Verleihung des DIA-Forschungspreises (v.l.n.r.): DIA-Geschäftsführer Peter Graf, Karin Schütz, Andreas Mense, Philipp Schäfer, IVD-Präsident Jürgen Michael Schick, Prof. Martin Haag, Baubürgermeister der Stadt Freiburg Bild: Gabriele Bobka

Der Forschungspreis der Deutschen Immobilien-Akademie (DIA) an der Universität Freiburg geht in diesem Jahr an zwei Preisträger. Dr. Andreas Mense wurde auf der Expo Real für seine Dissertation "The Value of Housing and the Environment: Local Goods, Uncertainty and Energy Efficiency" und Dr. Philipp Schäfer für seine Doktorarbeit "The impact of urban tourism on housing markets" ausgezeichnet. Der Preis ist mit 1.500 Euro dotiert.

"Die immobilienwirtschaftliche Forschung ist im Vergleich zu anderen Forschungsfeldern noch relativ jung", sagte Professor Marco Wölfle, Wissenschaftlicher Leiter des Center for Real Estate Studies, einem Gemeinschaftsinstitut von DIA und Steinbeis Hochschule Berlin.

Während sich viele Arbeiten an der Investorenperspektive orientierten und Themen aus Sicht der Immobiliennutzung weit weniger häufig im Fokus der deutschen Forschung stünden, zeichneten sich die beiden gekürten Dissertationen durch eine "erfreuliche Weiterentwicklung" aus, so Wölfle weiter. Denn sie stellten die Nutzerperspektive in den Mittelpunkt.

In Schäfers Arbeit komme zudem ein disziplinübergreifender Ansatz zum Tragen. Transferorientierte Forschung spiele gerade in der Immobilienwirtschaft eine bedeutende Rolle, da die Branche zum großen Teil aus klein- und mittelständischen Unternehmen ohne eigene Forschungsabteilungen bestehe. Der intensive Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis liefere die Basis für Innovationen.

Dissertation Philipp Schäfer

"Philipp Schäfer beschäftigt sich in seiner Dissertation mit Fragestellungen rund um das Thema touristische Attraktivität in Städten und den damit verbundenen Implikationen für Wohnungsmärkte", führte Wölfle aus. Die Arbeit sei als kumulative Dissertation konzipiert, die drei Hauptaufsätze seien jeweils gemeinsam mit einem anderen Autor verfasst worden.

  • Ein Beitrag analysiere beispielsweise den Umfang missbräuchlichen Verhaltens von Share-Plattformen am Beispiel von Airbnb-Vermietungen in Berlin. Er komme zu dem Ergebnis, dass der Umfang von Airbnb ökonomisch signifikant, die Konzentration der Angebote auf innerstädtische und angesagte Quartiere augenfällig und die Ballung von Missbrauchstatbeständen handlungsweisend sei.
  • Ein zweiter Artikel widme sich der Frage, welchen Einfluss touristische Attraktionen in Berlin auf die Miethöhe ausüben. Er zeige auf, dass es Attraktionen gebe, die positiven Einfluss auf die Mieten jener Wohnungen hätten, die in der Nähe lägen. Der Beitrag liefere einen Mehrwert zum Verständnis, was bei der Wohnungssuche für Menschen jenseits der Wohnungsmerkmale wichtig sei. Diese Erkenntnisse seien nicht nur für Makler, Investoren und Bauträger interessant, sondern auch für Wohnungspolitiker und die Ersteller von Mietspiegeln.
  • Das dritte Paper greife die Frage auf, ob es einen nachweisbaren Einfluss städtischer Attraktionen auf die Entscheidung junger Menschen bei der Wahl des Wohnungsortes gebe. Die Ergebnisse trügen dazu bei, das Prinzip der Schwarmstädte in harte Daten zu übertragen. Die Wanderungsneigung steige mit der Anzahl der Attraktionen am Zielort. "Im Fall einer Verschlechterung des Arbeitsmarktumfeldes kann es allerdings durchaus sein, dass junge Menschen harte Arbeitsmarktbelange wieder stärker gewichten", so Wölfle.

Die Arbeit überzeuge vor allem durch die statistische und ökonometrische Herangehensweise und die Verbindung unterschiedlicher Methoden bei der Datensammlung und Analyse.

Dissertation Andreas Mense

"Die Dissertation von Andreas Mense, die sich aus fünf Aufsätzen zusammensetzt, analysiert die Bewertung von Umweltgütern unter Unsicherheit sowie die Kapitalisierung von Energieeffizienz in Immobilienpreisen", führte Wölfle aus. Mense habe dabei ein theoretisches Modell entwickelt, das über den Standardansatz der hedonischen Preismessung hinaus auch die Kosten eines Ortswechsels und Unsicherheit berücksichtige.

  • "Der zweite Aufsatz beschäftigt sich am Beispiel des Berliner Flughafens mit den Auswirkungen von Fluglärm auf die Immobilienpreise", so Wölfle. Mense komme zu dem Ergebnis, dass die Veröffentlichung der geplanten Flugrouten maßgeblichen Einfluss auf die Erwartungen bezüglich des Lärmniveaus ausgeübt habe. Schon unmittelbar nach der Bekanntgabe sei eine deutliche Reduzierung der Immobilienpreise in den betroffenen Gebieten aufgetreten. Für Objekte in weniger als drei Kilometern direkter Entfernung zur Flugroute seien Wertminderungen von rund 9,6 Prozent festgestellt worden.
  • Im dritten Aufsatz entwickle Mense ein Instrument für die Schätzung lokaler Preiseffekte durch Mobilfunkmasten. Während Angebotspreise sänken, zeige sich bei Mieten kein Effekt.
  • In einem weiteren Aufsatz habe Mense die Unterschiede bei der Bewertung von Energieeffizienz zwischen Miet- und Eigentumswohnungen untersucht. Als Basis habe er die Daten des Berliner Wohnungsmarktes herangezogen. Die Analyse zeige, dass sich Energieeffizienz in sinnvoller Weise in Wohnungspreisen und -mieten widerspiegle. Allerdings übersteige der Wert zukünftiger Energieeinsparungen die implizite Zahlungsbereitschaft von Mietern um das 2,5-Fache.

Schlagworte zum Thema:  Expo Real, Award

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