07.02.2011 | Verwalter

Studie: Erkundigungen schützen vor Mietnomaden

Erkundigungen über den Mietinteressenten verringern die Gefahr, Opfer von Mietnomaden zu werden. Das ist die zentrale Erkenntnis einer Studie, die in Berlin vorgestellt wurde.

Das Bundesministerium für Verkehr, Bauen und Stadtentwicklung (BMVBS) hat eine Studie zum Phänomen der Mietnomaden vorgestellt. Die Universität Bielefeld hat die Studie im Auftrag des BMVBS und des Bundesjustizministeriums erstellt. Der Studie liegen hauptsächlich die Ergebnisse aus einer Befragung von Vermietern zugrunde.

Als Mietnomaden im Sinne der Studie wurden Personen definiert, „die in betrügerischer Absicht Mietverhältnisse begründen, keine Miete zahlen und die Wohnung u. U. verwahrlost zurücklassen oder sich herausklagen lassen". Von den rund 1.350 gemeldeten Fällen konnten die Forscher 426 unter diese Kategorie fassen. In 210 Fällen hiervon zahlten die Mieter überhaupt keine Miete.

Die Ersteller der Studie betonen allerdings, dass diese keine Rückschlüsse über das tatsächliche Aufkommen von Mietnomaden zulasse.

Mehr private Vermieter betroffen

Die Wissenschafter stellten fest, dass private Gelegenheitsvermieter öfter von Mietnomaden betroffen sind als professionelle Vermieter. Dies führen sie darauf zurück, dass die meisten professionellen Vermieter vor Vertragsabschluss Informationen über die künftigen Mieter einholten, von den privaten Vermietern aber nur ein Drittel der Befragten. Von diesen wiederum gebe sich die Mehrheit mit Mieter-Selbstauskünften zufrieden.

Den Schluss, dass unterlassene Erkundigungen das Mietnomadentum erst ermöglichen, wollten die Wissenschaftler nicht ziehen. Doch bestehe ein ursächlicher Zusammenhang zwischen der vorvertraglichen Informationsbeschaffung durch den Vermieter und dem Risiko, Opfer eines Mietnomaden zu werden.

Informieren kann schützen

Angesichts dieser Erkenntnisse bestehe für Vermieter der Anreiz, ihre Möglichkeiten im vorvertraglichen Bereich auszuschöpfen, soweit dies der Datenschutz zulasse. Andererseits sollten auch Mieter sensibilisiert werden, dass eine Informationsbeschaffung durch den Vermieter Ausdruck von dessen berechtigtem Informationsinteresse sei.

Die Forscher weisen darauf hin, dass private Vermieter über dasselbe Instrumentarium verfügen wie professionelle Vermieter, was Selbstauskünfte der Mieter betreffe. Eingeschränkt sei aber die Möglichkeit privater Vermieter, mit der Schufa zusammenzuarbeiten. Professionelle Vermieter könnten bei der Schufa nicht nur Informationen abrufen, sondern auch z. B. Zahlungsprobleme im Mietverhältnis dorthin melden (Prinzip der Gegenseitigkeit). Hingegen seien private Vermieter darauf beschränkt, sich vom potenziellen Mieter eine Selbstauskunft vorlegen zu lassen. Hier lohne es sich, das Angebote anderer Auskunfteien mit dem der Schufa zu vergleichen und zu erörtern, ob auch für private Vermieter ein Informationsangebot bereit gestellt werden könne, das auf Gegenseitigkeit basiert.

Vermieter scheuen oft die Kosten

Die befragten Vermieter, die erst einmal ein „faules Ei“ im Nest hatten, erklärten im Schnitt gut einen Monat nach Entstehung des Kündigungsgrundes die Kündigung. Gut 3,5 Monate vergingen im Schnitt zwischen Kündigung und Räumungsklage. Verzögerungen beruhten hier den Forschern zufolge insbesondere darauf, dass die Vermieter die Kosten fürchteten und Mieter in Aussicht stellten, die Wohnung bald zu räumen. Zudem müssten sich Vermieter oft erst rechtskundig machen.

Zwischen Klageerhebung und Urteil vergingen in den untersuchten Fällen im Schnitt 5,3 Monate. Die Bereitschaft der Mieter, sich gegen eine Räumungsklage zu wehren, war offenbar schwach ausgeprägt: Etwa 50 Prozent der Prozesse konnten ohne mündliche Verhandlung durch Versäumnisurteil erledigt werden.

Zwischen Vorlage des Räumungstitels und der Räumung vergingen durchschnittlich 2,6 Monate. In den meisten Fällen sei das darauf zurückzuführen, dass die Vermieter den fälligen Vorschuss nicht gezahlt hatten. Hingegen sei Arbeitsüberlastung der Gerichtsvollzieher kein Verzögerungsgrund.

Schäden zumeist unter 10.000 Euro

Zur Schadenshöhe gaben 45 Prozent der betroffenen Vermieter an, dass diese unter 5.000 Euro liege, die Schäden weiterer 30 Prozent blieben unter 10.000 Euro. 8 Prozent bezifferten ihren Schaden mit über 20.000 Euro.

Vielen der Befragten ist aufgrund ihrer Erfahrungen die Lust am Vermieten vergangen: 25 Prozent gaben an, nicht mehr vermieten zu wollen.

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