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„Wir dürfen es nicht den technikversessenen Nerds überlassen, das Bild der Stadt von morgen zu bestimmen.“, meint Professor Michael Braum, Leiter der Internationalen Bauausstellung Heidelberg Bild: Klaus Hecke, Bildschön

Metropolregion Rhein-Neckar: Das ist im Idealfall mehr als die Summe der einzelnen Standorte. Aber klappt die Zusammenarbeit tatsächlich? Oder ist am Ende nicht doch jede Stadt froh, wenn sie selbst bei einem Investor punkten kann?

Ist der Gedanke eine Region zu sein, in allen Köpfen angekommen?

Langendörfer: Ich meine, noch nicht zu 100 Prozent.

Die Kommunikation könnte noch intensiviert werden.

Es wird wichtig bleiben, dass die großen Player der Region an einem Strang ziehen – dann besteht eine große Chance, dass die Städte der Region nicht als einzelne Standorte, sondern die Metropolregion als ein wirtschaftlich und kulturell starker Standort innerhalb Deutschlands wahrgenommen wird.

Eine der innovativsten Regionen bei Forschung und Entwicklung

Prof. Braum, welches Charakteristikum hat die Region für Sie als Leiter der Internationalen Bauausstellung Heidelberg?
Braum:

Für mich ist sie neben München und Zürich die innovativste Region im
Bereich von Forschung und Entwicklung im deutschsprachigen Raum.

Dabei ist das Thema transdisziplinärer Zusammenarbeit wichtig. Gleichzeitig geht es aber auch um eine Diversifizierung unterschiedlicher Fähigkeiten, die die Region insgesamt prägen kann. Heidelberg als bundesdeutsche Universität mit Weltruf funktioniert nur im Kontext der Region.

Inwiefern?
Braum: Heidelberg kann seine Kraft nur dann entwickeln, wenn die Stadt im regionalen Kontext denkt. Das gilt auch für unsere Internationale Bauausstellung mit dem Schwerpunkt „Die Wissensstadt von morgen“. Wir brauchen die Region, um städtebauliche und architektonische Herausforderungen der Wissensgesellschaft in ihrer Komplexität umzusetzen.

Wir haben in puncto Zusammenarbeit erste Erfolge, doch es gibt noch Luft nach oben.

Wie sehen Sie die Zusammenarbeit in der Region, Herr Odszuck?
Odszuck: Die ist intensiv. Ich habe noch den Blick von außen, bin gebürtiger Münchner und habe die letzten zehn Jahre in der Rhein-Main-Region verbracht. Hiererlebe ich es schon so, dass Konkurrenzdenken ein Denken von gestern ist.

Ein stark vernetztes Denken

Das hört sich geradezu idealistisch an …
Odszuck: Ein Unternehmen, das die Stadt Mannheim braucht, wird wahrscheinlich nicht nach Heidelberg gehen. Aber ein Unternehmen, das die Nähe zum Deutschen Krebsforschungszentrum oder zur Uni Heidelberg sucht, wird wahrscheinlich in den Heidelberger Raum kommen.

Ram: Das sehe ich auch so. Man freut sich zunächst einmal über Gründungen und das Interesse am Standort. Und dann versucht man, dieses Interesse passgenau so gut wie möglich zu befriedigen.

Wir Wirtschaftsförderer freuen uns über jedes Unternehmen, das in der Region aktiv ist. Das belebt die Kaufkraft.

Wir haben hier ein stark vernetztes Denken und praktizieren das insbesondere mit Blick auf die Förderkulisse, z. B. des Landes Baden-Württemberg.

Aber buhlt nicht jeder doch ein Stück weit um seine Investoren?

Langendörfer: Zurzeit ist tatsächlich der Wettbew erb um die Arbeitskräfte der gravierende Engpassfaktor.

Im Moment leben wir in einer Boom-Phase. Aber das wird nicht ewig dauern. Und um für die Zeit danach vorbereitet zu sein, müssen wir sehen, dass wir als Region wirtschaftlich konkurrenzfähig bleiben.

So müssen wir zum Beispiel beim Thema „Gewerbesteuer“ darauf achten, dass dies nicht zu einemHinderungsgrund für Ansiedlungen in der Metropolregion wird.
Herr An der Brügge, wie ist der Bezug Ihres Unternehmens zur Region?

An der Brügge: Die Immobiliengruppe Rhein-Neckar besteht im Kern aus einer
tief in der Region verwurzelten Genossenschaft. Wir sind von der Größenordnung, von den Strukturen, von den Aufgaben her ein mittelständisch geprägtes Unternehmen, das aus Mannheim stammt. Wir sind, da wir für große Investoren arbeiten, bundesweit unterwegs. Uns beschäftigen sowohl der Bau fürs eigene Anlagevermögen – also der Mietwohnungsbau – als auch das Bauträgergeschäft und Immobilienmanagement. Uns laufen jedoch beim Bau zurzeit die Kosten davon.
Warum?
An der Brügge: Die Kapazitäten in der Bauindustrie sind ausgereizt, und wir haben speziell als Genossenschaft einen Versorgungsauftrag, insbesondere beim Wohnungsbau, den wir weithin als „bezahlbar“ klassifizieren. Aber es gibt Obergrenzen, die auch von den jungen Leuten, die gut ausgebildet in die Region kommen, nicht mehr bezahlt werden können.

Wie geht es weiter mit der Metropolregion Rhein-Neckar? Die wichtigsten Statements der Podiumsdiskussion finden Sie hier im Video.

Schlagworte zum Thema:  Metropolregion, Konversion, Stadtentwicklung

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