VDIV-Interview zu Herausforderungen für Immobilienverwalter

Veraltete Vergütungsstrukturen, neue Geschäftsmodelle, digitale Innovation. Ein Gespräch mit Wolfgang D. Heckeler, Präsident des Verbandes der Immobilienverwalter Deutschland (VDIV), und Geschäftsführer Martin Kaßler über den Umbruch der Branche.

Anlässlich des 27. Deutschen Verwaltertages im Juni in Berlin hatte sich der bisherige Dachverband Deutscher Immobilienverwalter (DDIV) erstmals unter der neuen Marke VDIV vorgestellt. Hintergrund war vor allem, dass Landesverbände und Dachverband nach außen besser als Einheit wahrgenommen und politisch schlagkräftiger werden. Erneuerung findet nach Angaben der Verbandsführung aber an anderer Stelle statt.

Herr Kaßler, Verwalter waren bisher nicht unbedingt die Treiber der Innovation. Ändert sich das gerade?

Kaßler: Wir haben die Schnittstellenproblematik als ein großes Problem definiert, das die digitale Innovation bei Verwaltern hemmt. Denn die unterschiedlichen ERP-Systeme haben keine einheitlichen Schnittstellen. Jeder Verwalter, der heute "digitaler" werden will, stellt sich sofort die Frage, ob das mit seinem ERP-System vereinbar ist. Deshalb haben wir einen Arbeitskreis Digitalisierung einberufen, der sich intensiv damit beschäftigt und Lösungen finden wird.

Solche Vorstöße gab es schon oft…

Kaßler: Ja, aber noch nicht vom VDIV. Und wir werden Erfolg haben. Derzeit lassen wir eine Machbarkeitsstudie für viel Geld erstellen und hoffen, die Frage beantwortet zu bekommen, ob es tatsächlich möglich ist, einen einheitlichen Branchenstandard einzuführen – nicht nur in der Theorie, auch in der Praxis.

Wann soll die Studie fertig sein?

Kaßler: Ende des Jahres. Dann wissen wir, ob eine praktische Umsetzung realistisch und finanziell umsetzbar ist.

Digitalisierung kostet viel Geld. Wie soll das aufgebracht werden? Allein über Honorarerhöhungen der Verwalter?

Heckeler: Unsere Unternehmen sind tatsächlich dazu verdammt, ihre Vergütungsstrukturen deutlich anzupassen, sonst werden sie große Probleme haben und erleben das Zeitalter der Digitalisierung gar nicht. Es ist hart, aber: Wer hier nicht mitmacht, wird abgehängt.

Gibt es nicht längst einen Konsolidierungsprozess?

Kaßler: Es gibt zwei Tendenzen: einen Konzentrationsprozess bei den Kleinstunternehmen, aber insgesamt einen Wachstumsprozess der Branche. Allein in den vergangenen Jahren stieg die Anzahl der Unternehmen um fünf Prozent. Offenbar wird die Branche von außen als ein lukratives Betätigungsfeld gesehen...

Heckeler: Das sind zum Beispiel Banken, etwa Volksbanken, Raiffeisenbanken und Sparkassen. Die suchen nach neuen Betätigungsfeldern. Wir haben die ersten Mitglieder aus diesem Bereich.

Fachkräftemangel und Digitalisierung

Kann der Fachkräftemangel gelöst werden durch Rationalisierung?

Kaßler: Digitalisierung ist eine Chance, dem Fachkräftemangel zu begegnen. Und ohne Rationalisierung geht es künftig nicht mehr. Entscheidend wird aber sein, wie wir mit den Mitarbeitern umgehen. Wenn ich digitalisiere, brauche ich für sie einen Beipackzettel. Das Produkt ist immer an den Menschen gekoppelt.

Welche Probleme sind für die VDIV-Mitglieder heute die wichtigsten? Recht?

Heckeler: Juristische Fragen stehen nicht mehr ganz so sehr im Vordergrund. Was deutlich zugenommen hat, ist das Interesse an technischer Gebäudeausstattung und der Qualifikation der Mitarbeiter. Oder die Frage danach, woran man gute Weiterbildung erkennt. Dabei geht es nicht darum, die eigenen Produkte in den Vordergrund zu stellen. Die Mitglieder erwarten objektive Antworten und Orientierung. Wir versuchen daher, auch neue Seminarformen zu entwickeln. Und neue Themen anzubieten: Führungskultur, Mitarbeiterbindung und -gewinnung etwa.

Nehmen Fragen zum Bereich Digitalisierung zu?

Kaßler: Ja. Die Unternehmen sind hier auch untereinander gut im Austausch, etwa in unseren Erfa-Gruppen oder beim Forum Zukunft. Es wird zum großen Thema – keine Frage.

Heckeler: Im Moment ist vieles im Umbruch. Immer häufiger interessiert dabei, wie Mitarbeiter gewonnen und gehalten werden können. Von flexiblen Arbeitszeitmodellen über die betriebliche Altersvorsorge und die Weiterbildung wird intensiv diskutiert.

Das vollständige Interview erschien im Magazin "Immobilienwirtschaft", Ausgabe 10/2019.


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