Immer mehr Unternehmen der Immobilienwirtschaft investieren einen signifikanten Anteil ihres Jahresumsatzes in Maßnahmen zur Umsetzung einer eigenen Digitalisierungsstrategie, so die dritte Digitalisierungsstudie des ZIA Zentraler Immobilien Ausschuss, Spitzenverband der Immobilienwirtschaft, und EY Real Estate. Doch entspricht das auch dem Bedarf der Endnutzer? Antworten aus unterschiedlichen Perspektiven gaben die Teilnehmer einer Diskussionsrunde.

"Als Arbeitgeber ist es von Vorteil, wenn die Digitalisierung aktiv genutzt wird, um junge High Potentials für das Unternehmen zu begeistern", berichtete Brigitte Walter, Executive Board Member der Real I.S. AG.

"Nicht nur in Neubauten, sondern auch in Bestandsgebäuden lässt sich mit intelligenten Beleuchtungssystemen viel bewirken", so die Erfahrung von Andreas Rindt, Head of Customer Satisfaction and Governmental Affairs der Signify Gesellschaft.

"Die Generierung von Daten im Rahmen intelligenter Gebäude ist für mich als Nutzer nur dann interessant, wenn ich diese auch selbst einsetzen kann", gab Gerald Kremer, Chief Digital Officer Global Real Estate der Credit Suisse, zu bedenken.

"Letztendlich geht es bei der Digitalisierung um höhere Qualität und mehr Effizienz, also um mehr und bessere Leistung bei gleichen oder weniger Kosten, sowohl für die Kunden als auch für die Dienstleister", stellte Jochen Keysberg, CEO der Apleona, fest.

Offene Ökosysteme als Strategie

"Daten sind der Wert der Zukunft. Die Immobilienwirtschaft befindet sich allerdings noch in einem frühen Stadium der Digitalisierung", sagte Stefan Lutz, CEO von IBM. Aus anderen Branchen ließen sich jedoch schon mögliche Applikationen ablesen. "Die Akteure sind gut beraten, mehr Offenheit zu zeigen und die Scheuklappen abzulegen, um einen Value für alle zu generieren", so seine Empfehlung.

"Wir müssen endlich die Datensilos aufbrechen. Wir benötigen offene Ökosysteme und eine deutlich stärkere Zusammenarbeit, sonst werden die vertikalen Systeme weiterbestehen", pflichtete ihm Kremer bei.

"Zeit zum Durchatmen bleibt nicht. Zwar wird vermehrt in Blockchain, Robotics und Intelligenz investiert, sichtbar werden die Fortschritte aber bislang eher in teilautomatisierten Prozessen etwa in der Beleg- und Anfragenbearbeitung und der Immobilienbewertung", sagte Christian Schulz-Wulkow, Leiter des Immobiliensektors bei EY in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Digitalisierung sei nicht einfach das Ersetzen bisheriger analoger Prozesse durch digitale, sondern neue Prozesse und Geschäftsmodelle als Teil der Gesamtausrichtung von Unternehmen. Zwar gestalteten sich die Einschätzungen der Unternehmen zum eigenen digitalen Wandel zunehmend realistisch, dennoch mangele es häufig an einer übergreifenden Digitalisierungsstrategie. "Fehlende personelle Ressourcen sind nach wie vor die größte Herausforderung im Bereich Digitalisierung", so Rodeck.

Nutzer äußern veränderte Anforderungen

"Für viele immobilienwirtschaftliche Unternehmen hat das Smart Office große Überschneidungen zum Smart Home. Der Hauptaspekt ist dabei hochwertige Konnektivität", so Lutz.

"Die Ansprüche der Nutzer verändern sich. Offen gestaltete Bürolösungen mit Telefonkabinen, Kreativ- und Allgemeinräumen und freier Arbeitsplatzwahl sind insbesondere bei jüngeren Mitarbeitern gefragt", ist Walters Erfahrung. Die aktuelle Flächenknappheit und der Wunsch nach Flexibilität äußerten sich auch im Coworking-Trend.

"Wir dürfen bei allen Bemühungen nicht den Nutzer unserer Assets aus dem Blick verlieren. Nur weil Dinge heute schon möglich sind, heißt es nicht, dass die auch nachgefragt werden. Für Büronutzer ist Digitalisierung ebenso ein Lernprozess wie für Bürovermieter", meinte Rodeck. Die Immobilienwirtschaft setze dabei vor allem auf Erleichterung durch digitale Technologien.

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