15.07.2014 | Serie Wissensmanagement in der Immobilienverwaltung

Wissensmanagement im Unternehmen etablieren

Serienelemente
"Die größte Herausforderung ist der Mensch"
Bild: Richard Kunze

Wissen ist das wichtigste Kapital eines Verwaltungsunternehmens. Deshalb befasst sich Immobilienverwalter Richard Kunze seit Jahren mit dem Thema Wissensmanagement. Einblick in seine Erkenntnisse gibt er im 3-teiligen Haufe-Interview. Teil 3: Wie lässt sich Wissensmanagement im Unternehmen etablieren?

Haufe Online Redaktion: Worin sehen Sie die größte Herausforderung bei der Etablierung eines internen Wissensmanagements?

Richard Kunze: Die größte Herausforderung ist der Mensch. Ein Wissensmanagementsystem zu definieren und technisch zu implementieren ist die eine Aufgabe. Den Mitarbeitern das System nahe zu bringen und sie dazu zu bringen, dass sie es akzeptieren und vorbehaltlos nutzen, ist die eigentliche große Aufgabe. Die Einführung eines Wissensmanagement-Systems bedeutet für den Mitarbeiter zunächst einmal die Störung seiner gewohnten Arbeitsabläufe. Es bedeutet für ihn eine zusätzliche Belastung bei der Bewältigung seines Tagesgeschäfts. Er investiert Zeit in Systemschulungen und verlangsamt seine Arbeitsgeschwindigkeit bei der Anwendung noch ungewohnter Arbeitsabläufe. Außerdem verlangt das Wissensmanagement-System Dokumentationsaufwand, den er bisher nicht betrieben und dessen Nutzen, beispielsweise verminderter Suchaufwand in der Zukunft, für ihn zunächst nicht erkennbar ist. Sicherzustellen, dass das System von den Mitarbeitern angenommen und gelebt wird, verlangt einen erheblichen, auf den Mitarbeiter bezogenen Aufwand, der, wenn er nicht betrieben wird, das Scheitern des Wissensmanagement-Systems zur Folge hat. Diese Investition wird in vielen Fällen nicht einkalkuliert. Leider bedeutet intensive Betreuung des einzelnen Mitarbeiters auch Kontrolle. Es muss kontrolliert werden, dass das System angenommen und gelebt wird

Haufe Online Redaktion: Das hört sich ein bisschen an als wäre das Thema Kontrolle sehr wichtig für Ihr Unternehmen. Das passt doch aber eigentlich gar nicht zu dieser Freiheit, die man den Mitarbeitern auch lässt. Ich könnte mir vorstellen, die Mitarbeiter fühlen sich doch nicht andauernd kontrolliert.

Richard Kunze: Eigenverantwortliche Arbeit und Kontrolle ist ein Konflikt. Die Kontrolle erfolgt im Rahmen von sogenannten Audis. Audits sind aber gleichzeitig auch ein Instrument der Unterstützung des Mitarbeiters bei der Anwendung des Wissensmanagement-Systems. Es ist auch die Aufgabe der Auditoren, die Gründe für mögliche Widerstände der Mitarbeiter heraus zu finden und dafür zu sorgen, dass die Gründe und damit die Widerstände beseitigt werden. Es muss dem einzelnen Mitarbeiter vermittelt werden, dass er Teil der Wissensproduktion ist und das System nur mit seiner überzeugten Mitwirkung funktioniert. Es kann aber sein, dass einzelne Mitarbeiter nicht überzeugt werden können. Eine solche Haltung darf nicht akzeptiert werden. In der Konsequenz kann es dazu führen, dass sich das Unternehmen von diesem Mitarbeiter trennen muss.

Haufe Online Redaktion: Werden Mitarbeiter honoriert, die sich besonders gut am Wissensmanagement beteiligen?

Richard Kunze: Ja, insbesondere werden Vorschläge der Mitarbeiter zur Verbesserung des Wissensmanagement-Systems bewertet und beantwortet. Die Mitarbeiter erfahren, ob ihr Vorschlag umgesetzt wird oder sie erhalten eine Begründung, warum er nicht oder noch nicht umgesetzt werden kann.

Haufe Online Redaktion: Erhalten Mitarbeiter, die sich besonders gut beteiligen, einen materiellen Bonus?

Richard Kunze:  In der Regel ist es ein ideeller Bonus. Das Engagement der Mitarbeiter wird in unserer Firmenzeitschrift und im Rahmen unserer Jahrestagung, an der alle Mitarbeiter teilnehmen, gewürdigt.

Haufe Online Redaktion:  Letzte Frage: Wann haben Sie selbst das letzte Mal Wissen geteilt?

Richard Kunze: Das mache ich täglich. Ich speise die Informationen, die ich auf Seminaren, Kongressen oder im Kollegenaustausch erhalte, in der jeweils geeigneten Form in unser Wissensmanagement-System ein.

 

Das Interview führte Dirk Labusch, Chefredakteur der Fachzeitschrift "Immobilienwirtschaft".

 

Zur Person:

Diplom-Kaufmann Richard Kunze ist seit über 20 Jahren Immobilienverwalter. Als Vorstand der KUNZE Beteiligungen und Verwaltung AG in Worms leitet er die Geschicke der KUNZE-Gruppe mit über 20.000 verwalteten Einheiten. Er beschäftigt sich mit den fachlichen Fragen der Immobilienverwaltung genau so gerne und kompetent wie mit den betriebswirtschaftlichen Aufgabenstellungen. Richard Kunze ist Herausgeber des Informationsdienstes "Der Verwalter-Brief".

Schlagworte zum Thema:  Wissensmanagement

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