Die Reform von Basel III ist nach langem Streit beschlossen. Kernpunkt war, mit wie viel Eigenkapital Banken Geschäfte absichern müssen. Jetzt haben sich Notenbanker und Bankenaufseher der 27 wichtigsten Wirtschaftsmächte auf schärfere internationale Kapitalregeln geeinigt, allerdings haben diese deutlich mehr Zeit als zunächst geplant. Die Einführungsphase beginnt anstatt 2019 erst 2022, in voller Schärfe umgesetzt werden müssen die Regeln dann ab 2027.  

"Es wäre schwierig gewesen, das ursprüngliche Datum einzuhalten angesichts der nötigen technischen Umsetzung", erklärte Schwedens Notenbank-Präsident Stefan Ingves, der Vorsitzender des so genannten Baseler Ausschusses, der die Regeln erarbeitet hat, und der bei der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) angesiedelt ist, die ihren Sitz in Basel hat.

>> Zusammenfassung der Basel III-Reform durch die BIZ (englisch)

Großbanken dürfen künftig unter anderem bei der Berechnung von Kreditrisiken nur zu einem bestimmten Maß interne Modelle anwenden. Zu 72,5 Prozent müssen sie sich ab 2027 schließlich an die eher konservativen Standardmodelle halten.

50-Prozent-Aufschlag für systemrelevante Banken

Von systemrelevanten Banken, die im Fall einer Schieflage das Finanzsystem gefährden könnten, verlangen die Aufseher aus Europa und den USA künftig noch dickere Kapitalpuffer: Solche Institute bekommen einen 50-prozentigen Aufschlag auf den risikobasierten Teil ihrer Puffer aufgebrummt, teilten die im Baseler Ausschuss zusammengeschlossenen Bankenaufseher und Notenbanker in Frankfurt mit.

Entscheidend wird sein, dass die Regeln auch weltweit greifen.

EU-Banken müssen im Schnitt 12,9 Prozent mehr Kapital vorhalten

"Die neuen Vereinbarungen sorgten für mehr Sicherheit, ohne die Kapitalanforderungen deutlich zu vergrößern", sagte Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), der außerdem dem Gremium der Chefs von Notenbanken und Aufsichtsbehörden (GHOS) vorsitzt.

Die Europäische Bankenaufsicht EBA rechnete vor, dass EU-Banken nach den neuen Regeln im Schnitt 12,9 Prozent mehr Kapital vorhalten müssen. EU-Finanzkommissar Valdis Dombrovskis mahnte internationale Zusammenarbeit an. Nur so könne weltweit Finanzstabilität und gleiche Wettbewerbsbedingungen garantiert werden.

Bundesbank und Bafin loben Kompromiss

Von deutscher Seite wurde der Kompromiss grundsätzlich gelobt. "Dadurch wird im elften Jahr nach Ausbruch der Finanzkrise endlich eine weitere wesentliche Lehre gezogen", erklärte Bundesbank-Präsident Jens Weidmann.

Bafin-Chef Felix Hufeld stellte fest, die neuen Vorgaben seien für die Branche nicht ganz einfach zu meistern, doch die Banken hätten nun dafür neun Jahre Zeit, sich schrittweise auf die neuen Anforderungen einzustellen.

"Eine machbare Aufgabe", so der Bafin-Präsident.

 

Vor allem die USA hatten auf enge Grenzen für den Einsatz interner Modelle gepocht. Bis zuletzt war darum gerungen worden, um wie viel Prozent der intern ermittelte Wert vom Standardansatz, der so genannte "Output-Floor" abweichen darf.

Der nun vereinbarte Wert von 72,5 Prozent bedeutet, dass eine Bank für einen Kredit, für den der Standardansatz 1.000 Euro Kapitalpuffer vorsieht, mindestens 725 Euro zurücklegen muss, auch wenn das eigene Modell ein niedrigeres Ausfallrisiko und einen geringeren Kapitalpuffer errechnet hat.

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