Bilfinger verlangt Schadenersatz von ehemaligen Vorstandsmitgliedern. Im Raum steht eine Forderung in Millionenhöhe. Betroffen ist auch der frühere Ministerpräsident Roland Koch. Er war von 2011 bis 2014 Vorstandschef.

Der Vorwurf der Pflichtverletzung gehe an alle Vorstände, die zwischen 2006 und 2015 im Amt waren, aber vor 2015 in das Gremium eintraten, hieß es in einer Pflichtmitteilung an die Börse. Die fraglichen Vorgänge fallen in die Amtszeit der Vorstandsvorsitzenden Herbert Bodner (1999 bis 2011 sowie 2014 und 2015) und eben Roland Koch. In diesem Zeitraum waren zwölf Manager als Vorstände für Bilfinger tätig.

Koch, der nach mehreren Gewinnwarnungen den Posten 2014 geräumt hatte, reagierte "mit Befremden" auf die Vorwürfe "gegen ganze Generationen von früheren Bilfinger-Vorständen". Das Unternehmen habe über dreieinhalb Jahre hinweg keinen einzigen konkreten Vorwurf erhoben, so sein Sprecher. Von Bodner, der als Interimschef auf Koch gefolgt war, lag zunächst keine Stellungnahme vor.

Den Managern wird vorgeworfen, das Compliance-Managementsystem nicht ordnungsgemäß implementiert zu haben, das im Geschäftsleben das Einhalten aller Rechtsvorschriften gewährleisten soll. Zudem sollen einzelne Vorstände Verstöße "im Zusammenhang mit M&A-Projekten in der Vergangenheit" begangen haben.

Als Beispiele für das unterstellte Fehlverhalten wurden der Erwerb der Helmut Mauell GmbH im Jahr 2012 genannt oder auch Nigeria-Geschäfte des Konzerns.

Juristische Schritte nicht ausgeschlossen

"Was einzelne Forderungen angeht, sind wir noch in der Vorstufe", hieß es in der Bilfinger-Mitteilung. Außerdem sei noch keine Entscheidung darüber getroffen worden, gegen welche Ex-Vorstände der SDax-Konzern in welcher Höhe Ansprüche geltend machen werde.

Den verursachten Schaden bezifferte Bilfinger nach vorläufigen Berechnungen auf einen "niedrigen dreistelligen" Millionenbetrag. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur handelt es sich um rund 100 Millionen Euro.

Ein Unternehmenssprecher schloss mögliche juristische Schritte nicht aus. Dies hänge das weitere Vorgehen von den Reaktionen der Betroffenen ab. Laut dpa-Informationen will das Unternehmen die Ex-Vorstände zunächst außergerichtlich informieren und zur Zahlung auffordern.

Blades will auch Verstöße von Aufsichtsräten prüfen lassen

Der Vorstand um Konzernchef Tom Blades will zudem nun untersuchen lassen, ob auch Aufsichtsratsmitglieder ihre Pflichten verletzt haben. Sein unmittelbarer Vorgänger Per Utnegaard ist nicht von den Vorwürfen betroffen.

Bilfinger steht seit 2014 unter Aufsicht durch das US-Justizministerium. Die inzwischen verkaufte Bilfinger-Tochter Julius Berger war bei einem Pipeline-Projekt in Nigeria in einen Korruptionsfall verwickelt, der erst 2010 aufgedeckt wurde. Das Unternehmen musste 2013 eine Strafe von 32 Millionen US-Dollar zahlen und eine Überwachung seines Compliance-Systems hinnehmen, das solche Fälle verhindern soll. Nachdem weitere Altfälle ans Licht kamen, wurde die zunächst bis 2016 vorgesehene US-Aufsicht um zwei Jahre verlängert.

Der Bereich Recht und Compliance wurde unter Blades neu aufgestellt. So sollen auch Fälle wie in Brasilien verhindert werden, als Bilfinger fragwürdige Zahlungen in Zusammenhang mit einem Millionen-Auftrag der damaligen Tochtergesellschaft Mauell für die Fußball-Weltmeisterschaft 2014 entdeckte. Bilfinger, das die entsprechende Gesellschaft erst später übernommen hatte, entschied sich 2016 für eine Rückabwicklung des Kaufs von Mauell.

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