Brexit-Chaos: Deutscher Immobilienmarkt profitiert

Nach der Entscheidung gegen den vorliegenden Brexit-Deal von Premierministerin Theresa May werde ein ungeordneter Brexit immer wahrscheinlicher, meint der Wirtschaftsweise Lars Feld. Der deutsche Immobilienmarkt, insbesondere der Frankfurter Büromarkt, könnte ein Profiteur sein, aber auch vor große Herausforderungen gestellt werden. Alles ist wieder offen.

Bafin-Chef Felix Hufeld sagte dem Deutschlandfunk, im Zuge des britischen EU-Austritts seien "mehr als 45 Finanzinstitute dabei, die Präsenz in Deutschland neu zu etablieren oder signifikant zu stärken". Ende des Jahres 2018 hieß es demnach noch, 30 ausländische Banken würden einen Standort in Deutschland aufbauen oder stärken.

Experte: Frankfurter Büromarkt vor Jahrhundert-Herausforderung

Diese Verlagerungen haben dem Immobilienportal immowelt.de zufolge auch Auswirkungen auf den ohnehin angespannten Immobilienstandort Frankfurt am Main. Analysen des Portals zeigen, dass die Kaufpreise pro Quadratmeter seit 2016 von 3.720 Euro auf 4.430 Euro im Median geklettert sind – ein Anstieg um 19 Prozent. Die Mietpreise dagegen erhöhten sich im gleichen Zeitraum pro Quadratmeter von 12,50 Euro auf 13,90 Euro. Das bedeutet eine Zunahme von elf Prozent.

"Die aktuelle Unsicherheit wird diese Entwicklung sicher weiter vorantreiben." Immowelt-CFO Ulrich Gros.

Er geht von einem weiteren Anstieg der Immobilienpreise und von einer zunehmend Verknappung der Flächen aus. "Die durch einen Brexit steigende Nachfrage könnte den Frankfurter Büromarkt vor eine Jahrhundert-Herausforderung stellen", prophezeit Andreas Wende, Geschäftsführer von NAI Apollo.

Verschiebung des Brexit als willkommene Lösung

Mögliche positive Auswirkungen in Frankfurt ändern aus Sicht des ZIA Zentraler Immobilien Ausschuss nichts daran, dass ein Brexit gesamtpolitisch "ein trauriger Rückschritt für den europäischen Integrationsgedanken" sei. ZIA-Präsident Andreas Mattner hofft nun auf "Vernunft in Großbritannien" und eine Verschiebung des Brexit.

"Die Britinnen und Briten werden für sich herausfinden müssen, was sie wollen, und brauchen dazu offensichtlich noch etwas mehr Zeit. Dies bietet Raum für weitere Verhandlungen, bei denen sich die Europäische Union etwas beweglicher zeigen könnte." Lars Feld, Professor für Wirtschaftspolitik an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg und Leiter des Walter-Eucken-Instituts

Man habe den Eindruck, die britischen Politiker bewegten sich schlafwandlerisch auf den Abgrund zu, meint der Wirtschaftsweise.

May übersteht Misstrauensantrag

Nach dem überstandenen Misstrauensantrag will Theresa May nun parteiübergreifende Gespräche führen. Ob ein Kompromiss mit der EU überhaupt noch drin ist, darüber kann nur spekuliert werden. Mögliche Szenarien sind

  • die Verschiebung der Entscheidung,
  • ein erneutes Referendum oder eben
  • der ungeregelte Austritt aus der EU, der so genannte "Harte Brexit",

den Wirtschaftsforscher und andere Experten sich am wenigsten wünschen.

Brexit-Unsicherheiten schrecken Investoren nicht vom Zielmarkt UK ab

"Bemerkenswert ist, dass Großbritannien ungeachtet der erheblichen Unsicherheiten bezüglich der Ausgestaltung des bevorstehenden Ausscheidens aus der Europäischen Union weiterhin der insgesamt beliebteste Zielmarkt von professionellen Immobilieninvestoren ist", heißt es im aktuellen Investorenbarometer von Brickvest.

32 Prozent der befragten Investoren nannten Großbritannien als den von ihnen bevorzugten Markt; mit deutlichem Abstand folgten Deutschland mit Anteilen von 23 Prozent, die USA mit 20 Prozent und Frankreich mit 17 Prozent.


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