05.11.2015 | Top-Thema Real Estate Talk "ERP-Systeme": Noch keine Disruption am Horizont

Der Kunde entscheidet, welche Entwicklungen er annimmt

Kapitel
Wie Hans Georg Schneider, Generalbevollmächtigter der Aareon AG, auf die Erwartungen seiner Endkunden eingeht.
Bild: YouTube

Der Kunde ist der Maßstab für gelingende Innovationen. Nur wenn diese seine Geschäftsprozesse verbessern setzen sich Neuerungen der IT-Hersteller auch durch.

Wie stark können eigentlich die Kunden auf Veränderungen bei den IT-Herstellern hinwirken, Herr Schneider?  

Schneider: Natürlich entscheidet der Kunde, was er von unseren Innovationen annimmt. Der Kunde denkt typischerweise aus seinen Prozessen und Geschäftsmodellen heraus. Eine wichtige Frage ist auch: Wie stark bleiben die Wohnungsunternehmen bei ihrem derzeitigen Kerngeschäft – der Vermietung? Wenn sich die Belegungsdauer amerikanischen Verhältnissen von nur wenigen Monaten annähern würde, änderten sich auch hier Prozesse und Geschäftsmodelle. Und klar ist: Wenn sich die Geschäftsmodelle unserer Kunden ändern – etwa hin zu größerer Serviceorientierung, was wir jetzt schon feststellen –, dann bieten wir dafür natürlich Lösungen an.

 

Wie ändert das Serviceverlangen der Kunden Ihre Lösungen? 

Schneider: Ein Beispiel: In Schweden – wo wir auch aktiv im Geschäft sind – bietet jedes Wohnungsunternehmen auf der Homepage den Mietern beim Einzug viele individuelle Angebote. Welche Wandfarbe und welchen Fußbodenbelag sie wollen, welche Möbel sie haben möchten und wie sie diese bezahlen wollen – als Einmalzahlung oder als Aufschlag auf die Miete. Das ist dort bereits Standard. In Deutschland findet man aktuell nur wenige Wohnungsunternehmen, die Ähnliches anbieten. IT-technisch sind solche Katalogservices kein Hexenwerk – das können wir. Aber unsere Kunden haben sich noch nicht entschieden, auch mit solchen Services Geschäft zu generieren.   

Dr. Thies: Das ist eine Frage des tatsächlich empfundenen Vorteils. Unter Umständen wünschen die Mieter eines Wohnungsunternehmens mit Durchschnittsalter um die 60 kein Kundenportal, weil sie ihre Skatrunde lieber über einen Aushang komplettieren als über ein soziales Netzwerk im Internet. Im gewerblichen Bereich laufen die Entscheidungen für oder gegen den Datenaustausch über ein Portal vor allem nach wirtschaftlichen Kriterien ab.   

Schneider: Man darf auch nicht vergessen: In zehn Jahren sind die, die heute 50 sind, 60 – und die bringen dann schon ganz andere digitale Voraussetzungen mit. Einer unserer Kunden vermietet 30.000 Studentenappartements in den Niederlanden, da wird über Digitalisierung gar nicht gesprochen – sie wird einfach vorausgesetzt. Der Student macht dort alles online. Er kommt nur einmal vorbei, um seinen Türöffnungschip abzuholen. Alles andere zwischen Ein- und Auszug läuft übers Internet, zumeist mit mobilen Endgeräten. Anhand solcher Kunden können wir zeigen, was heute schon geht. Das findet auch großes Interesse bei anderen Unternehmen.

 

Wenn wie im genannten Beispiel die Studenten alles mobil und online machen wollen, ist es dann nicht sogar der Kundenkunde, sozusagen von noch einer tieferen Ebene, der dies alles auslöst? 

Kramer: Nein, ich sehe die Verantwortung ganz klar bei uns Herstellern. Das heißt, wir müssen auch den Kunden des Kunden Produkte und Lösungen zur Verfügung stellen, die einfach, bezahlbar und zu Ende gedacht sind. Wie weit Unternehmen bei Innovationen gehen wollen, ist unterschiedlich. Ich erlebe da viel Offenheit im Markt. Doch die Hauptverantwortung sehe ich bei den IT-Unternehmen selbst. Wir müssen von Natur aus innovativ sein!

 

Wie drückt sich das aus?      

Kramer: Wir selbst müssen Mut beweisen. Selbstverständlich macht der Staat auch mal Gesetze und wir müssen entsprechend reagieren. Aber um eine Innovation handelt es sich dabei nicht. Einer wirklichen Innovation wohnt das Risiko inne. Und das ist vielleicht die Schwierigkeit für größere Unternehmen. Kleinere, flexiblere Unternehmen können dies vielleicht eher. Und doch sieht man am Beispiel Amazon: Der Dienst funktioniert auch ohne Telefonnummer. Und zum Beispiel Schweden sage ich: Mieterportal ist out – Kundenapp ist in. In Deutschland hat das Smartphone fast alle anderen Geräte abgelöst, um ins Internet zu gehen.

 

Gilt das für alle Altersgruppen?       

Kramer: Die ganze Diskussion, wie alt jemand ist – ich muss das mal so deutlich sagen –, die finde ich mittlerweile langweilig. Das ist einfach nicht der Punkt! Wir müssen als IT-Hersteller einfach Lösungen entwickeln, die man versteht, die man benutzt und die etwas anders sind als vorher – nämlich besser. 

Kapitel 3: Von Innovation zur Disruption

Schlagworte zum Thema:  Digital, Immobilien-Software, ERP-Software, ERP, Digital Real Estate, IT, Digitalisierung

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