Der Berliner Immobilienmarkt hat enormes Potenzial. Allerdings hakt es an einigen Stellen: Die Behörden sind zu langsam, die Willkommenskultur ist ausbaufähig, die Politik informiert zu wenig. Was die Experten en detail sagen, erfahren Sie im Video zur Berliner Unternehmerrunde.

Projektentwicklungen im Bereich Wohnen sind in Berlin ein ziemlich neues Phänomen. Noch im Jahr 2011 spielten sie eine untergeordnete Rolle. Das Interesse der Immobilieninvestoren lag eindeutig bei der Assetklasse "Büro". In Wohnen wollte damals niemand investieren. Doch das hat sich deutlich verändert.

Vor diesem Hintergrund diskutierte Chefredakteur Dirk Labusch von der Fachzeitschrift "Immobilienwirtschaft" mit den Vertretern dreier Unternehmen, die aus verschiedenen Gründen in den Berliner Immobilienmarkt involviert sind: Jürgen Overath, COO der TLG, Henrik Thomsen, Geschäftsführer von Groth Development und Marcus Buder, Bereichsleiter Gewerbliche Immobilienfinanzierung der Berliner Sparkasse.

Potenziale und Abwehrmechanismen

Zur Sprache kamen auch Engpässe, die es etwa in der Verwaltung gibt. Verfahren werden in die Länge gezogen, sei es wegen der Komplexität bei Themen wie Natur- oder Schallschutz, oder wegen der zunehmenden Kapazitätsschwierigkeiten aufgrund
des hohen Arbeitsaufkommens.

Es ging aber auch um den Wachstumsschmerz, den viele Einwohner der Stadt haben und der sich bisweilen sogar gegen Konzerne wie Google und den von ihm geplanten Campus richtet. Die Polarisierung der Gesellschaft, wie sie nicht nur in Berlin sichtbar sei, wurde in der Runde beklagt. Angst und Unsicherheit würden als politisches Mittel
genutzt.

Teilnehmer der Berliner Unternehmerrunde 2019
Unternehmerrunde (v.l.n.r.): Jürgen Overath, COO der TLG, Henrik Thomsen, Geschäftsführer Groth Development, Marcus Buder, Bereichsleiter Gewerbliche Immobilienfinanzierung Berliner Sparkasse, Dirk Labusch, Chefredakteur "Immobilienwirtschaft".

Doch zumindest habe die Stadt, so die Teilnehmer, inzwischen die Notwendigkeit von Gewerbeflächen erkannt. Es gibt in Berlin immer häufiger Fälle, in denen statt Wohngebieten Gebiete für Gewerbeimmobilien ausgewiesen werden. Infolge dessen werden Annahmen geäußert, dass in Berlin bis 2030 zwei Millionen Quadratmeter Bürofläche entstehen könnten. Berlin hat große Potenziale. Es läuft gut für Büro, Handel, Wohnen und für Logistik.

Allerdings gibt es gerade in Berlin die bekannten Abwehrmechanismen wie Anwohnerproteste. Im Moment könne auch die Flächennachfrage nicht so befriedigt werden, wie es der Markt verlangt, sagen die Teilnehmer der Runde. Deswegen verlegten Investoren einige Aktivitäten ins Umland von Berlin oder sie liebäugeln damit.

Stadtrand und Umland von Berlin

Als äußerst interessant wurden die Möglichkeiten genannt, die der Berliner Stadtrand bietet. Teltow etwa habe eine große Büro-Agglomeration, Potsdam einen stabilen Markt. Die Teilnehmer zeigten sich davon überzeugt, dass am noch fertig zu stellenden Hauptstadtflughafen BER riesige Büroflächen entstehen werden, die das Zentrum weiter entlasten könnten.

Die Preise im Innenstadtbereich seien in den vergangenen Jahren erheblich gestiegen. Auch deshalb sollte man sich, so eine starke Meinung unter den Teilnehmern, nicht nur mit den 88 Quadratkilometern innerhalb des S-Bahn Ringes beschäftigen. Insgesamt sei es spannend, so machte die Diskussion deutlich, den Fokus einmal nach Pankow, Reinickendorf, Köpenick, Frohnau oder Karlshorst zu legen.


Das vollständige Interview in gedruckter Version erscheint in der Beilage Region-Report Berlin,  zur "Immobilienwirtschaft", Ausgabe 03/2019


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Schlagworte zum Thema:  Immobilienmarkt, Berlin