05.11.2015 | Top-Thema Real Estate Talk "ERP-Systeme": Noch keine Disruption am Horizont

Von Future Labs und Trendscouts

Kapitel
Jens Kramer, Gründer und CEO von Promos consult über die neue Plattform Easysquare und deren Partnernetzwerk
Bild: YouTube

Neue Methoden wie die agile Softwareentwicklung und das Design-Thinking halten Einzug bei den IT-Herstellern. Der Entwicklungsprozess wird flexibler -wie auch die Lösungen selbst.

Werden nicht durch den flexibleren Entwicklungsprozess auch die Lösungen selbst anpassungsfähiger?

Kuntschke: IT hat aufgrund gewachsener Kundenbeziehungen einen klaren Blick auf die Kundenprozesse. Im Dialog stellt man dann auch fest, welche Prozesse sich ändern könnten. Die Verantwortung von IT ist es, das auch aufzunehmen und in Lösungen zu gießen. Wir entwickeln doch keine Prozesslösung für einen Prozess, der dem Kunden noch gar nicht bekannt ist. 

Dr. Thies: Dafür gibt es die neuen Methoden der agilen Softwareentwicklung und des Design-Thinking. Die Softwareentwicklung wird flexibler. Konzepte werden iterativ, unter intensiver Einbeziehung von Kunden entwickelt. Die IT bietet auch in den Lösungen selbst mehr Flexibilität und Agilität.

 

Technologisch also kein Problem?

Kramer: Die Projekte werden immer größer. Es ist faszinierend, dass man auf der Kundenseite jetzt Ansprechpartner hat, die tief mitdenken wollen. Die neuen Technologien mit graphischem und prototypischem Arbeiten lassen das auch zu.

 

In der Energiewirtschaft etwa sucht man ja händeringend nach neuen Geschäftsmodellen. Die Firmen unterhalten alle Future Labs und wollen so Trends antizipieren. Wie laufen Innovationsprozesse bei Ihnen ab? Auch in Future Labs?

Schneider: Das ist ein Thema, das wir ganz intensiv bearbeiten. Die Energieunternehmen selbst haben jetzt die Wohnungswirtschaft als Kunden wiederentdeckt. Da kommt eine ganze Menge hoch. Es geht um Wechselprozesse, Leerstandsmanagement, Zählerintegration. Wie werden Contracting-Modelle integriert, Smart Metering, unterjährige laufende Anzeige und vieles mehr. Hier ist richtig Bewegung drin. Das ist ein Teil von Business-Development – hier passiert Innovation. Nehmen Sie das Beispiel Mieterstrom. Wir schaffen  für diesen Neuprozess Lösungen, die wir aktuell noch nicht im Portfolio haben – etwa Stromrechnungen erstellen, auch mit Partnerunternehmen.

Dr. Thies: Die Haufe Gruppe hat so ein Future Lab: Wir nennen es Horizont 2 und 3. Die Idee ist, dass sich unser Geschäft in drei Horizonten entwickelt: im Bestandsgeschäft, das wir auf Profit und Performance managen, in Wachstumsthemen und in Optionen für die Zukunft. Das Wort „Lab“ würde bei uns nicht passen. Wir versuchen vielmehr, interaktiv mit den Kunden Lösungen zu entwickeln.

 

Wie laufen Innovationsprozesse bei Yardi ab? Sie bräuchten ja für jedes Land ein eigenes Future Lab?

Kuntschke: Das haben wir auch. Wir haben in den einzelnen Regionen unsere Kundenforen, wo wir gemeinsam mit dem Kunden agieren. Aber der Begriff „Lab“ hört sich so an, als ob hier etwas isoliert würde. Wir sehen das vielmehr so: Sollte ein lokaler Trend zu einem globalen  werden, sind wir in der Lage, durch eine zentrale Entwicklung unserer Software die Lösung zu diesem Trend in dem jeweiligen Land auszurollen.

Kramer: Wir gehen da sehr agil vor. Das Wort „Labor“ bezeichnet es schon treffend. Wir haben ein Team mit sehr unterschiedlichen Charakteren. Auch für uns ist der frühe Kundenaustausch oder der Austausch mit Kollegen und Partnern sehr wichtig. Das ist ein Netzwerk von Leuten, mit denen Initiativen geboren oder besprochen werden. Dies muss man dann filtern. Auch auf Kongressen und Vorträgen sammeln wir Eindrücke von relevanten Themen und dann wird entschieden, welches Projekt wir weiterverfolgen.

Kuntschke: Viele Wohnungsunternehmen sagen ganz klar: Wir scheuen die großen Investitionen in die Mobilisierung unserer Außendienstmitarbeiter. Investition ist ein Risiko. Und viele Standardprozesse sind gar nicht bekannt. Und zwar in vielen Unternehmen. Oft wird nur die Ist-Kostenseite gesehen und die drohenden Investitionen, nicht aber die Ersparnis, die durch die Prozessautomatisierung erfolgen könnte. Dabei ist die Technologie längst da.

Schneider: Es ist wichtig, jederzeit das Ohr am Markt und an Nachbarmärkten zu haben. Ein Beispiel ist Building Information Modeling (BIM). Zunächst war das weit weg für unsere Kunden. Aber wenn man öfter mit ihnen darüber spricht, steigt ihr Bewusstsein dafür. Wir haben jetzt erste Kunden, die BIM anwenden. Bei diesem Thema sind wir überzeugt davon, dass es sich verbreiten wird. Es gibt auch eine EU-Initiative dazu.

Kapitel 5: Die Branche, der Content und das Internet der Dinge 

Schlagworte zum Thema:  Immobilien-Software, Digital, IT, ERP-Software, ERP, Digital Real Estate, Digitalisierung

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