In Österreich haben sich Unternehmen der Bau- und Immobilienwirtschaft zusammengeschlossen, um gemeinsam mit technologieaffinen Startups Prototypen für die digitale Planung, die Errichtung, Finanzierung und den Betrieb von Gebäuden zu entwickeln. Damit wollen sie innovative Technologien in der Branche voranbringen.

Hintergrund für die Aktivität ist für den neu gegründeten DBS-Club (Digital Building Solutions), dass die Bau- und Immobilienbranche „weltweites Schlusslicht bei Arbeitsproduktivität, Digitalisierung und Innovation“ ist. Das möchte die Initiative ändern: Aktuelle Entwicklungen in Bereichen wie Künstliche Intelligenz, Internet of Things, Blockchain oder Materialwirtschaft seien der Anlass dafür, bestehende Prozesse zu hinterfragen und gemeinsam innovative Lösungen für die Branche zu entwickeln.

Unternehmen, Institutionen und Startups arbeiten zusammen

Im DBS-Club arbeiten Großunternehmen, Institutionen, Startups und technologieaffine Experten zusammen. Mit dabei ist unter anderem die Buwog Group, die zu knapp 75 Prozent zum deutschen Wohnungsriesen Vonovia gehört. Der DBS-Club ist aus der IG Lebenszyklus Bau hervorgegangen, die mehr als 70 Unternehmen und Institutionen der Bau- und Immobilienwirtschaft Österreichs umfasst. Der 2012 gegründete Verein unterstützt Bauherren bei der Planung, Errichtung, Finanzierung und Bewirtschaftung von ganzheitlich optimierten, auf den Lebenszyklus ausgerichteten Bauwerken.

In einem gemeinsamen Workshop haben die Mitglieder des DBS-Clubs definiert, wo die derzeitigen Brennpunkte und größten Potenziale im Hinblick auf die Digitalisierung von Prozessen in der Bau- und Immobilienbranche liegen. Diese bilden sich thematisch in vier Streams ab.

Konzepte werden gemeinsam getestet

Die erarbeiteten Konzepte sollen am 3. Oktober in Aspern im Rahmen des DBS Future Demo Days getestet werden.

"Ziel ist es, Prototypen im Sinne von Konzepten zu generieren, die greifbar und sofort erfassbar die entwickelte Lösung transportieren." Karl Friedl, Sprecher der IG Lebenszyklus Bau und Mitinitiator des Clubs

Der erste Stream dreht sich rund um das Thema Digitaler Zwilling von Gebäuden und inkludiert IOT und Machine Learning im Rahmen von Bauprozessen. Stream zwei fokussiert sich auf ein Konzept für eine Entwicklungsplattform über den Gebäudelebenszyklus hinweg unter Beteiligung der Blockchain-Technologie (Smart Contracts). Der dritte Stream beschäftigt sich mit digitalen Gebäude- und Anlageinformationen für die Bereiche Altbestand und Sanierung. Und im vierten Stream schließlich setzen sich die Unternehmen mit den kulturellen und strukturellen Voraussetzungen für erfolgreiche Immobilienprojekte in einer digitalisierten Welt auseinander.

Erste Praxistests der Ideen geplant

Nach diesem Tag soll feststehen, ob die Unternehmen mit diesen Konzepten in die nächste Phase gehen und eventuell “minimal marktfähige Produkte" oder Services weiterentwickeln - sogenannte MVPs (Minimum Viable Products), mit denen echte Markterfahrungen gesammelt werden können. Auch 2019 soll es weitere Plattformen für die teilnehmenden Unternehmen geben, die sie für die Weiterentwicklung der entwickelten Konzepte nutzen können.

In Deutschland gibt es seit 2016 die German PropTech Initiative

In Deutschland vernetzt seit 2016 die German PropTech Initiative (GPTI) Gründer und Unternehmer der digitalen Immobilienwirtschaft. Ziel ist es, Interessen gemeinsam zu vertreten und die Digitalisierung der Branche voranzutreiben. Der neue DBS-Club aus Österreich sei der GPTI bekannt, eine Zusammenarbeit gebe es aktuell aber nicht, erklärt GPTI-Vorsitzender Alexander Ubach-Utermöhl. Aber die GPTI stehe in regelmäßigem Dialog mit der APTI in Österreich, deren Gründung sie 2016 initiiert hat und die sich die Vernetzung von PropTech-Unternehmern in Österreich zum Ziel gemacht hat. Darüber hinaus finde ein reger Austausch mit anderen europäischen Initiativen wie Nordic PropTech Initiative, Russia PropTech, SwissPropTech, Real Estech, Holland Contech & PropTech und PropTechNL sowie im asiatischen Raum mit AsiaPropTech statt. 

„Als GPTI ist unsere Arbeit nicht auf Deutschland beschränkt. Wir suchen die Zusammenarbeit mit ähnlichen Initiativen in Europa und Asien ganz gezielt. Digitalisierung ist ein globales Phänomen, das nicht an Landesgrenzen stoppt. Und so offen gestalten wir auch unseren Austausch und unsere Partnerschaften.“ Alexander Ubach-Utermöhl, Vorsitzender der GPTI

 

 

 

 

 

Schlagworte zum Thema:  Digitalisierung, Blockchain, Startup