Um Anreize für den Wohnungsneubau zu schaffen, setzen Union und FDP auf eine Erhöhung der Gebäudeabschreibung von zwei auf drei Prozent Bild: Homeday

Am 24. September ist Bundestagswahl und die Parteien haben auch immobilienwirtschaftlich relevante Themen auf dem Schirm. Was sie etwa in Sachen Wohneigentum, Wohnungsneubau, Mietpreisbremse und Bestellerprinzip sagen, versprechen oder vorschlagen, hat das Maklerportal Homeday zusammengefasst. Unter die Lupe genommen wurden die Programme von CDU/CSU, SPD, Bündnis 90/Die Grünen, FDP und der Linken.

Vor allem beim Thema Wohnungsneubau kämpfen die Parteien fleißig um die Gunst der Wähler, wie die Übersicht des Startups Homeday zeigt.

Die Wohnungsnot ist groß. Der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie rechnet für 2017 mit der Fertigstellung von neuen 320.000 Wohnungen, benötigt werden aber der Bundesregierung zufolge mindestens 350.000 jährlich. Axel Gedaschko, Präsident des Bundesverbandes deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen, sagte der Deutschen Presse-Agentur: Baugenehmigungen müssten schneller erfolgen und neben der Schaffung von Eilverfahren für Bauanträge sollten auch die Abstimmungswege verbessert werden.

Langwierige Planungs- und Genehmigungsverfahren seien einer der größten Bremsklötze für den Wohnungsbau, sagte Gedaschko.

Was sagen die Parteien zum Wohnungsneubau?

  • CDU/CSU: Die Christdemokraten wollen die Abschreibung für Abnutzung von zwei auf drei Prozentpunkte erhöhen. Auch soll eine konkrete Musterbauordnung kommen, die verbindlich für alle Bundesländer gelten soll.
  • SPD: Die Sozialdemokraten wollen mit einheitlichen Bau-Standards und Anreizen für den Neubau punkten.
  • FDP: Die FDP stimmt der Erhöhung der Gebäudeabschreibung von zwei auf drei Prozent zu und will Bundesmittel für den Wohnungsbau zweckmäßig binden. Auch mehr und größere Baugebiete haben die Freien Demokraten auf der Agenda.
  • Bündnis 90/Die Grünen: Die Grünen sprechen sich für nachhaltige Gebäude aus. Sie wollen keine schnellere Abschreibungsmöglichkeit, sondern energieeffiziente Immobilien mit einer Nutzungsdauer jenseits von 33 Jahren.
  • Die Linke: Die Linken sind der Meinung, dass der Staat mindestens 250.000 Wohnungen bauen oder kaufen und sie der sozialen Wohnungswirtschaft zuführen soll.

JLL-Deutschlandchef Timo Tschammler appelliert an die Politik, auch das Gewerbesegment in den Blick zu nehmen.

Dass sich die Parteien in ihren Wahlprogrammen bei den Immobilienthemen fast ausschließlich auf das Segment "Wohnen" konzentrieren, werde der Bedeutung von Gewerbeimmobilien nicht gerecht, argumentiert Tschammler in seinem Kommentar zum Bundestagswahlkampf 2017.

Wie steht es mit der Förderung von Wohneigentum?

Die Eigenheimquote in Deutschland ist im europäischen Vergleich noch immer gering mit weniger als 50 Prozent. Hier versprechen die genannten Parteien alle, verstärkt Anreize schaffen zu wollen.

  • CDU/CSU: Die Christdemokraten wollen bei der Grunderwerbsteuer Freibeträge für Erwachsene und Kinder einführen. Die Rede ist von 100.000 Euro. Außerdem ist ein Baukindergeld in Höhe von jährlich 1.200 Euro pro Kind mit einer Laufzeit von zehn Jahren geplant.
  • FDP: Die Freien Demokraten stellen bei Erstkauf einer Immobilie zur Selbstnutzung 500.000 Euro Freibetrag bei der Grunderwerbsteuer in Aussicht. Sie wollen stattdessen sämtliche Immobiliengeschäfte regulär besteuern.
  • SPD: Die Sozialdemokraten wollen Familien mit einem Einkommen bis 70.000 Euro fördern und denken für das erste Kind an 8.000 Euro, für das zweite und dritte Kind an jeweils 6.000 Euro. Maximal sind 20.000 Euro angedacht. Zudem plant die SPD die Ausweitung und Flexibilisierung von tilgungsfreien Jahren, bessere Bedingungen bei den Erwerbsnebenkosten sowie längere staatliche Förderprogramme durch die KfW-Bank.
  • Die Linke: Die Linken wollen bezahlbaren Wohnraum fördern, nicht den Eigentumserwerb, und fordern die Abschaffung der zehnjährigen Spekulationsfrist bei Immobilienverkäufen. Verkäufe sollen außerdem stärker besteuert werden. Leerstehende Wohnungen sollen nicht mehr in der Steuererklärung des Vermieters angesetzt werden dürfen.
  • Bündnis 90/Die Grünen: Auch die Grünen legen Wert auf bezahlbaren Wohnraum und wollen Haushalte mit kleinem und mittlerem Einkommen beim Kauf von Genossenschaftsanteilen von Wohnungsbaufirmen unterstützen. Vorschläge zum Kauf oder Neubau von Immobilien und bezüglich eines Freibetrages bei der Grunderwerbsteuer macht die Partei nicht. 

Bild: Homeday
Wird die Mietpreisbremse verschärft oder abgeschafft?

  • CDU/CSU: Die Union will die Mietpreisbremse als Instrument beibehalten, lehnt aber eine Verschärfung ab.
  • FDP: Die Freien Demokraten sind gegen die Regelung.
  • SPD: Die Sozialdemokraten halten die Mietpreisbremse für eine geeignete Maßnahme zur Regulierung des Immobilienmarktes und wollen Vermieter darüber hinaus gesetzlich verpflichten, die Miete des Vormieters offenzulegen. Außerdem sprechen sich die Sozialdemokraten für eine Reduzierung der Modernisierungsumlage von elf auf acht Prozent aus. Mieterhöhungen in begehrten Wohnlagen sollen nicht mehr nach drei, sondern erst nach vier Jahren erfolgen. Bei unzulässig hohen Mieten soll die Differenz rückwirkend erstattet werden können.
  • Bündnis 90/Die Grünen: Die Grünen wollen eine einheitliche Regelung. Modernisierungen sollen stärker als bisher reglementiert werden. Eine Begrenzung der Mieten durch die Mietpreisbremse soll nicht fünf, sondern zehn Jahre bindend gelten.
  • Die Linke: Die Linken planen ebenfalls eine deutschlandweite Mietpreisbremse ohne Ausnahmen und sind für eine unbefristete Lösung. Das Ignorieren der Vorgabe soll als Betrug geahndet werden.

Bild: Homeday

Bestellerprinzip auch bei Verkäufen?

Sozialdemokraten, Grüne und Die Linke wollen das Bestellerprinzip auch bei Immobilienverkäufen einführen. Hiergegen spricht sich die CDU/CSU entschieden aus. Die FDP äußert sich nicht eindeutig, ist jedoch tendenziell gegen das Bestellerprinzip.

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Heikle Thematik Klimaschutz

  • CDU/CSU: Die Union will Sanierungen zur Verbesserung der Energiebilanz weiterhin staatlich fördern. Sonderabschreibungen sind hier das Mittel der Wahl.
  • SPD: Die SPD setzt auf das Mieterstrommodell.
  • Bündnis 90/Die Grünen: Die Grünen wollen unterschiedliche Gesetze im Hinblick auf Energieeinsparmöglichkeiten und Wärmeerzeugung aus regenerativen Energien zusammenführen. Um den CO2-Ausstoß zu reduzieren wird die Verdoppelung der öffentlichen Mittel angestrebt.
  • Die Linke: Die Linken plädieren für Sonderabschreibungen.
  • FDP: Die Freien Demokraten haben zu diesem Thema nichts im Programm.

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Schlagworte zum Thema:  Immobilienwirtschaft, Bestellerprinzip, Mietpreisbremse, Neubau, Wohnungsnot, Wohnimmobilien, Bundestagswahl

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