05.11.2015 | Top-Thema Real Estate Talk "ERP-Systeme": Noch keine Disruption am Horizont

Von Innovation zur Disruption

Kapitel
Ralf Kuntschke, Regional Manager DACH der Yardi Systems GmbH, zu den weiteren Auswirkungen der Digitalisierung
Bild: YouTube

Wer sich mit seinen Kunden im Dialog weiterentwickelt wird nicht plötzlich die eine einzelne technologische Neuerung entdecken, die das gesamte bisherige Geschäftsmodell auf den Kopf stellt. Oder doch? 

Wenn die Kundenapp in ist – ist das nicht doch Zeichen für die Macht des Kunden?

Kramer: Sag ich ja! Ein Mieterportal ohne eine Kundenapp ist totaler Quatsch! Und plötzlich den Mieter mit seinem Wunsch für die individuelle Wandfarbe als Kunden zu entdecken, ist jetzt keine wirkliche Innovation... 

Schneider: … Die Kunden bestimmen ihr Geschäft – das steht doch außer Frage! Unsere Kunden haben eine Vorstellung, wie sie ihre Kunden zufrieden machen können. Und wir Hersteller können da sicherlich mit mehreren Optionen dazu beitragen ...

Dr. Thies: … die Innovationen kommen eher von uns Herstellern, da bin ich ganz bei Herrn Kramer. Wir treiben die technischen Möglichkeiten zusammen mit einem funktionierenden Geschäftsmodell, sonst wird es ja nicht nachhaltig. Das versetzt uns in die Lage, Dinge eben anders zu machen. Es gilt der Ausspruch von Henry Ford: „Hätte ich meine Kunden gefragt, hätten sie sich ein schnelleres Pferd gewünscht.“ Das Auto wäre nicht entstanden. Wenn ich die Zurückhaltung vieler Wohnungsunternehmen in Bezug auf die Digitalisierung sehe, dann erwarte ich nicht, dass sie die Digitalisierung auf breiter Front vorantreiben. Das sind nach meiner Wahrnehmung einige Große und vereinzelte Kleine.

Schneider: Jetzt muss ich doch mal eine Lanze für unsere Kunden brechen! Es gibt nämlich eine ganze Menge Kunden, mit denen man ganz wunderbar über Innovationen diskutieren kann. Sie sagen uns natürlich nicht, was wir machen sollen. Doch miteinander Ideen entwickeln – das funktioniert ganz hervorragend. Und die Unternehmen setzen unsere Entwicklungen dann mit Freude um. Oft sind sie auch bereit, Neues auszuprobieren.

 

Könnte es nicht doch sein, dass ein IT-Unternehmen plötzlich mit einer Neuerung um die Ecke kommt, die alles komplett verändert? Hat Yardi mit seinen weltweiten Aktivitäten diesbezüglich Erfahrungen? 

Kuntschke: Ein solches IT-Unternehmen gibt es derzeit nicht. Dann hätten wir unser Geschäft nämlich nicht verstanden. Du musst dich kontinuierlich mit deinem Kunden im Dialog weiterentwickeln. Ideen erkennen, vorantreiben und dann als Lösung dem Kunden vorstellen ist das Ding. Wir müssen den Kunden auf seinem Weg natürlich mitnehmen. Eine einzelne technologische Neuerung, die das gesamte bisherige Geschäftsmodell auf den Kopf stellt, wird es nicht geben.

Nur so sind Neuerungen adaptierbar: Der Kunde darf weder kostenmäßig noch technologisch überfordert werden. Das ist ein fließender Prozess. Yardi schafft diesen  seit 30 Jahren sehr gut. Das Unternehmen stellt sich fortwährend auch selbst in Frage. Ist die eigene Technologie noch up to date? Wohin wollen die Kunden? Welche Märkte wollen wir erschließen?

 

Und, welche wollen Sie erschließen?   

Kuntschke: Ein Beispiel: Yardi hat in den USA ein Unternehmen gekauft, das Software herstellt, die sich ausschließlich um die Belange älterer Menschen in ihren Wohnungen kümmert. Das integrieren wir jetzt, um zum Thema demografischer Wandel auch softwaretechnisch etwas beizutragen. Wer sich in Softwareentwicklung auskennt, kann seine Ideen auch schnell umsetzen.

Kramer: Stimmt. In Zukunft wird sich etwa die Kommunikation mit dem Mieter in Bezug auf seine Verbräuche nicht mehr nur darauf beschränken, ihm einmal im Jahr eine Abrechnung zu schicken. Der Nutzer fordert mehr. Ich bin aus der Historie der Messdienstleister heraus allerdings skeptisch, ob das die etablierten Abrechnungsunternehmen selbst hinkriegen. Da sichert sich doch nur jeder seinen Markt ab. Eher wird Apple mit seinem Homekit da etwas verändern. Und ich glaube an eine solche Strategie, wie sie Apple verfolgt. Da geht es nicht nur um die Geräte – es geht um die Anwendungen. Das wird vieles verändern. Mit BK01 oder Maareon war ja auch Aareon mal Treiber von Innovationen – ist halt schon eine Weile her.

Kapitel 4: Von Future Labs und Trendscouts

Schlagworte zum Thema:  Immobilien-Software, Software-Anbieter, ERP-Software, ERP, Digital Real Estate, IT, Digitalisierung

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