Die Digital-Real-Estate-Unternehmen sind vor hochkomplexe Aufgaben gestellt. Keines kann mehr alles allein. Ein Round Table über die Kooperationsstrategien der Anbieter Aareon, Crem Solutions, Haufe und Yardi. Wie steht es etwa um das Partnering mit Dritten zum Nutzen der Kunden?

Was ist bei Aareon, Herr Schneider, die wichtigste Form: das Partnering mit den Kunden? Mit den Lieferanten? Oder mit anderen IT-Firmen?  

Hans-Georg Schneider, Aareon: Natürlich gehen wir auch mit unseren Kunden partnerschaftlich um. Doch in dieser Runde möchte ich das Thema Partner wie folgt beleuchten: Was machen wir mit Dritten zum Nutzen unserer Kunden? Wir haben zum Beispiel mehrere Partner im Bereich Portfoliomanagement. Letztendlich entscheidet aber der Kunde, von wem er welches Zusatzprodukt will. Wir pflegen Partnerschaften mit anderen Service-Providern, wie mit den Wärmemessdienstleistern in Deutschland. Mit ihnen haben wir die integrierte Heizkostenabrechnung erfunden – und somit Prozesse ganz tief integriert. Das Internet der Dinge bringt zusätzliche Themen mit sich und damit auch weitere Partner. Denn wir benötigen dabei nicht nur die Gerätehersteller, sondern auch diejenigen, die die Daten zur Verfügung stellen und diese in Geschäftsprozesse einbinden können. Das geht vom Smart Metering über die Haustechnik bis zur Sensorik. Das beste langjährige Partnering läuft natürlich mit unserer Muttergesellschaft Aareal Bank beim integrierten Zahlungsverkehr BK01®.

 

Als weltweit einheitliche Plattform, Herr Gerritsen, müsste Yardi doch meistens Inhouse-Partnering haben?

Richard Gerritsen, Yardi:  Stimmt, wir versuchen, alle Herausforderungen intern zu bewältigen. Natürlich kaufen wir auch ab und zu neue Technologien oder Konzepte ein – etwa durch die Akquisition anderer Firmen. Doch unsere langfristige Strategie ist es, eine alles umfassende Plattform anzubieten. Das ist auch eine unserer größten Stärken gegenüber den Wettbewerbern: Wir binden IT und Big Data in unsere Plattform ein. Und wir adaptieren Lösungen aus anderen Märkten, die dem weltweiten Immobilienmarkt in ihrer Entwicklung voraus sind.

 

Wie passt die Akquisition von iMS dazu? Damit kauften Sie ja ein Produkt, das  ähnliche Funktionalitäten anbietet, wie ihre Voyager-Plattform?

Gerritsen: Ja, wir haben damit ein Produkt eingekauft – aber wichtiger ist, dass mit dem Produkt ein Team kam, das nicht nur viel Know-how mitbringt, sondern auch eine sehr gute Erfolgsbilanz und Reputation auf dem deutschen Markt.

 

Kooperation mit Partnern

In den USA etwa besaß Yardi schon früh eine eigene Immobilienbörse. Werden Sie sich auch in Deutschland in diese Richtung diversifizieren?

Gerritsen: Ja, das haben wir vor. Wir suchen nur noch nach der passenden Lösung. Wir prüfen derzeit, wie wir unsere guten Voraussetzungen in Deutschland bestmöglich umsetzen können.

 

Herr Dr. Thies, in der Haufe Gruppe kooperieren Sie jetzt zusätzlich mit einem weiteren Mitbewerber, mit FIO Systems. Warum wollen Sie so viele Systeme im eigenen Hause haben oder mit ihnen kooperieren?

Dr. Carsten Thies, Haufe Gruppe: Wir kooperieren mit Partnern, die uns ergänzen oder auch im Wettbewerb zu unseren Angeboten stehen, um eine bessere Leistung für die Kunden anbieten zu können. Die Haufe Gruppe setzt auf Partner, um bestimmte Lösungen einfach schneller oder besser am Markt zu haben.

Sind denn die Marktanforderungen zu komplex, als dass sie ein Hersteller allein schultern könnte? 

Dr.  Thies: Apple allein etwa hätte niemals seinen AppStore mit dieser Vielfalt an Apps bestücken können. Ein genialer Schachzug, den Store für andere zu öffnen. Wir stehen dazu, dass wir zum Vorteil der Kunden mit FIO Systems eine exklusive Partnerschaft unterhalten und unser webgestütztes ERP-System axera gemeinsam anbieten.  Für eine Eigenentwicklung hätten wir Jahre gebraucht.

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Wir passen einfach gut zusammen.

 

Inwiefern?

Dr.  Thies: Wir haben gemeinsam den Punkt Cloud nochmal geschärft: Denn wir wollten nicht nur eine Software, die in das Rechenzentrum gestellt wird sondern eine echte Weblösung, die auf alle Ressourcen dynamisch zugreift und die Nutzung über die verschiedenen Endgeräte auch mobil zulässt.

Dieser Text stammt aus "Immobilienwirtschaft" Heft 12_2016/01_2017