Wieder mehr Luft für Makler bei den Wohnungsbesichtigungen

Besichtigungen von Kauf- oder Mietobjekten sind während der Coronakrise zwar nicht per se verboten, bislang waren sie wegen der behördlichen Auflagen aber nur schwer umzusetzen. Mit den neuesten Lockerungen dürfen die Räume nun wieder einfacher mit potenziellen Mietern oder Käufern begangen werden.

Der Shutdown zur Eindämmung der Corona-Pandemie wird seit Ende April schrittweise gelockert. Das Bundesarbeitsministerium hat vor Kurzem bundesweit geltende Corona-Maßnahmen – auch für Maklerbüros – formuliert, die Bundesländer und die Bundesregierung haben am 6. Mai die jüngsten Lockerungen verkündet. In Bayern waren die Regeln am strengsten. Dort war schon das Verlassen des Hauses ohne triftigen Grund gar nicht erlaubt.

Das hat sich jetzt geändert, mit Auswirkungen auf Makler und ihr Kerngeschäft. Besichtigungen von Wohnungen und Häusern sind wieder unkomplizierter möglich – auch in Bayern. Makler, Vermieter oder Verkäufer als "haushaltsfremde" Kontaktpersonen dürfen zusammenlebenden anderen Personen – beispielsweise einem Ehepaar oder einer Familie – ihre Vermarktungsobjekte wieder zeigen. Massenbesichtigungen bleiben aber weiterhin bundesweit verboten. Die zulässige Teilnehmerzahl variiert von Bundesland zu Bundesland.

"Die behutsame Öffnung des öffentlichen Lebens verschafft auch dem Immobilienmarkt wieder etwas Luft", sagt Cai-Nicolas Ziegler, CEO der Immowelt AG. "Dank klarer Regelungen können Miet- und Kaufobjekte nun wieder besichtigt werden. Damit kehrt auch auf dem Immobilienmarkt wieder ein Stück weit Normalität ein."

Trotz der gelockerten Corona-Maßnahmen müssen sich Makler und Vermieter weiterhin an die allgemeinen Hygiene- und Abstandsverordnungen des Bundesarbeitsministeriums halten. Dort, wo besichtigt werden darf, gilt: Mund-Nasen-Schutz für alle Beteiligten (Maskengebot), kein Händeschütteln, Sicherheitsabstand von mindestens eineinhalb Metern, Händehygiene, Waschgelegenheiten oder Desinfektionsspender am Ein- oder Ausgang von Gebäuden und kurze Reinigungsintervalle für Räumlichkeiten und Kontaktflächen, keine gedruckten Dokumente oder Materialmappen austauschen und Kontakt zu Gegenständen und Oberflächen in der Wohnung so weit wie möglich vermeiden.

360-Grad-Besichtigungen und Videokonferenzen: Die Coronakrise beschleunigt die Digitalisierung

Die bundesweiten Regelungen zum Schutz der Bevölkerung vor dem Coronavirus haben Makler zu kreativem Umdenken und einer Teilverlagerung des Geschäfts ins Digitale gezwungen. Unsere Autorin Kristina Pezzei hat zu diesem Thema mit Marktteilnehmern gesprochen.

"Wir bieten zwar ohnehin schon seit längerem Onlinebesichtigungen für manche Objekte an", sagt der Geschäftsführer des Erfurter Verwalters und Maklers 3x1 Immobilien, Jörg Wanke. "Aber die letzte Entscheidung wollen potenzielle Interessenten dann doch live treffen." Man müsse auch abwägen, ob und wann sich eine Onlinebesichtigung finanziell lohne – viele Fragen ließen sich außerdem vorab telefonisch klären.

Auch die Berliner Tolle Immobilien GmbH hat vor einiger Zeit virtuelle 360-Grad-Besichtigungen ins Angebot aufgenommen. Als Reaktion auf die angeordneten Kontaktsperren habe man diesen Service auf weitere Wohnungen ausgeweitet, erklärt Corvin Tolle als geschäftsführender Gesellschafter.

Das Immobilienunternehmen Engel & Völkers AG bietet ebenfalls Live-Video-Aufnahmen oder virtuelle 360-Grad-Touren an. "Angesichts der verschärften Rahmenbedingungen arbeiten wir daran, kreative Wege zu finden, um laufende Kundenanfragen zu bearbeiten und Neugeschäft zu generieren", sagt Sven Odia, Vorstandschef von Engel & Völkers. Ein Großteil der operativen Abläufe könne digital abgebildet werden – etwa auch Objektbewertungen und Kaufpreiseinschätzungen oder Kundengespräche.

SARS-CoV-2-Arbeitsschutzstandard des Bundesarbeitsministeriums (Stand 16.4.2020)


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