02.05.2013 | Top-Thema Verwalter- und Maklersoftware

Verwaltersoftware: Mieten statt kaufen

Kapitel
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In der Immobilienbranche ist der allgemeine Trend nach Internetanwendungen noch nicht angekommen. Stattdessen wird immer mehr Software gemietet statt gekauft. Ein Blick auf die neuesten Entwicklungen.

Den Herstellern von Software für die Verwaltung von Immobilienbeständen und Wohnungen scheint es richtig gut zu gehen. Die anhaltende Suche privater und institutioneller Investoren nach Betongold hat auch die Nachfrage nach einer professionellen Verwaltung der Immobilien ansteigen lassen. Gleichzeitig aber steigen die Ansprüche. Denn die Immobilienverwaltungen müssen sich zunehmend professionalisieren.
Ein Trend, den etwa Markus Scheidweiler, Geschäftsführer der Hamburger Alco Computer-Dienstleistungs-GmbH, nicht nur auf den momentanen Immobilienboom zurückführt. Vielmehr erfordern auch die zahlreichen Urteile des Bundesgerichtshofs, etwa zur Ausweisung der Rücklagen, zu den nicht umlagefähigen Nebenkosten oder zu Einzelabrechnungen, von den Verwaltern immer mehr Fachwissen. Dennoch spiegeln sich die zahlreichen Immobilieninvestitionen auch in den Anforderungen an die Software wider. Insbesondere institutionelle Investoren und Großanleger agieren professionell und verlangen von den Hausverwaltungen zahlreiche Daten auf Knopfdruck. Das erhöht die Anforderungen an das Controlling.

Verwaltung effizienter gestalten

Hausverwalter legen daher Wert auf komfortable Lösungen und einfache Workflows. Zusätzliche Aufgaben bedeuten jedoch nicht, dass Verwalter ihre Preise erhöhen können. Dementsprechend müssen sie ihre Arbeit effizienter gestalten. Dabei muss Software helfen.
Glaubt man den neuesten Schlagwörtern der Computerindustrie, leben wir in einer „Shareconomy“. Dahinter steht die Idee, Daten gemeinsam zu nutzen sowie Wissen und Ressourcen über das Internet zu teilen. Zentrales Instrument dieser Idee ist die „Cloud“. Dabei liegen die Daten nicht mehr auf den PCs oder Servern der Hausverwaltung, sondern werden in externen Rechenzentren gespeichert. Der Vorteil ist, dass die Mitarbeiter unabhängig von ihrem Standort auf die Datenbestände zugreifen können. Außerdem reduzieren sich die Kosten für die Datensicherung und Wartung der IT-Systeme. Im vergangenen Jahr nutzte bereits jedes dritte Unternehmen in Deutschland Cloud Computing, vermeldete jüngst der Hightech-Branchenverband Bitkom. Vor allem große Unternehmen sehen die Vorteile, während sich kleinere Firmen noch schwertun, stellte der Verband fest. Dabei bringe Cloud Computing handfeste Vorteile: „Sie bekommen bessere IT-Leistungen zu geringeren Kosten“, ermutigte Verbandspräsident Dieter Kempf die Firmen, den Einsatz zumindest zu prüfen.

Weiter Vorbehalte gegen Cloud

In der Immobilienwirtschaft setzen sich Cloud-Lösungen indes nur sehr langsam durch. Die AW Immoware aus Halle an der Saale setzt mit ihrer webbasierten Immobilienverwaltungssoftware immoware24 schon länger auf die Cloud. Bei Haufe Lexware Real Estate (HLRE) dagegen sieht man es eher als ergänzenden Service. Ebenso abwartend agieren die meisten anderen Hersteller. Der Grund: Insbesondere kleinere Hausverwaltungen haben Vorbehalte gegen die Auslagerung ihrer Daten. „Die Hausverwaltungen wollen ihre Daten gerne im Hause haben“, beobachtet etwa Hans Gänsslen von G+H Software in Metzingen. Die größten Bedenken gibt es in Hinblick auf die Sicherheit der Daten. AW-Immoware-Sprecherin Heike Steib versucht, diese Bedenken zu verringern. Zum einen seien die Daten mit der gleichen Technik verschlüsselt wie beim OnlineBanking, zum anderen lägen sie nicht irgendwo im Ausland, sondern in einem Rechenzentrum in Deutschland. Damit unterliegen sie den strengen deutschen Sicherheits- und Datenschutzanforderungen.
Während die Cloud wohl noch etwas braucht, um sich auch in der Immobilienwirtschaft durchzusetzen, scheint die Miete von Software weiter auf dem Vormarsch zu sein. „Die meisten Neukunden mieten die Software und kaufen nicht mehr“, beobachtet etwa Volkmar Deflize, Inhaber der Deflize und Partner GmbH aus Ludwigshafen. Gezahlt wird je nach Vertragsgestaltung eine monatliche Pauschale oder die aktuelle Nutzung des Programms. Die hohe Nachfrage nach Immobilien könnte diese Entwicklung zusätzlich beschleunigen. Während bei Kaufsoftware die Einnahmen der Hersteller weitgehend unabhängig von der Zahl der verwalteten Wohnungen sind, schlägt sich die Zahl der Wohneinheiten bei vielen Mietprogrammen durchaus in höheren Preisen nieder. Immer mehr Softwareanbieter bieten bereits Teilbereiche ihrer Software über das Internet an oder lassen die Kunden auf bestimmte Module online zugreifen. „Im Neugeschäft spielt die Bereitstellung von Unternehmenssoftware als internetbasierter Service seit zwei Jahren eine wichtige Rolle und gewinnt kontinuierlich an Bedeutung“, sagt HLRE-Vorstand Dirk Forke.

Schlagworte zum Thema:  Immobilien-Software, Hausverwaltung, SEPA

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