Gesellschaften von Schwarmprojekt haben Insolvenz angemeldet Bild: Nico ⁄

Zwei Projektgesellschaften, die sich über die Crowdfunding-Plattform Zinsland Geld für ein Bauprojekt in Berlin geliehen hatten, haben Insolvenz angemeldet. Die Bauarbeiten sollen dennoch weitergehen.

Mikroapartments stehen bei Investoren hoch im Kurs. Der Bedarf an Kleinstwohnungen ist groß, vor allem in den Metropolen. Eine Art der Finanzierung ist das Crowdfunding. Wie Stiftung Warentest meldet, haben die Projektentwickler Conrem-Ingenieure und die Arplan Projektgesell­schaft Alpha 1 nun Insolvenz angemeldet. Sie bauen die Apartment­anlage Luvebelle in Berlin und hatten sich über eine Million Euro von Anlegern über die Internetplatt­form Zins­land geliehen.

Zins­land-Geschäfts­führer Carl von Stechow hat sich laut www.test.de über­rascht gezeigt. Ihn habe Heinz Michael Groh, Geschäftsführer beider Projektgesell­schaften, erst nach einer Anfrage von Stiftung Warentest informiert, heißt es in dem Bericht.

"Der Fall illustriert, welch böse Überraschungen beim Crowdfunding drohen können", sagt Renate Daum, Finanzexpertin der Stiftung Warentest dem Sender n-tv.

Die Finanzierungsstruktur habe in der Fundingphase eher risikoarm gewirkt.

Zinsland: Mikropartments bereits verkauft

Ein Insolvenzverfahren sei noch nicht eröffnet worden, teilte Zinsland mit. Zum Immobilienprojekt Luvebelle habe es zwei Fundingphasen gegeben. Zwischen dem 28.4.2016 und dem 31.5.2016 waren 499.500 Euro von 274 Investoren für Conrem und "Luvbelle I" eingeworben worden. Das Funding für "Luvebelle II" war am 20.6.2017 gestartet und am 30.6.2017 abgeschlossen. Es wurden insgesamt 750.000 Euro von zwölf Investoren für Arplan eingesammelt. Die Finanzierung erfolgte jeweils investorenseitig durch qualifizierte Nachrangdarlehen.

Das Objekt in Berlin Tempelhof, bei dem 52 Mikropartments entstehen, ist laut Zinsland bereits an einen Global-Investor verkauft, der Kaufpreiszahlungen nach Baufortschritt leistet. Laut Aussage des Projektinitiators werden die Bauarbeiten fortgeführt. Zinsland will sich dafür einsetzen, dass der Insolvenzantrag zurückgenommen wird.

Laut Projekt­entwickler sei "die Liquiditäts­situation derzeit nicht gesichert", da "Kaufpreiszahlungen ­vom Baufort­schritt abhängen und dieser sich verzögert hat", berichtet n-tv.

Immer mehr Crowdfunding für Bauprojekte

Im vergangenen Jahr wurden deutschlandweit 42,7 Millionen Euro von der Crowd für Neubauprojekte verwendet, deren Gesamtinvestitionsvolumen fast 422 Millionen Euro betragen haben soll. Immer mehr Gelder fließen in Bauprojekte. Die Regierung befürchtet, dass die erleichterte Form der Finanzierung zu Überbewertungen führen könnte und will Crowds künftig schärfer regulieren.

Schlagworte zum Thema:  Crowdfunding, Projektentwicklung, Berlin

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