estate Management" angeboten wird.

"Ein einziger Digital Real Estate Manager erreicht nichts, wenn alle anderen ihn nur als Dekoration benutzen." Prof. Dr. Tobias Just, IREBS-Geschäftsführer 

Im Fokus des IREBS-Intensivstudiums stehen Mitglieder des Managements, die Verantwortung für die Adjustierung von Geschäftsmodellen in Zeiten der Digitalisierung tragen. Außerdem ist der Intensivstudiengang für Projektgruppenleiter und -mitglieder interessant, die die operative Umsetzung der digitalen Prozessoptimierung gestalten. Die Kosten des Programms betragen 6.450 Euro für 13 Präsenztage. 

Tobias Just
"Es geht nicht darum, eine EDV-Abteilung zu gründen, sondern darum, sich mit der Digitalisierung strukturiert zu beschäftigen." Prof. Dr. Tobias Just, IREBS

Zum "Digital Transformation Leader" kann man sich auch beim ISLC – Institut für Sustainable Leadership & Change in Zusammenarbeit mit der Hochschule Fresenius während eines dreitägigen Trainings in München ausbilden lassen. Die Teilnehmer sollten dabei für ihr Unternehmen einen ersten groben Masterplan für die digitale Transformation entwickeln, Tools zur digitalen Geschäftsmodellentwicklung erlernen und individuelle Themen- und Fragestellungen mit Experten und anderen Teilnehmern diskutieren. Das Besondere an diesem Training für 1.990 Euro ist, dass anschließend ein digitaler Coach die Absolventen sechs Monate bei der Umsetzung im Arbeitsalltag begleitet und sie bei der Transferleistung unterstützt.

Von halbtägigen Veranstaltungen bis zu Kurzzeitstudiengängen

Doch auch kurze, kostengünstige Seminare können dabei helfen, die Digitalisierung in Immobilien- und Wohnungsunternehmen voranzutreiben. Die BBA – Akademie der Immobilienwirtschaft e.V. in Berlin bietet halbtägige Veranstaltungen zu Themen wie "Cyber-Risiken der Digitalisierung erkennen, managen und minimieren" oder "Software – Einsatz, Auswahl und Umstellung speziell in Wohnungs- und Immobilienunternehmen“ zum Preis von jeweils 300 Euro für Mitglieder des Vereins und 360 Euro für Nichtmitglieder an. Das Seminar "Das digitale Abc nicht nur für ältere Arbeitnehmer" dauert zwei Tage und kostet 550 Euro für BBA-Mitglieder oder 660 Euro für Nichtmitglieder.

Die VÖB-Service GmbH, Dienstleister der Kredit- und Immobilienwirtschaft, bietet ebenfalls eintägige Veranstaltungen an, zum Beispiel das Seminar "Digitale Transformation in der Immobilienwirtschaft: Veränderungen des Immobilienmarktes und Auswirkungen sowie Herausforderungen für die Immobilienbewertung", das in Frankfurt am Main oder individuell als Inhouse- Seminar in der eigenen Firma stattfinden kann. Im Fokus steht unter anderem das Thema "Digitalisierte Immobilienbewertung: Status quo und Herausforderungen in der Umsetzung von digitalen Bewertungsprozessen". Die Kosten liegen bei 820 Euro.

Inhouse-Seminare zu Digitalisierungsthemen finden Immobilienunternehmen auch beim Management Circle. Das Seminar "Der Digital Real Estate Manager: Facts, Tools und Skills – so digitalisieren Sie Ihr Immobilienmanagement" richtet sich an Manager, Abteilungs- und Projektleiter aus den Bereichen (Corporate) Real Estate Management, Portfolio und Fonds Management, Asset, Property und Facility Management, Immobilienmanager, -verwalter, -fachwirte und -ökonomen, Makler, Sachverständige und Gutachter. Die Preise sind abhängig von der Gruppengröße.

Digitale Transformation: strategisch eine Top-Managementaufgabe

Die Vielfalt der Angebote ist groß. Doch nicht alle Lehrbeauftragten bringen genügend Expertise mit, viele seien Autodidakten, meint Prof. Dr. Hanspeter Gondring, der an der DHBW Stuttgart die Studiengänge Immobilienwirtschaft, Versicherung und Finanzdienstleistung leitet. "Wir haben kaum einen Markt für geeignete Dozenten", sagt er. Deshalb zögere man an der DHBW noch, entsprechende Seminare und Studien anzubieten.

Außerdem findet der Immobilienexperte den Begriff "Digital Real Estate Manager" oder "Digitalisierungsmanager" verfehlt, wenn die Person nicht dem Top-Management angehört, sondern in den meisten Fällen "nur ein Digitalisierungsbeauftragter ist", so Gondring. Die digitale Transformation eines Immobilienunternehmens sei strategisch eine Top-Managementaufgabe, die operativ von einem Projektteam umgesetzt werden kann, besetzt idealerweise mit Young Professionals, die eine solide betriebs- oder immobilienwirtschaftliche Ausbildung haben, über Kenntnis der Organisations- und Prozesstheorie verfügen, Praxis vorweisen können und sich in drei- bis sechswöchigen Ausbildungsgängen das digitale Grundwissen aneignen können. Ein Pilotprojekt mit dieser Zielrichtung läuft an der DHBW Stuttgart.


Der vollständige Artikel erschien im Magazin "Immobilienwirtschaft", Ausgabe 04/2019


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