Die Zahl der Baugenehmigungen ist im ersten Halbjahr 2018 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 0,6 Prozent auf knapp 168.500 gesunken. Das Minus ist nach Angaben des Statistischen Bundesamtes vor allem auf einen deutlichen Rückgang beim Bau von Flüchtlingsunterkünften zurückzuführen (minus 35,9 Prozent). Ohne Berücksichtigung der Wohnheime sei die Zahl der Baugenehmigungen um 1,8 Prozent gestiegen. Die immobilienwirtschaftlichen Verbände finden das trotzdem viel zu wenig.

„Der Rückgang bei den Baugenehmigungszahlen sei „ein Warnschuss für die Politik“, sagte Andreas Ibel, Präsident des BFW-Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen.

„Durch fortdauerndes Abwarten erreichen wir keine Trendwende. Wenn es der Politik wirklich ernst ist mit dem Vorhaben, den Neubau anzukurbeln, müssen Worten endlich Taten folgen." Andreas Ibel, Präsident des BFW-Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen

Für eine Trendwende sei der gemeinsame politische Wille für mehr Neubau nötig, so Ibel – und zwar bei Bund, Ländern und Kommunen. Ein Wohnungsbau-Bündnis hatte im März den Staat zum Handeln aufgefordert.

GdW: Wohnungsbau kommt nicht in Schwung

Axel Gedaschko, Präsident des GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen, erklärte, dass der Wohnungsbau weiterhin nicht ausreichend in Schwung komme.

"Im ersten Halbjahr 2018 wurden erneut zu wenige Wohnungen genehmigt. Geht dieser Trend so weiter, werden auch in diesem Jahr die notwendigen 400.000 Wohnungen nicht einmal bei den Genehmigungen erreicht. Die Politik muss endlich die Bremsen für bezahlbaren Wohnraum lösen.“ Axel Gedaschko, Präsident des GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen

Die Lösungen liegen laut Gedaschko auf dem Tisch. "Die serielle und standardisierte Bauweise muss gefördert und dazu eine bundesweit gültige bauliche Zulassung für diese Gebäude geschaffen werden", so der GdW-Chef. Zudem müsse das im Koalitionsvertrag verankerte Planungs- und Baubeschleunigungsgesetz zügig kommen, forderte auch er.

ZIA spricht von ernüchternden Zahlen

„Diese insgesamt ernüchternden Zahlen liegen unter den Erwartungen und spiegeln die aktuell lähmende politische Situation auf dem angespannten Wohnungsmarkt wieder“, sagte auch Dr. Andreas Mattner, Präsident des ZIA Zentraler Immobilien Ausschuss.

„Wir brauchen endlich einen richtigen Durchbruch bei den Baugenehmigungszahlen und eine deutliche Entlastung der kommunalen Planungs- und Genehmigungsbehörden.“  Dr. Andreas Mattner, Präsident des ZIA Zentraler Immobilien Ausschuss

Ein Beschleunigungsgesetz für den Baubereich könne Abhilfe schaffen, sagte auch Mattner.

Immer mehr genehmigte Wohnungen werden nicht gebaut

Die Anzahl der Baugenehmigungen sei „kein Anzeichen dafür, dass die Lage auf dem Wohnungsmarkt sich zu entspannen beginnt“, erklärte Jürgen Michael Schick, Präsident des Immobilienverbandes IVD. Es müsse sichergestellt werden, dass sich die Genehmigungsdynamik auf lange Sicht verstetigt: „Die Vorschläge zur Förderung und Vereinfachung von Baugenehmigungsverfahren liegen bereits seit Längerem auf dem Tisch: Bundesrahmengesetz zur Musterbauordnung, Genehmigungsfiktion, Typengenehmigung.“ Außerdem müssten Maßnahmen ergriffen werden, die die eigentliche Bautätigkeit beschleunigen. Denn immer mehr genehmigte Wohnungen werden nicht gebaut.

Geschosswohnungsbau legte um 4,9 Prozent zu

Für den Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie, Dieter Babiel, ist bei den vom Statistischen Bundesamt veröffentlichten Baugenehmigungszahlen „der einzige Lichtblick“ das Plus im Geschosswohnungsbau von 4,9 Prozent. Dagegen ist die Zahl der Baugenehmigungen für neue Einfamilienhäuser um 1,6 Prozent und für neue Zweifamilienhäuser um 2,9 Prozent zurückgegangen. Die Zahl der Neubaugenehmigungen für Wohnungen in Wohnheimen, zu denen Flüchtlingsunterkünfte gehören, ist stark gesunken (minus 35,9 Prozent). Im ersten Quartal 2018 hatte es erstmals seit Ende 2016 wieder mehr Baugenehmigungen gegeben.

Um die Situation zu verbessern, setze auch die Bauindustrie vor allem auf das Serielle Bauen, erklärte Babiel. Nur so könne man den diagnostizierten Bedarf von 350.000 bis 400.0000 Wohnungsfertigstellungen pro Jahr decken.

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