Digitales Marketing ist mehr als traditionelles Marketing. Der große Unterschied ist, dass durch die mediale Proliferation immer mehr Inhalte verfügbar gemacht werden. Wie Immobilienunternehmen den besten Nutzen aus ihrer Vermarktung in den elektronischen Medien ziehen und mit welchen Tipps sie digitales Marketing erfolgreich machen können, erläutert unser Experte Viktor Weber im vierten Teil unserer Serie "Real Estate Innovation Glossar".

Heutzutage nutzen fast 3,5 Milliarden Menschen das Internet, und Projekte wie Internet.org arbeiten daran, dieses Instrument für Jedermann verfügbar zu machen (N.A., 2016, „Number of internet users worldwide from 2005 to 2016 (in millions)”, Statista). Im Oktober 2016 kamen 51,3 Prozent des gesamten Online-Traffics über Smartphone oder Tablet, sodass das mobile Internet erstmalig den konventionellen Desktop überholt hat (Etherington, 2016, „Mobile internet use passes desktop for the first time, study finds”, Techcrunch).

Daher verwundert es wenig, dass die Ausgaben für digitales Marketing im Jahr 2016 bei knapp 200 Milliarden US-Dollar lagen und bereits im Jahr 2018 die 250 Milliarden US-Dollar Hürde nehmen werden (N.A., 2016, „Digital advertising spending worldwide from 2012 to 2018 (in billion U.S. dollars)”, Statista).

Digitales Marketing ist somit nicht mehr wegzudenken und öffnet die Tür für globale, personalisierte und kosteneffiziente Marketingstrategien, sei es im B2B oder B2C Bereich.

Was ist Digitales Marketing?

Digitales Marketing ist Kommunikation über Lösungen und Marken in einem elektronischen Medium. Digitales Marketing unterscheidet sich vom traditionellen Marketing, indem es Kommunikationskanäle und Methoden nutzt, die es einer Entität erlauben, die eigenen Marketingkampagnen detailliert zu analysieren und zu verstehen (N.A., 2016, „What is it – and why it matters“, SAS).

Digitales Marketing umfasst somit alle digitalen Kanäle, von Internet bis Werbung in einem offline laufenden Virtual Reality Spiel oder als Reklame in einem TV Spot. Je nach Definition wird selbst eine programmierbare Leuchtreklame als digitales Marketinginstrument bezeichnet.

Mit dem Digitalen Marketing zusammenhängend sind auch die Begriffe des Dialogmarketing, Online- oder E-Marketing, Relationship Marketing und Network Marketing (Piercy/Rich, 2004, „Strategic marketing and operations relationships: the case of the lean enterprise“, Journal of Strategic Marketing, 12, S. 145 ff).

Es ist somit eine ganzheitliche Definition, wobei das Hauptaugenmerk meist auf dem digitalen Online Marketing liegt. Der Grund hierfür ist, dass man das Internet mit seinen verschiedenen Marketingkanälen extrem kosteneffizient und effektiv nutzen kann.

Was bedeutet das für Ihr Unternehmen?

Forschungsarbeiten (Lafuente/Guzman-Parra, 2013, “Key factors of entrepreneurial success”, Management Decisions, 51 (10), S. 1932 ff) sowie Morrish (Morrish, 2011, “Entrepreneurial Marketing: a strategy for the twenty-first century?”, Journal of Research in Marketing and Entrepreneurship, 13 (2), S. 110 ff) haben gezeigt, dass ein signifikanter Parameter zum Unternehmenserfolg das Marketing ist.

Gutes Marketing steigert also den prognostizierten Unternehmenserfolg beziehungsweise die Wahrscheinlichkeit als Startup zu überleben. Der gravierendste Unterschied zum früheren Offline Marketing ist, dass durch die mediale Proliferation mehr und mehr Inhalte verfügbar gemacht werden. Jeden Tag entstehen unzählige Werbebotschaften. Wo früher noch eine Push-Strategie (nicht personalisierte Frontalwerbung) gut funktioniert hat, will der Rezipient heute mehr. Der Konsument entwickelte sich durch Social Media zum Prosumenten, sodass heute Kunden selbst Testimonials erstellen, Kritiken und Reefrenzen schreiben, bloggen oder Empfehlungen aussprechen.

Im Schnitt konsumierte der durchschnittliche Erwachsene in den USA im Jahr 2015 fünfeinhalb Stunden digitale Inhalte, was aufzeigt, wie wichtig die kundengerechte Ansprache geworden ist. (Chaffey, 2016, „Mobile Marketing Statistics“, Smart Insights).

Die Website, das kleinste Gefüge in der Welt des Digitalen Marketings, ist heute die immaterielle Visitenkarte. Es gibt unzählige Social-Media-Kanäle, Blogs, Content Strategien, Online Werbung, Suchmaschinenoptimierung, Gamification, E-Customer Relationship Management, Analytics und weitere Tools beziehungsweise Konzepte, die ein Immobilienunternehmen nutzen kann.

Tipps für die Digitale Strategie

  1. Analysieren und verstehen Sie Ihr bisheriges Marketingkonzept. Beantworten Sie also unternehmensintern die folgenden beiden Fragen: „Welche Marketingstrategie oder welches Instrument hatte den höchsten Return on Marketing Investment?“ und „Welche Strategie hat überhaupt nicht funktioniert?“
  2. Darauf aufbauend können Sie neue Ideen und Konzepte oder Kombinationen verschiedener Instrumente ausarbeiten, die Sie testen sollten, bevor Sie sich auf eine Strategie festlegen. Grundsätzlich sollten Sie sich niemals auf nur eine Strategie versteifen, denn die Vorlieben Ihrer Prosumenten ändern sich. Überraschen Sie also Ihre Zielgruppe mit spannenden Inhalten!
  3. Enorm wichtig im Kontext von Digitalem Marketing sind die Daten, die Ihnen helfen können, Ihre Marketingaktivitäten und Kunden zu verstehen (Karim/Kazi, 2013, „A methodology for effective implementation of lean strategies and its performance evaluation in manufacturing organisations“, Business Process Management Journal, 19 (1), S. 169 ff). Integrieren Sie also stets Feedback Ihrer Zielgruppe, beobachten Sie erfolgreiche Konzepte Ihrer Konkurrenz, aber auch branchenfremde Trends und analysieren Sie Ihre eigenen Daten, um Ihr Konzept iterativ zu optimieren (Ries, 2011, The Lean Startup. 1ed. London: Penguin).
  4. Digitales Marketing sollte nicht Nebensache sein, sondern es müssen klare Strukturen, Verantwortungen und ein digitaler Code of Conduct vorhanden sein (Browaeys/Fisser, 2012, „Lean and agile: an epistemological reflection“, The Lean Organization, 19 (3), S. 207 ff). Ein Code of Conduct ist eine Art Verhaltensprotokoll für alle Mitarbeiter, wie man sich im Fall von negativen Kommentaren in den Sozialen Medien verhält, etwa um eine Situation zu deeskalieren, oder wie man sich in B2B-Netzwerken wie LinkedIn oder Xing verhalten sollte, um eine Marke optimal zu repräsentieren. Sie müssen es schaffen, eine Balance aus Kontrolle und flacher Hierarchie zu erzeugen, um kreative Ideen zu ermöglichen und Eigenverantwortung zu fördern.
  5. Seien Sie kreativ und versuchen Sie sich in Ihre Kunden hineinzuversetzen.
  6. Konzentrieren Sie sich auf gut funktionierende Marketinginstrumente mit einem hohen Return on Marketing Investment und versuchen Sie diese schrittweise zu verbessern.

Digitales Marketing – Chancen über Chancen

Das Internet hat eine exponentielle Reichweite ermöglicht und macht ihre Unternehmenskommunikation nicht nur transparenter, kundenbezogener, spannender und schneller, sondern auch kostengünstiger und effizienter.

Digitales Marketing ist jedoch kein Erfolgsgarant und erfordert ein komplexes Zusammenspiel aus relevanten Inhalten, quantitativer Datenanalyse, Interaktion mit Kunden sowie der Auswahl passender Kanäle und Strategien.

Wagen Sie sich heran und nutzen Sie Ihre Chance für effizientes Unternehmenswachstum.

(Autor: Viktor Weber, Future Real Estate Institute)

Alle weiteren Teile der Serie finden Sie hier:

Real Estate Innovation Glossar – Einleitung: Begriffe, die die Zukunft der Immobilienwirtschaft prägen werden

Real Estate Innovation Glossar – Teil 1: Was ist Innovation?

Real Estate Innovation Glossar - Teil 2: Wie funktioniert Innovationsmanagement in der Immobilienwirtschaft?

Real Estate Innovation Glossar - Teil 3: Was verbirgt sich hinter dem Begriff "Digitalisierung" wirklich?

Real Estate Innovation Glossar - Teil 5: Smart Home – Willkommen in der Zukunft

Real Estate Innovation Glossar - Teil 6: Smart City – die vernetzte Stadt

Real Estate Innovation Glossar - Teil 7: Was ist CREtech?

Real Estate Innovation Glossar -Teil 8: Building Information Modelling in der Praxis

Real Estate Innovation Glossar - Teil 9: Einsatzbereiche von Augmented Reality in der Immobilienbranche

Real Estate Innovation Glossar - Teil 10: Virtual Reality​​​​​​​

Real Estate Innovation Glossar - Teil 12: Robotik – nicht nur in der Bauwirtschaft

Real Estate Innovation Glossar - Teil 13: Kryptowährungen – mehr als nur Bitcoins

Real Estate Innovation Glossar - Teil 14: Welches Potenzial haben Smart Contracts?

Real Estate Innovation Glossar - Teil 15: Bewohnbare Häuser aus dem 3D-Druck sind nur der Anfang

Real Estate Innovation Glossar - Teil 16: Wann ist Smart Metering sinnvoll?

Real Estate Innovation Glossar - Teil 17: Cloud Computing im Fokus der Immobilienfirmen

Real Estate Innovation Glossar - Teil 18: Internet of Things – eine kritische Betrachtung

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