09.09.2014 | Top-Thema Roundtable Digital Real Estate 2014

Innovationsmanagement

Kapitel
Bild: Haufe Online Redaktion

Wo sind die IT-Systemhäuser Treiber und wo Getriebene der mächtigen globalen Strömungen mobil, Cloud und Big Data? Wie gestalten die Firmen die Innovationsprozesse?  Welche Marktstrategien fahren die Unternehmen? Und welche neuen Technologien stehen kurz vor der Marktreife? Ein Entscheider-Round-Table.

Teilnehmer: (von links) Dr. Klaus Grüning, IMS; Richard Gerritsen,Yardi; Jens Kramer, Promos consult; Marco Hofmann, SAP Deutschland; Dr. Olaf-Rüdiger Hasse, Aareon.

Moderation: Jörg Seifert, Immobilienwirtschaft

Immobilienwirtschaft   Stichwort Digitales Ökosystem. Es gibt ja einige Altprodukte im Markt. Sind diese noch fähig, sich zu adaptieren? Ich denke da an GES, dessen Bestandszusage für die Kunden im nächsten Jahr überdacht werden soll. Gibt es schon Neuprodukte die diese Altprodukte ersetzen können und sind die Kunden dazu schon bereit, Herr Dr. Hasse?

Dr. Hasse            Warum überrascht mich diese Frage nicht...? Aareon bietet nach meinem Kenntnisstand als einziger Anbieter Releasezusagen für fünf Jahre. Dass wir in diesen langen Zeiträumen neue Produkte einführen und mittelfristig andere Produkte vom Markt genommen werden ist ein normaler Prozess. Wir wollen die Digitalisierung für die Branche nutzbar machen. Dabei werden wir uns mittelfristig auf zwei ERP-Systeme, SAP-Lösungen und Blue Eagle sowie Wodis Sigma konzentrieren, weil das technologische Vorteile hat. Schon heute gilt: unsere Produkte sind - natürlich mit unterschiedlich hohem Aufwand - mit Portalen und mobilen Endgeräten integrierbar. Hier punkten die modernen Systeme.

Kramer                Interessant ist an dieser Stelle neben dem GES-Beispiel, dass hier auch direkt die Frage beantwortet werden kann: "Was habe ich davon?" Ein Trend der letzten Jahre waren beispielsweise digitale Stifte. Der Medienbruch war minimal. Jeder meinte, er könne damit umgehen. Doch wenn sich ein Feld in einem einfachen Formular ändert, dann ist es schier nicht möglich, mehr als 10 Geschäftsstellen koordiniert jeweils auf den neuesten Stand zu bringen. Diesen Änderungsprozess im Griff zu haben, ist zudem irre teuer. Und dann plötzlich rechnet sich das Ablösen dieser Altsysteme. Ich kann mit einer einzigen Endgeräteklasse auf alle notwendigen Daten mobil zugreifen und sämtliche Tätigkeiten in der mobilen Objektbetreuung mit einem Tablett-PC erledigen. Das spart sowohl das Geld für das separate Notebook bzw. den stationären PC, aber auch die damit verbundenen Softwarelizenzen. Was ich davon habe? Eine Break-even-Rechnung zeigt dies ganz leicht. 

      

Dr. Hasse            Kann ich nur unterstützen. Mobility etwa wird in fünf Jahren ein Feature eines jeden Geschäftsprozesses sein.   

Gerritsen            Wir hatten es ja vorhin vom Endnutzer, den interessieren diese Themen Citrix und Datenarchitektur allesamt nicht!

Kramer                Wir kamen vom Geld sparen, deswegen stiegen wir so tief ein. 

Dr. Hasse            Auch vom Benutzerkomfort hatten wir's. Um eine Oberfläche zu bauen, die zukünftigen Nutzeranforderungen entspricht muss man sich schon ein paar grundlegende Gedanken zur Datenarchitektur machen. Technologie macht das erst möglich. Aber ich kann keine Technologiediskussion führen, wenn ich mir überlege, welches Geschäftsmodell in fünf Jahren tragen wird. 

Hofmann            Entscheidend ist die Adaption von Innovation. Fortlaufende Innovationen und technische Verbesserungen der bestehenden SAP-Anwendungslandschaft werden über kleine Pakete – die sogenannten Enhancement Packages – ausgeliefert. Sie geben Unternehmen die Flexibilität, ihrer SAP-Software genau die Funktionen und technischen Verbesserungen hinzuzufügen, die sie benötigen. So sind die Kunden immer up-to-date auch ohne jedes Mal einen technischen Release-Wechsel durchzuführen. Deshalb forcieren wir auch das Thema Cloud. Die meisten Entscheidungen für innovative Projekte erfolgen auch nicht ohne einen klaren Business Case. Wenn sich eine Innovation nicht rechnet, werden solche Entscheidungen, nur weil es ein schönes Feature ist, auch nicht mehr getroffen.   

Dr. Hasse            Bei unserer Cloudstrategie etwa geht es nicht um das Virtualisieren von Daten, sondern um das Virtualisieren von Lösungen. Wir müssen natürlich unsere Softwarelösungen und -Architekturen flexibilisieren um darauf reagieren zu können.

Hofmann            Innovationen entstehen heute nicht mehr durch einen Anbieter allein, sondern sie entstehen im Rahmen eines Netzwerks. Als SAP haben wir uns vom ERP-Anbieter zum Plattform-Unternehmen entwickelt. Auf diesen Plattformen betreiben wir gemeinsam mit Partnern und Kunden Innovationen. Die enge Zusammenarbeit im Rahmen von Co-Innovationsprojekten mit Kunden und Partnern aus dem Ökosystem ist für Anbieter wie SAP heute selbstverständlich. Das ist ein ganz wesentlicher Aspekt, gerade auch wenn wir über Neuerungen in unserem digitalen Business sprechen.

Immobilienwirtschaft  Wie und wo tauschen Sie sich da aus?

Hofmann            Zum einen natürlich im bestehenden Immobilienpartnernetzwerk; im Mobility-Bereich waren wir unlängst beispielsweise mit Aareon und Promos unterwegs. Im Austausch mit Kunden nutzen wir verstärkt den Design-Thinking-Ansatz. Mit unserem Innovationscenter, dem Hasso-Plattner-Institut in Potsdam, haben wir eine wunderbare Möglichkeit zur Interaktion mit Kunden. Das wird rege zur Co-Innovation genutzt.

Dr. Hasse            Das haben wir bei der Auswahl unseres CRM-System ganz genauso gemacht: mit ausgewählten Kunden. Wir beteiligen uns deswegen auch an internationalen Projekten mit vielen Partnern wie bei "I stay at home". Dort lernen wir sehr viel voneinander. Zudem unterstütze ich sehr die Vernetzung in andere Branchen und mit Universitäten. Innovation entsteht nicht durch eine tolle Idee - es ist die Adaption von vielen kreativen Lösungen. 

Immobilienwirtschaft    Wie gestaltet Yardi Innovationsprozesse? Als internationaler Player müssen Sie ja auf die Gegebenheiten in vielen Ländern reagieren. 

 

Gerritsen            Stimmt, wir haben sehr viele Konzepte aus vielen Ländern zu koordinieren. Wir haben deshalb sehr viel Kontakt mit Kunden und mit Beratern, zudem sind wir ein offizieller Microsoft-Shop. Bei neuer Technologie arbeiten wir sehr eng mit Microsoft zusammen. Wir transformieren diese Technologie in nutzwertige Funktionalitäten für unsere Branche und Kunden. Wir versuchen zu adaptieren, wie etwa der Facilitymanager arbeiten wird in 2-3 Jahren. Seit 2001 sind wir völlig webbasiert. Richtige Saas-Modelle, wo der Kunde sich aus der Yardi-Plattform alles herauspicken kann, was er braucht. Man sieht das im Online Accounting, das ist standardisiert. Da brauche ich mir als Kunde keine Gedanken zu machen, was ich nehme. Auch im Immobilienbereich ist diese Lösung sehr nahe. Die Kunden kaufen sich in eine richtige Saas-Lösung ein. Keine Implementierung mehr. Die Unternehmen fangen direkt mit der Dateneingabe an. In der US bieten wir unseren Kunden schon richtige Saas-Modelle, wo der Kunde sich aus der Yardi-Plattform alles herauspicken kann, was er braucht. Man sieht das im Online Accounting, das ist standardisiert. Da brauche ich mir als Kunde keine Gedanken zu machen, was ich nehme. Auch im Immobilienbereich ist diese Lösung sehr nahe. Die Kunden kaufen sich in eine richtige Saas-Lösung ein. Keine Implementierung mehr. Die Unternehmen fangen direkt mit der Dateneingabe an. Wir erwarten, dass es noch einige Jahren dauern wird bis der deutsche Markt eine solche Lösung nachfragt.  

Immobilienwirtschaft  Dr. Grüning bei Ihnen als kleinerem Unternehmen: läuft das Innovationsmanagement alles über Ihren Schreibtisch und durch Ihren Kopf?

Dr. Grüning        Ein bißchen schon, da sind wir anders aufgestellt als SAP. Wir machen alles selbst. Deswegen sind wir ganz eng im Kundenkontakt. Zweimal im Jahr sitzen wir mit ihnen im sogenannten Prioritätenkreis. Die Entwickler diskutieren die Entwicklungsprioritäten mit den Kunden. Diese gegenseitige Befruchtung führt zu Auftragspaketen und zum Beispiel auch zu unserem monatlichen Newsletter "What's new?" Da kommen auch die direkten Anwender und nicht nur deren Geschäftsführer zu Wort. Da es uns erst seit zehn Jahren gibt, haben wir auch keine Probleme mit Altprodukten...

Dr. Hasse            ...Problem ist ein böses Wort….

Dr. Grüning        ...nehme ich hiermit zurück…

Dr. Hasse            ...ein wirkliches Problem in diesem Prozess ist: Die Kernfrage dreht sich doch nicht um Technologie, sondern um gesellschaftliche Veränderungen, Trends, Geschäftsmodelle und ihre Umsetzung. Dann kommt IT als Werkzeug, das viele neue und verbesserte Themen ermöglicht. Diesen Themenkomplex füllen wir auf unserem Aareon-Kongress in Garmisch und beim Wodis-Sigma-Forum in Dortmund.

Gerritsen            Klar müssen wir den Kunden zuhören, aber sie erwarten auch die Antwort von uns, wie es in fünf Jahren aussehen wird.

Hofmann            Wenn sie die Kunden fragen: "Haben Sie ein Problem?" haben sie meistens keines…

Dr. Hasse            ...Gott sei Dank!...

Hofmann            Kern des Design-Thinking-Ansatzes ist die Einbeziehung von Endkunden bei der Entwicklung neuer Lösungen und Services. Das können die Konsumenten eines Supermarktes sein oder der Techniker, den wir auf seiner Montage- und Wartungstour begleiten. Wenn sie den Techniker begleiten, kommen sie vielleicht auf die Idee, dass es gut wäre, wenn er die Hände frei hätte; Google Glass könnte hier auf einmal nützlich sein. So entstehen interessante Sichtweisen aus unterschiedlichen Perspektiven.

Gerritsen            Und dann muss man fragen, ob der Mieter auch bereit ist dafür mehr zu bezahlen.

Hofmann            Sehr guter Punkt! Wir betrachten bei Innovationen immer drei Aspekte: technische Machbarkeit, Kundenbedürfnis und die Tragfähigkeit des Geschäftsmodells. Wenn diese drei Dinge zusammen kommen, ist die Wahrscheinlichkeit ziemlich hoch, dass hier gerade eine Innovation entsteht. 

Dr. Hasse            Das gilt nicht nur für bestehende Bedürfnisse, sondern auch für zu erweckende: Ein Iphone oder ein Mountainbike hatte eigentlich niemand gebraucht...

Immobilienwirtschaft  Ein Marktplatz dagegen existiert seit hunderten von Jahren, wie kamen sie darauf, ihn digital wieder zu beleben, Herr Kramer.

Kramer                Innovation hat bei uns Tradition. Unser Handwerkerportal ist schon 15 Jahre alt. Nun haben wir uns im stillen Kämmerlein einmal zusammengesetzt und überlegt, wie man die anderen immobilienwirtschaftlichen Dienste, die das zentrale ERP-System mit Dienstleistern und Kunden vernetzt, an einem Platz vereint und für die moderne, mobile Technik zugänglich machen kann. Für uns als Mittelständler ist es hier ganz besonders wichtig, den Eindruck des Kunden mit dabei zu haben. Einmal im Jahr haben wir einen Kongress, auf dem es genau um diese Thematiken geht. Wir gehen bei unseren Entwicklungen von Nutzererfahrungen aus, neudeutsch: Wir stellen die User Experience ganz nach vorn. Wir beziehen denjenigen, der von der Nutzer-Oberfläche her kommt und einfach und in Bildern spricht ganz früh mit in unsere Entwicklungen ein. Die Kunst ist dann, in diesem Prozess die Stelle zu erkennen, an der man selber innovativ werden kann. Das Business Modell ist am Ende die Basis des Ganzen. SAP ist mittlerweile in der Wohnungswirtschaft stark verbreitet - das gibt uns großen Rückhalt. Darauf aufbauend spiegelt etwa die neueste Version unserer mobilen App wieder, was sich unsere Kunden zur einfacheren Anwendung gewünscht haben.

Hofmann            Bei der User Experience, der Anwendererfahrung, kommt es auf das Gesamtkundenerlebnis an. Das betrifft nicht nur die Oberfläche, sondern den Gesamtprozess.

Dr. Hasse            Tolle Oberfläche und nichts dahinter kann keiner gebrauchen.  

Hofmann            Wenn eingescannte Dokumente wieder ausgedruckt werden, ist der Prozess nicht zu Ende gedacht.

Kramer                Es zählt bei allem: Was hab ich davon? Was ist der Nutzen?

Gerritsen            Die Kunden wachsen ja auch. Alles ändert sich sowieso.

Dr. Hasse            Mindestens zwei müssen einen Nutzen davon haben - der Hersteller und der Anwender.

Schlagworte zum Thema:  Digital, Immobilien-Software, Software, ERP-Software, Cloud

Aktuell

Meistgelesen