Im vergangenen Jahr haben rund 592.000 Haushalte (Anteil von 1,4 Prozent an allen privaten Haushalten) in Deutschland Wohngeld bezogen. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) weiter mitteilt, ist die Zahl der Wohngeld-Haushalte gegenüber 2016 um 6,2 Prozent gesunken. Das Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) Köln hält die Sozialleistung für falsch konstruiert; der Deutsche Landkreistag fordert die jährliche Anpassung der Leistung.

2016 hatten laut Destatis noch rund 631.000 Haushalte Wohngeld bezogen, was einem Anteil von 1,5 Prozent der Privathaushalte entsprach. Dass die Zahl der Wohngeldhaushalte 2016 höher ausfiel, führt Destatis auf die Wohngeldreform 2016 zurück: Damals wurde das Wohngeld an die Mieten- und Einkommensentwicklung seit der Wohngeldreform 2009 angepasst. Zuvor war die Zahl der Wohngeldberechtigten seit 2010 stetig gesunken.

Vor kurzem hatte ein Beratergremium der Bundesregierung in einem umstrittenen Gutachten empfohlen, ein reformiertes Wohngeld durchzusetzen: Dieses helfe allen Bedürftigen, und die Bedürftigkeit werde regelmäßig überprüft.

Anteil der Wohngeld-Haushalte in Meck-Pomm am höchsten

In Mecklenburg-Vorpommern waren die privaten Haushalte mit einem Anteil von drei Prozent am häufigsten auf Wohngeld angewiesen. Gegenüber dem Vorjahr sind das allerdings 9,2 Prozent weniger Haushalte (25.003). In Bayern lag der Anteil von wohngeldberechtigten Haushalten 2017 bei nur 0,8 Prozent. Auch hier verzeichnet Destatis einen Rückgang: um 9,1 Prozent auf 50.946 Haushalte.

Ende 2017 betrug der durchschnittliche monatliche Wohngeldanspruch von reinen Wohngeld-Haushalten 153 Euro, von wohngeldrechtlichen Teilhaushalten 150 Euro. Bund und Länder gaben insgesamt rund 1,13 Milliarden Euro für Wohngeld aus rund 1,1 Prozent weniger als im Vorjahr.

Im Juli 2017 hatte die alte Bundesregierung mehr Wohngeld in Aussicht gestellt, sollten die Mieten weiter steigen. Wie der angespannten Situation auf dem Mietwohnungsmarkt kurzfristig begegnet werden soll, äußerte das Kabinett nicht. Der GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen fordert seit Jahren regelmäßige Überprüfungen und Anpassungen des Wohngelds.

IW: Wohngeld falsch konstruiert

Die Mieten und Wohnungspreise in Deutschland steigen immer weiter, insbesondere in den Großstädten. Trotzdem gibt es weniger Wohngeldempfänger. "Das liegt daran, dass diese Sozialleistung falsch konstruiert ist", sagt Prof. Dr. Michael Voigtländer, Leiter des Kompetenzfelds Finanzmärkte und Immobilienmärkte beim IW.

Laut Voigtländer ist die Erklärung für den Rückgang einfach:

  • Das Wohngeld erhöht sich erst, wenn es reformiert wird.
  • Die Grundsicherung wird von der Bundesregierung regelmäßig neu berechnet und orientiert sich dabei auch an steigenden Preisen und Gehältern.

"Dadurch haben viele Haushalte, die zuvor Wohngeld erhalten haben, wieder Anspruch auf Grundsicherung. Andere fallen aus der Förderung, weil ihre Einkommen steigen. Grundsätzlich können Haushalte nur eines bekommen: entweder das Wohngeld oder die Grundsicherung", sagt Voigtländer.

Das IW schätzt, dass die Zahl der Wohngeldhaushalte bis 2022 auf weniger als 400.000 sinken könnte – das wären etwa 200.000 weniger als heute. Turnusmäßig erfolgen Reformen nur alle sieben Jahre, das nächste Mal also 2023.

Deutscher Landkreistag: Wohngeld jährlich anpassen

Der Deutsche Landkreistag hat anlässlich der Wohngeldzahlen 2017 gefordert, die Leistung jährlich an die Preisentwicklung anzupassen. "Die Preise auf dem Wohnungsmarkt laufen damit dem Wohngeld davon", so der Hauptgeschäftsführer Prof. Dr. Hans-Günter Henneke. Deshalb dürften nicht weitere fünf oder mehr Jahre bis zur nächsten Anpassung vergehen.

Der Rückgang der Wohngeld-Haushalte zeigt Henneke zufolge klar, dass das Wohngeld an Wirksamkeit verliert, wenn es nur in sehr großen Abständen angepasst wird. Auch der Wissenschaftliche Beirat beim Bundeswirtschaftsministerium habe kürzlich gefordert, das Wohngeld als adäquates Mittel im Hinblick auf die Bezahlbarkeit von Wohnraum zu stärken.

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