In der Metropolregion Rhein-Neckar gibt es viele Konversionsflächen. Diese sind zwar eine Chance für die Stadtentwicklung, aber auch eine große Herausforderung.

Ein großes Asset der Region sind die Konversionsflächen…
Ram: Die sind eine Riesenchance, Stadtentwicklung zu betreiben. Wir haben hier viele Erfahrungen.

Eine Konversionsfläche wie das Glückstein-Quartier innerhalb von 10 bis 15 Jahren zu bewältigen und zu zeigen, was sich entwickelt, ist wirklich besonders.

Genauso wie das, was dort passiert mit dem Thema Wohnen, Gewerbe, Service und Nutzung der Mobilitätsanbindung. Viele Städte würden sich heute freuen, wenn sie in einer ähnlichen Situation  in der Form reagiert hätten.

Sind Sie in dem Bereich der Konversionsflächen aktiv?
An der Brügge: In Benjamin-Franklin-Village in Mannheim, das ist eine relativ große Maßnahme. Wir haben in der Region circa 300 Mietwohnungen „in Arbeit“ und werden dort knapp 180 Einheiten realisieren. Ein Bestandsgebäude werden wir als Sonderwohnform für soziale Einrichtungen nutzen.

Werden Sie damit Geld verdienen?

An der Brügge: Wenn Sie geförderten Wohnungsbau in den eigenen Bestand nehmen, realisieren Sie kurzfristig noch keine Überschüsse.

Aber als Bestandsinvestor muss man bereit sein, in 30-Jahres-Zyklen zu denken. Wir erwirtschaften die Eigenmittel, um wiederum in den Mietwohnungsbau investieren zu können. Beides muss Hand in Hand gehen.

Herr Langendörfer, was macht Diringer & Scheidel im Bereich Konversion?

Langendörfer: Wir haben mit der Stadt Mannheim große Teile des Glücksteinquartiers entwickelt. Durch den Erwerb größerer Flächen von John Deere konnten wir auch das Lanz Carré planen und errichten. Auch unser Projekt Kepler Quartier ist eine gewerbliche Konversionsfläche. Dort errichten wir derzeit ein Hilton Garden Inn Hotel, zwei Bürogebäude und ca. 190 Eigentumswohnungen.

Derzeit sind wir auf der Suche nach solchen Flächen für neue Projekte.

Fünf US-Konversionsflächen in Heidelberg

Wie sind Ihre Erfahrungen mit Konversion in Heidelberg, Herr Odszuck?

Odszuck: Wir haben in Heidelberg fünf US-Konversionsflächen. Die sind in völlig unterschiedlichen Zuständen. Mit Patrick Henry Village (PHV) sind wir noch in einem ganz frühen Stadium. Es gibt jetzt die Frage der Flächenentwicklung, der Infrastruktur. Auf der anderen Seite muss man der Individualität genügend Raum lassen. Genau das zeichnet intelligente
Planung aus.

Ihre älteste Konversionsfläche ist die Bahnstadt…

Odszuck: Mit der haben wir etwa sieben Jahre bauliche Entwicklung hinter uns, was den Hochbau angeht.

Wir haben uns am Anfang sehr schwer damit getan, Investoren zu finden. Viele haben nicht daran geglaubt.

Was ist mit Patrick Henry Village?
Odszuck: Das wird die Konversionsfläche sein, die uns nach der Bahnstadt die größte Entwicklungschance bietet, rund 100 ha.

Wir werden, was Wohnen und Gewerbe angeht, für 10.000 Einwohner bauen. Das ist auch für Heidelberger Maßstäbe ein gewaltiges Pensum.

Welches sind die Herausforderungen?

Odszuck: Relativ isolierte Lage, insbesondere aus Heidelberger Sicht. Der räumliche Bezug nach Heidelberg ist noch relativ schlecht. Und wir haben eine monotone Struktur.

Das klingt nicht nach einem richtigen Zuckerschlecken...

Odszuck: Aber genau dieser Herausforderung mussten wir uns stellen, wenn wir die Wissensstadt von morgen planen wollten. Wie kann dieses große Gebilde auf jede Trendwende reagieren? In fünf Jahren soll es ja losgehen mit dem Bau...

Wodurch zeichnet sich die Stadt der Zukunft aus?
Braum: Durch Heterogenität. Wir respektieren den historischen Bestand, weil er gut für Startups oder Leute ist, die nicht so viel Geld haben, und weil diese ihre Adresse nicht am Rand des Quartiers bekommen, sondern in dessen Mitte!

In der Mitte des Quartiers werden wir die innovativsten Treiber der Wissensgesellschaft des 21. Jahrhunderts haben, die Jungen.

Und am Rand?

Braum: Am Rand entstehen neue Strukturen. Sogenannte Mikro-Quartiere. Das sind kleinere Stadtbausteine, die von verschiedenen Investoren entwickelt werden, aber auch von Genossenschaften oder Baugruppen. Sie zeichnen sich durch Vielfalt und einen hohen Mischungsgrad aus.

Wie geht es weiter mit der Metropolregion Rhein-Neckar? Die wichtigsten Statements der Podiumsdiskussion finden Sie hier im Video.

Schlagworte zum Thema:  Konversion, Stadtentwicklung