10.02.2015 | Top-Thema Technologie & IT

Interview mit Dr. Carsten Thies: Mit langem Atem in die Cloud

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Dr. Carsten Thies
Bild: Haufe Online Redaktion

In den nächsten fünf Jahren wird die Haufe Gruppe im zweistelligen Millionenbereich in die Weiterentwicklung ihrer IT-Produkte für die Wohnungs- und Immobilienwirtschaft investieren, kündigt Geschäftsführer Dr. Carsten Thies im Gespräch mit der Fachzeitschrift  „Immobilienwirtschaft“ an.

Herr Dr. Thies, macht der Trend zu Digital Real Estate auch Ihr Geschäft leichter?

Die technologiegetriebenen aktuellen Trends sind eine Herausforderung, die Dinge anders zu machen. In der Immobilienbewirtschaftung und -verwaltung sind noch viele Systeme im Einsatz, die vor etwa 20 Jahren entwickelt wurden und jetzt das Ende ihres Lebenszyklus erreichen. Diese Systeme ermöglichen kein flexibles Anpassen an die moderne Welt, in der Oberflächen zu verändern und Cloud-Services anzubinden sind.  Viele gerade kleinere Anbieter werden nicht in der Lage sein, den Schritt in eine neue Produktgeneration zu leisten. Als Teil einer innovativen und starken Unternehmensgruppe bieten sich für uns attraktive Chancen in diesem Umfeld.


Welche modernen Funktionalitäten sind denn in Ihren Produkten schon vorhanden?

Unsere Kunden arbeiten etwa mit der Handwerkerkopplung. Es werden Daten getauscht in Auftragserstellung und -annahme, Rechnungsstellung und -verarbeitung im ERP-System. Das Management von Wohnungsinteressenten erledigen unsere Kunden übers Web mit unserer Partnerlösung von Immosolve. Bereits seit 2010 gibt es die Haufe Wohnungsübergabe-App. Ab sofort bieten wir die App mit bidirektionalem Datenaustausch zwischen mobilem Endgerät und Wowinex.  

Wowinex? Was verbirgt sich hinter dieser Bezeichnung?

Wowinex ist der Nachfolger von Wowi c/s. Wir haben das ERP-System Wowi c/s nach der Übernahme der ESS AG auf den Prüfstand gestellt und dessen technische Weiterentwicklung nochmal modifiziert. Es bleibt dabei, dass wir Wowi c/s nicht ablösen. Wir werden das System jedoch weiterentwickeln. In Dreijahres-Zyklen werden neue Versionen erscheinen, mit denen wir stetig die Oberfläche, die Unterstützung der Kundenprozesse, die Web-Fähigkeit und die Anbindung mobiler Endgeräte verbessern. Der Namenszusatz c/s steht ja für client/server – deshalb war es uns wichtig, auch im Namen eine Änderung vorzunehmen. Wowinex kummuniziert  jetzt den Generationswechsel klar nach außen.

Wird mit Wowinex berichtigt, was mit Leonardo nicht so gut geklappt hat?

Ja, wir haben den Ansatz von Leonardo überarbeitet. Er war ja grundsätzlich nicht falsch. Wir werden daher weiter auf der Progress-Datenbanktechnologie bleiben. Die Leonardo-Kunden bekommen das Update kostenlos.
 
Progress ist ein Datenbank-Dinosaurier. Warum setzen Sie weiter darauf?

Progress ist eine hoch performante und zuverlässige Technologie, die bei vielen renommierten Großunternehmen im Einsatz ist. Unsere Architekten haben sich intensiv mit der Plattform auseinandergesetzt. Wir sind sicher, dass unser Technologiepartner Progress unseren Kunden und uns sehr gute Perspektiven bietet. Die Anforderungen, die wir an unsere neue Lösung Wowinex stellen, können wir mit der Progress-Datenbank gut umsetzen. Wir werden in den nächsten fünf Jahren weitere erhebliche Mittel in Wowinex investieren.

Wie hoch ist die Investitionssumme?

Wir planen Investitionen im zweistelligen Millionenbereich.

Die Haufe Gruppe hat in den letzten Jahren unterschiedlichste ERP-Systeme oder Hausverwaltungsprogramme akquiriert. Wird nun allen Kunden ein skalierbares Wowinex angeboten?

Nein. Wir werden langfristig sowohl die wesentlichen Segmente – auf der einen Seite Immobilien- und Fremdverwalter und auf der anderen Seite die Wohnungsunternehmen – als auch die unterschiedlichen Unternehmensgrößen differenziert bedienen.

Was bleibt dann von den derzeit sieben Produkten übrig?

Wir streben eine Vier-Produkt-Strategie mit Lexware Hausverwalter, Haufe Powerhouse, Haufe Wowinex und Haufe inhouse an. Die Haufe Immobilienverwaltung läuft noch bis 30. Juni 2015. Anschließend werden wir Haufe Hausverwaltungsmanagement und Haufe ImmoExpress ablösen. Langfristig führen die Wege in die Cloud und dafür wird es neben der Modernisierung von wowinex eine Neuentwicklung geben.

Bedeutet langfristig, dass am Ende Ihrer Fünf-Jahres-Planung zwei Produkte übrig bleiben?

Wir werden zwei Cloudfähige-Lösungen in zwei bis drei Jahren am Markt haben. Die Kunden werden entscheiden, wie schnell sie wechseln. Heute ist die Skepsis gegenüber Cloudlösungen noch groß wegen der Datensicherheit…

… Ist ja auch berechtigt ...!

Doch genau dieses Argument wird sich umkehren! Denn die meisten Kunden werden bald in ihren Betrieben die erforderlichen Sicherheitsstandards nicht mehr gewährleisten können. Unternehmen müssen sich professionell aufstellen, um ihre personen- und unternehmensbezogenen Daten mit geeigneten Partnern zu schützen.


Riskieren Sie in diesen fünf Jahren nicht, viele Ihrer Kunden an die Konkurrenz zu verlieren?

Nein. Wir bieten heute wettbewerbsfähige und zuverlässige Lösungen, mit denen unsere Kunden rechtssicher und effizient alle Prozesse rund um die Immobilie managen. Und wir bieten eine hervorragende langfristige Perspektive als innovativer Lösungspartner. Die meisten Anbieter in unseren Märkten können diese langfristige Perspektive nicht leisten. Deswegen sehe ich uns wirklich sehr gut aufgestellt.  

Welche Konkurrenten erwarten Sie denn auf diesem Weg?

Die hohen Anforderungen an schlanke Lösungen, die die Unternehmensprozesse effizient unterstützen, Arbeiten mit mobilen Endgeräten ermöglichen und die erforderlichen Sicherheitsstandards bieten, erfordern hohe Investitionen. Daher erwarten wir eine weitere Konsolidierung im Markt. Als führender Anbieter mit einer klaren Strategie sehen wir uns gut aufgestellt. Weitere Anbieter in diesem Markt, mit denen wir auch in Zukunft rechnen, sind sicherlich Aareon und Immobilienscout.
   
Wie skizzieren Sie Ihre Marktstrategie in den wichtigsten Ausprägungen?

Das Wichtigste ist für uns die prozessorientierte Unterstützung unserer Kunden in der Verwaltung und Bewirtschaftung ihrer Immobilien, damit sie ihre Aufgaben schneller, effizienter, komfortabler und mit höherer Qualität erledigen können. Dafür werden wir unsere Lösungen  – eigene und solche von Partnern – weiterentwickeln, damit der Nutzer alle Aufgaben an seinem Arbeitsplatz und in seinem Ökosystem abdecken kann. Das umfasst neben der Software Dienstleistungen, Fachwissen, Training und Beratung sowie Austausch in der Community.

Dafür allerdings ist Cloudfähigkeit unabdingbar.

Das ist richtig. Es erfordert die Cloudfähigkeit aller Produkte. Denn für uns gehört auch die Umstellung von funktions- und modulorientierter hin zu einer prozessorientierten Arbeitsweise dazu. Dort sehen wir in Zukunft unser Alleinstellungsmerkmal. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Nutzung von Plattformen innerhalb der gemeinsamen Infrastruktur der Haufe Gruppe, um den Kunden überlegene Lösungen zu wettbewerbsfähigen Preisen bieten zu können. Wir werden auf diese Weise unsere Investitionen auf viele Kunden verteilen können. Damit bieten wir unseren Kunden hochmoderne Technologie zu sehr wettbewerbsfähigen Preisen.

Dieser Artikel ist erschienen im Fachmagazin "Immobilienwirtschaft"  (Ausgabe 02/2015)

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Schlagworte zum Thema:  Immobilien-Software, Wohnungswirtschaft, Immobilienwirtschaft

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