Michael Schmid, Vorsitzender der Geschäftsführung der DB Services (links), im Gespräch mit Immobilienwirtschaft-Redakteur Jörg Seifert. Bild: YouTube

Wie digital ist das Facility Management? Michael Schmid, Vorsitzender der Geschäftsführung der DB Services GmbH, berichtet im Interview über eine Roboter Challenge zum digitalen Mülleimer, über Compliance bis in die kleinsten Firmenverästelungen und über die Wertschöpfung im FM 4.0. 

Herr Schmid, wie digital wird die Zukunnft? Ab wann werden etwa der digitale Mülleimer, Reinigungsroboter und vieles mehr Einzug halten?
Wenn Sie auf das Thema Robotik zielen – wir haben heute zehn digitale Mülleimer in Betrieb. Eine Roboter Challenge testet gerade im Berliner Hauptbahnhof, wie leistungsfähig diese Dinger eigentlich sind.

Der Mensch wird bei uns im handwerklichen Umfeld unentbehrlich bleiben. Es wird nicht so sein, dass der Himmel voller Drohnen und der Boden voller Roboter sein wird. Denn die Standardisierung der Gebäude und der Oberflächen ist so gering in Deutschland, dass die Anwendung ein bisschen schwierig ist.

Wie stellen Sie bei Ihren 9.300 Mitarbeitern sicher, dass jeder compliant ist?

Dadurch, dass Compliance ein essentieller Teil unseres Managementsystems ist. Wir agieren sauber in allen Belangen und sind gerichtsfest unterwegs. Das gilt für mich als obersten Compliance Officer bis in die kleinsten Verästelungen unseres Unternehmens. Wir haben Compliance-Schulungen und nutzen unsere Führungsstruktur, um Compliance zur Belegschaft zu bringen.

Sensibilisierungs-Aktivitäten für die Mitarbeiter

Gilt das auch für Themen wie Mindestlohn oder Nachunternehmereinsatz?

Gerade in solchen Themen  ist die gesamte Organisation sehr sensibel. Wir können auch testieren, dass wir da compliant sind. Dafür haben wir erstens E-Trainings, die vom Konzern zur Verfügung gestellt werden. Zweitens muss jeder Mitarbeiter unsere Sensibilisierungs-Aktivitäten mindes­tens einmal im Jahr durchlaufen.

Welche Rolle spielen in Ihrer Strategie grüne Dienstleistungen?

Wir alle haben auch einen gesellschaftlichen Auftrag, ökologisch zu handeln und etwa Verschwendung zu vermeiden. DB Services stellt sicher, dass wir etwa nur die Menge Reinigungsmittel nutzen, die notwendig ist. Wir haben über ökologische Ansätze in unserem Fuhrpark mit 2.220 Fahrzeugen bereits 400.000 Liter Sprit und 10.000 Tonnen CO2 eingespart. Als Dienstleister arbeiten wir intensiv daran, dass auch das Nutzungsverhalten unserer Kunden ökologisch ist, etwa in Bezug auf Kältemittel­einsatz.

Werden Sie, wie die Deutsche Post, auch Elektrokleinlastkraftwagen produzieren?

Momentan nicht. Wir kooperieren dabei mit Start-ups. Wir nutzen individualisierte Cargo-Bikes für Post- und Bodendienstleistungen. Und wir haben 50 Elektrofahrzeuge im bundesweiten Einsatz.

Wie begegnen Sie strategisch dem Personalmangel?

Indem wir den Mitarbeitern aus dem eigenen Haus Karriere- und Entwicklungs-Pfade aufzeigen. Wir qualifizieren sehr viele Leute neu – auch etwa in den Mangelberufen Hausmeister oder -inspektoren. In der Technik setzen wir auf den zweiten Pfad Recruiting. Wir betreiben Hochschulmarketing und -partnerschaften, um Menschen für das Thema FM und Gebäudebewirtschaftung zu begeistern. In unserer Kampagne „Chance plus“ geben wir zudem Arbeitnehmern ohne Abschluss die Möglichkeit, den Schulabschluss nachzumachen oder im angelernten Bereich bei uns heimisch zu werden. So decken wir unseren Personalbedarf von 300 Mitarbeitern im Jahr.

Michael Schmid, Vorsitzender der Geschäftsführung der DB Services Bild: Haufe Online Redaktion

Sie versprechen im FM Kostensenkung und Prozessoptimierung zugleich. Wie soll das gehen?

Indem man seine Prozesse im Griff hat! Damit versprechen wir ja nichts Unmögliches.

Wir erzeugen Kundennutzen. Diesen machen wir transparent: Mit digitalisierten Echtzeitinformationen weiß jeder Beteiligte – sei es in Reinigungs- oder Technik­aufträgen – um den Stand des Prozesses.

In diesem Gesamtkonstrukt haben wir dann die Möglichkeit, zielgenau Personal, Prozesse und Ergebnisse zu steuern.

Bergen nicht Jahrespauschalen dafür ein großes unternehmerisches Risiko?
Diese funktionieren natürlich nur in Verträgen, die auf Vertrauen basieren. Bei etwas Spielraum für die Dienstleistungssteuerung macht so ein Gesamtkonstrukt durchaus Sinn. Denn es erfüllt tatsächlich beides: effiziente durchgängige Prozesse und auch eine kostenoptimierte Vergütung dafür.

Ausfälle bei Aufzügen und Rolltreppen vorhersagen

Was passiert gerade in Richtung Facility Management 4.0?

Es geht im Facility Management aktuell darum, digitale Intelligenz anzuwenden und tatsächlich zustandsbasierte vorausschauende Instandhaltung zu bekommen.

Es deutet sich im Bereich Aufzüge und Fahrtreppen eine Möglichkeit an, mit Big-Data-Partnern sicherzustellen, dass wir in 80 Prozent der Fälle einen Ausfall vorhersehen können.

Bei Rolltreppen und Aufzügen funktioniert Predictive Maintenance schon!? 

Es sieht nicht schlecht aus, aber wir sind noch lange nicht am Ende. Über Logik und Datenvielfalt, inklusive Reiseströmen und Wetterdaten, kann schon viel in diese Richtung gemacht werden.  

Zum Thema FM 4.0 gehören auch internetbasierte Vergabeplattformen. Wie wichtig sind diese für Sie?

Wir nehmen manchmal an solchen Auktionen teil. Ich persönlich halte nicht viel davon. Dieses Verfahren hat ausschließlich eine Zielrichtung: den Preis. Es findet kein Wettbewerb der Konzepte statt. Das Thema Preis muss ein Ende haben – ansonsten kann die Qualität nicht mehr sichergestellt werden.

Gelingt gemeinsam mit Partnern ausreichend Wertschöpfung?

Ja. Wenn wir auf Partnerschaften mit Lieferanten nur dann setzen, wenn wir Dinge nicht selbst tun. Wenn wir auf Partnerschaften mit Wettbewerbern dort setzen, wo bei jenen flächendeckend andere Skills vorhanden sind, sodass wir miteinander ein Mehr produzieren und Kunden zufriedenstellen. Auf Start-ups setzen wir in Innovationsangelegenheiten. Jeder soll mit seinen Fähigkeiten aus seinem Geschäft dann auch die Wertschöpfung ziehen.

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Schlagworte zum Thema:  Facility Management, Digitalisierung

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