Der Verband Wohnen im Eigentum hat erstmals Wohneigentumsgemeinschaften nach dem Sanierungszustand ihrer Objekte befragt. Das Ergebnis fällt ernüchternd aus – und dabei scheitert es nicht mal am Geld. Meist halten fehlende Informationen und mangelnde Motivation Deutschlands Wohnungseigentümer von größeren Sanierungsvorhaben ab.

Einer Umfrage des Branchenverbands Wohnen im Eigentum e.V. zufolge sind in 43 Prozent der Wohnungseigentümergemeinschaften (WEG) gar keine Sanierungsmaßnahmen geplant, obwohl die Befragten in 40 Prozent der Anlagen Sanierungsstaus erkannt haben.

In den WEG wiederum, in denen Eigentümer aktiv werden, handelt es sich vorwiegend um einzelne, unumgängliche Sanierungsmaßnahmen. „Maßnahmen für mehr Wohnkomfort und Barrierefreiheit, energetische Komplett-Sanierungen oder eine Umstellung auf Energiecontracting spielen keine nennenswerte Rolle“, hält der Verband weiter fest. Nach seinen Angaben handelt es sich bei der am Freitag in Berlin vorgestellten Befragung von mehr als 2.000 Wohnungseigentümern bundesweit um die erste Untersuchung in der Branche seit Inkrafttreten des Wohnungseigentumsgesetzes 1951.

In 73 Prozent der WEGs sind die Eigentümer zu passiv

Grundsätzlich begrüßen die Eigentümer dieser Umfrage zufolge Sanierungsmaßnahmen, tragen diese doch zum Werterhalt von Wohnungen bei. Allerdings klaffen offenbar Wunsch und Wirklichkeit auseinander.

Die aktiven Eigentümer stehen häufig einer „passiven, bremsenden Mehrheit und/oder einer unqualifizierten oder desinteressierten Verwaltung gegenüber“, so der Verband.

In 73 Prozent aller WEGs seien zu viele Eigentümer passiv. Damit scheitern Vorhaben oft, bevor es zu Finanzierungsfragen kommt:  Mehr als die Hälfte der Befragten antwortete, dass fehlende Mittel nicht der Grund für ausbleibende Sanierungsarbeiten seien. „In der Mehrzahl der WEGs sind erst andere Probleme zu lösen, damit größere und kostenintensivere Maßnahmen überhaupt ins Rollen kommen“, bekräftigt der Verband.

Verband: Immobilienverwalter müssen fachkundiger werden

Der Verband fordert zum einen, die wenigen aktiven Eigentümer in ihrer Rolle als „Kümmerer“ zu stärken. Zum anderen müssten Immobilienverwalter fachkundiger und kompetenter werden. Ihre Kunden – die Eigentümer – hätten als Verbraucher ein Recht auf verständliche Informationen, Beratung in Rechtsfragen und auf die Vermittlung von Experten wie Architekten oder Energieberater.

Der Beruf des Immobilienverwalters erlebt rasante Umwälzungen, die Branche muss sich den Herausforderungen stellen: Was gefragt ist und wie Property Manager den neuen Aufgaben gerecht werden können, haben unser Autor Hans-Jörg Werth und der Chefredakteur der Zeitschrift Immobilienwirtschaft, Dirk Labusch, vor Kurzem zusammengefasst.

Der Verband setzt zunächst Hoffnungen in den geplanten Sachkundenachweis für Verwalter als Qualifizierungsbeleg. Die Einführung einer Berufszulassungsregelung für gewerbliche Immobilienmakler und Verwalter von Wohnungseigentum befindet sich derzeit im parlamentarischen Verfahren und soll noch in diesem Frühjahr verabschiedet werden.

Wohnungseigentümern entstehen wegen fehlerhafter Immobilienverwaltung finanzielle Schäden von bis zu 25 Millionen Euro pro Jahr, wie eine Umfrage des Dachverbandes Deutscher Immobilienverwalter (DDIV) ergab.

Der Gesetzgeber müsse WEGs als Verbraucher ernst nehmen, so der Branchenverband Wohnen im Eigentum e.V. weiter. Das Bundesverbraucherschutzministerium komme diesem Anspruch mit der Förderung eines „Werkzeugkastens Gebäudesanierung für WEGs“ nach: Auf dem Internetportal des Verbands sind Arbeitshilfen rund um die Gebäudesanierung kostenfrei erhältlich.

Drei Fragen an Sabine Feuersänger, Referentin bei „Wohnen im Eigentum“

Sabine Feuersänger, Referentin, Wohnen im Eigentum e.V.

Haufe online: Der Run auf Immobilien ist ungebrochen. Wie verändert das Eigentümerstrukturen und Anforderungen an das Umfeld?

Feuersänger: Wer sich für einen Wohnungskauf interessiert, kümmert sich meist nur um die Lage und Art der Wohnung und um Finanzielles. Dabei kauft man sich in eine Gruppe von bestimmten Menschen ein – etwa so, wie wenn man früher in eine WG gezogen ist, nur dass es jetzt um gemeinsames Eigentum geht. Wir raten also dringend dazu, von vornherein zu schauen: Wie verlaufen die Eigentümerversammlungen? Wo gibt es Streit? Hier sollte die Beschlusssammlung der WEG bei der Verwaltung eingesehen werden.

Haufe online: Kommen Verwalter diesen gewachsenen Aufgaben zum Beispiel beim Informieren und Vermitteln nach?

Feuersänger: Auf jeden Fall sollte sich ein Käufer auch von der Verwaltung einen Eindruck verschaffen, unqualifizierte Verwaltungen gibt es leider nicht selten. Das hat dann auch Einfluss auf Sanierungsprojekte. Wir erhoffen uns folglich viel von dem geplanten Sachkundenachweis für Wohnungseigentumsverwalter, der endlich eine Messlatte für Qualität in dem Beruf schaffen soll.

Haufe online: Ihrer Umfrage zufolge scheitern Sanierungsvorhaben jeglicher Art häufig schon, bevor es zur Finanzierungsfrage kommt.

Feuersänger: Das hat uns überrascht! Der Knackpunkt sitzt wohl tatsächlich nicht beim Geld. Oft sind sich die Eigentümer nicht einig, Mehrheiten kommen nicht zustande, Verwaltungen planen konzeptlos und Vorhaben werden abgebrochen, bevor es um die Kosten geht. Viele Eigentümer sind sich vermutlich auch noch nicht der Schadensdimension bewusst, den ein Sanierungsstau auslösen kann – schließlich werden viele Probleme erst nach und nach akut. Der Gebäudebestand vieler WEGs kommt aus den Nachkriegsjahren und fängt langsam an zu bröckeln.

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