Derzeit finden für den Nutzer Entwicklungen hin zur vermehrten Standardisierung und Vereinfachung statt. Für die Hersteller bedeutet dies stetige Anstrengungen, um am Markt bestehen zu können.

Haben Sie einen Tipp, was sich in der deutschen Immobilienwirtschaft durchsetzen könnte als Branchenstandard?

Gerritsen: Wir reden oft über lokale Standards. Etwa in den Niederlanden. Wer hat dort die meisten Nutzer? Der lokale Marktstandard oder der Yardi-Standard? Wer die meisten Nutzer aufweisen kann, der wird der allgemeine  Standard werden.

Schneider: Sorry, wenn ich hier ergänze: Wenn Schnittstellen in Kernprozesse hineingehen, dann betrifft das ganz viele Kunden. BIM ist da zum Beispiel ein Thema. Letztlich bestimmt aber der Kunde dieses Spiel. Wir können lediglich nutzwertige Werkzeuge zur Verfügung stellen, damit der Kunde es einfacher hat. 

 

Da brauche ich ein Beispiel.

Schneider: Wir stellen etwa in Absprache mit dem GdW unsere e-Rechnungsservice-Plattform den Verbandsmitgliedern zur Verfügung.

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Dr. Westphal: Unsere Philosophie ist, zu jeder Partnerschaft eine hoch entwickelte Schnittstelle umzusetzen.Umgekehrt führt nicht jede Schnittstelle automatisch zur Partnerschaft. Unser iX-Haus kommuniziert beispielsweise per Schnittstelle mit SAP und der Aareal Bank. Bei einer Lösung mit einer Partnersoftware wie DocuWare, tauschen wir jedoch nicht bloß Daten aus. Wir konzipieren eine tiefgehende prozessübergreifende Integration, die unseren Kunden einen hohen Mehrwert bietet, der deutlich über eine Verwaltungssoftware hinausgeht. 

Die neue Generation will alles und zwar sofort

Gerritsen: Vielleicht eine noch philosophischere Sichtweise: Meine 21-jährige Tochter besitzt sowohl ein iPhone als auch ein iPad. Ihren Zugang zu dieser Technologie hat sie vor allem durch deren Einfachheit. Und wir reden hier über Schnittstellen und Datenimport. Die neue Generation - und das sind die wichtigen Leute und der Markt der Zukunft - will davon gar nichts wissen. Sie will alles - und zwar sofort. Und dies sind diejenigen, die in aller kürzester Zukunft Berufe als Handwerker, Property oder Asset Manager ergreifen werden. Wir sind davon überzeugt, dass sich dadurch auch der Immobilienmarkt schnell und grundsätzlich ändern wird.

 

Wie schnell wird das gehen?

Gerritsen: Ich sage nicht, dass ERP-Software in fünf Jahren komplett vom Markt verschwunden sein wird. Aber für viele Nutzer wird sie dann nicht mehr relevant sein. Wenn ich etwas genehmigen möchte und dafür erst noch meinen Laptop hochfahren und mich in ein Portal einloggen muss – das wäre für meine Tochter bereits heute zu viel der Mühe!

Dieser Text stammt aus "Immobilienwirtschaft" Heft 12_2016/01_2017