Die Immobilienbranche schaut gespannt auf die Politik

Der Immobiliensektor brummt. Und es gab Marktteilnehmer auf der Mipim 2019, die prophezeiten, dass es hierzulande noch Jahre so weiter gehen wird. Skepsis kam aus der Wohnungswirtschaft, das Thema Enteignung war omnipräsent. Eine Nachlese zu Stimmung, Trends, Projekten und Deals.

Das Wohlergehen des Immobiliensektors hängt immer an innen- und außenpolitischen Rahmenbedingungen. Kein Wunder also, dass auf der Mipim auch die politische Lage in Deutschland auf der Agenda stand.

Vonovia-Chef Rolf Buch und Aurelis-Geschäftsführer Joachim Wieland etwa monierten, dass es hierzulande kaum noch Politiker gebe, die Leitlinien einer sozialen Marktwirtschaft vertreten. Man traue sich nicht mehr, offen für Unternehmerinteressen einzutreten.

Moody’s droht Berlins Kreditwürdigkeit herunterzustufen

Auf der Messe machte die Meldung die Runde, dass die Ratingagentur Moody’s Berlins Kreditwürdigkeit herunterzustufen drohe, sollte der Berliner Senat Wohnungsenteignungen zustimmen.

So gab es am Berlin-Stand neben dem gewohnten Optimismus eine etwas gedrückte Stimmung. Kaum ein Gespräch kam ohne die Schlagworte "Bürgerproteste" oder "Bürgerbeteiligung" aus. Die Berliner Initiative "Deutsche Wohnen & Co. enteignen" war als Schreckgespenst allgegenwärtig, die Meinung zum Thema Enteignung erwartbar einhellig.

Städte stellen ihre Vorzeige-Projekte vor

Hamburg präsentierte sein Projekt Science City Bahrenfeld sowie die geplanten und bereits realisierten Projekte entlang der beiden Wasserläufe Elbe und Bille. Allen voran wächst die Hafencity mit einer intensiven Nutzungsmischung und vielen integrierten Projekten ihrer Vollendung entgegen.

Auch Frankfurt am Main boomt. Es gibt dort viele Immobilienprojekte, doch man fokussierte sich auf den Wiederaufbau der Frankfurter Altstadt. Das DomRömer-Projekt gewann denn auch einen der begehrten Mipim Awards.

Speed-Dating am NRW-Stand: Digitalisierung im Mittelpunkt

Zum Speed-Dating zwischen Kommunen und Journalisten hatte der Stand der landeseigenen Wirtschaftsförderungsgesellschaft NRW-Invest geladen. Hier war Digitalisierung ein großes Thema.

Zwar sind die Städte unterschiedlich weit, aber alle auf dem Weg ins digitale Zeitalter; besonders Bonn (etwa mit seiner City App zum Smart Parking), Düsseldorf (das seine Digitalisierungspläne bis 2025 vorstellte) und Bochum (mit verschiedenen Projekten in Kooperation mit dem Energievertreiber innogy) tun sich hier hervor. Essen will wissensbasierte Industriezweige ansiedeln, Duisburg ist schon weit beim Thema digitale Bauakte und Köln plant mit dem avisierten Stadtteil Kreuzfeld einen Piloten für die Smart City.

Kernthema "Nachhaltige Stadtentwicklung"

Der Wirtschaftsstandort Nürnberg präsentierte sich mit verschiedenen Projekten, unter anderem zum Thema nachhaltige Stadtentwicklung. Auch Logistik war auf dem Stand ein großes Thema.

Nachhaltige Stadtentwicklung war auch eines der Kernthemen der Metropolregion Rhein-Neckar, die dazu eine Podiumsdiskussion veranstaltete. Vorgestellt wurde etwa ein zukunftsweisendes Vorhaben im Bereich Green-City-Logistik in Mannheim: Von einem Mikro-Paketlager soll die Innenstadt mit E-Lastenfahrrädern beliefert werden.

Von modularem Bauen bis zu Wohntürmen: Lösungsansätze gegen Wohnraummangel

Eifrig diskutiert wurde das Thema Wohnungspolitik, wobei sich die Lösungsansätze gegen den Wohnraummangel unterscheiden. Während etwa das Unternehmen Semodu auf serielles und modulares Bauen setzt, schließen sich laut Reinhold Knodel, Geschäftsführer der Pandion AG, einem der größten deutschen Wohnentwickler, der seit 2014 auch im Gewerbesegment tätig ist, achitektonische Qualität und serielles Bauen aus.

Knodel hielt ein Plädoyer für Wohntürme. Diese seien allerdings für ihn nur im Luxussegment interessant, zum einen wegen der höheren Baukosten, zum anderen um die Fehler der 1960er und 1970er Jahre mit gesichtslosen, anonymen Wohnanlagen zu vermeiden. Barrierefreiheit sei ein völlig überbewertetes Thema. Gerade die Auflagen für Barrierefreiheit bremsten den Wohnbau.

Co-Living und Serviced Apartments: Konzepte der Zukunft

Die Medici Living Group, einer der führenden Co-Living-Anbieter, der vor allem hochmobile, digitalaffine Millenials im Blick hat, geht andere Wege. Für die Zukunft könnte sich Gunther Schmidt, Gründer und CEO des Unternehmens, vorstellen, auch professionelle Groß-WGs für junge Familien oder ältere Menschen einzurichten.

Ein weiterer Trend sind Serviced Apartments, der bislang vom Hotelbereich bespielt wird. Die Klientel ist anspruchsvoll. Laut Andreas Ewald, Geschäftsführender Gesellschafter der Engel & Völkers Hotel Consulting, seien aber auch Konzepte für eine Kundschaft mit weniger Budget, beispielsweise Monteure, in der Pipeline.

Rendite und Risiko: Die Provinz birgt so manchen Schatz

Unter den deutschen Immobilienunternehmen zogen sich einige Themen wie ein roter Faden durch die Pressegespräche: Weil in vielen A-Standorten die Immobilienpreise neue Rekordhöhen erreicht haben, fällt die Rendite dort vergleichsweise bescheiden aus. Als Hoffnungsträger gelten B-Städte, ja sogar von C- oder gar D-Standorten war häufig die Rede. Hier gilt es, abhängig von den Assetklassen, die "fruchtbarsten" Lagen aufzutun. Die Provinz birgt noch so manchen Schatz.

Berlin Hyp: Bei B-Städten mit genauem Blick auf den Risikomix

Mipim 2019: Gero Bergmann, Berlin Hyp

Investment auch in den Nicht-Top-7-Städten hat sich beispielsweise die Berlin Hyp auf die Fahnen geschrieben. Vorstand Gero Bergmann sieht es als natürliches Marktgeschehen an, dass es auch in B-Städten häufiger Anfragen für Finanzierungen von Projekten über 100 Millionen Euro gibt. Doch schaut er dabei genau auf den Risikomix. "Solche Projekte sind grundsätzlich begleitbar", so Bergmann, "dann aber mit mehr Eigenkapital und einer höheren Vorvermietung." Intern stehe bei dem Finanzierer selbst die Digitalisierung der Kreditprozesse auf dem Plan.

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Instone: Ergebnisziel um 50 Prozent steigern

Mipim 2019: Kruno Crepulja, Instone

Gut gemanagt hat seine Wohnprojekte auch Entwickler Kruno Crepulja, CEO der Instone Real Estate Group AG (Instone). Instone plane Umsatzerlöse von 500 bis 550 Millionen Euro, "was eine 35-prozentige Steigerung gegenüber dem Vorjahr bedeutet. Wir planen zudem auf der Ergebnisseite mit 85 bis 100 Millionen Euro vor Zinsen und Steuern eine Steigerung um mehr als 50 Prozent".

Zum Video-Interview mit Kruno Crepulja, Instone

Drooms: Mit der dezentralen Datenhaltung aufräumen

Mipim 2019: Alexandre Grellier, Drooms

Die Assets möglichst komplett digitalisieren will Alexandre Grellier. Der CEO des Datenraumanbieters Drooms arbeitet bereits seit 17 Jahren auf diesem Feld. "Das betrifft zuallererst die Digitalisierung der Prozesse", so der Firmenlenker am Frankfurt-Stand. Mit dem Konzept des Digitalen Zwillings will er mit der in Immobilienfirmen verbreiteten dezentralen Datenhaltung endlich aufräumen. Mittels dieses Konzepts hat jeder Mitarbeiter rollengesteuert Zugriff auf die für ihn notwendigen Vorgänge. Zwecks Optimierung der Prozesse in diese Richtung gibt es für ihn nur die Einrichtung einer spezifischen Plattform.

Zum Video-Interview mit Alexandre Grellier, Drooms

Die nächsten Großdeals stehen in Frankfurt vor der Tür

Auch zwei interessante Deals wurden auf der Mipim angekündigt, beide betreffen Frankfurt am Main: Die Blackstone-Tochter Office First bereitet den Verkauf des "Squaire" vor. Die am Flughafen gelegene Büro- und Hotelimmobilie mit einer Gesamtmietfläche von 145.000 Quadratmetern soll einen Verkaufspreis von etwa 900 Millionen Euro einspielen. Mit der "Welle" ist eine weitere Frankfurter Immobilie auf dem Markt. Das Bürohaus nahe der Alten Oper war im Jahr 2012 von einem Joint Venture aus Axa und Norges erworben worden.

Nach der Mipim ist vor der Mipim: Der Veranstalter Reed Midem rüstet sich schon für die 31. Auflage, die vom 10. bis 13.3.2020 in Cannes stattfinden wird.


Der vollständige Artikel inklusive Interview mit John Moran, dem CEO von JLL Irland, zum Thema Brexit wird in der Zeitschrift "Immobilienwirtschaft", Ausgabe 04/2019 veröffentlicht.